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Kunst mal anders:

„Ich male mit Menstruations­blut“

Ebenthal – Für viele Frauen ist es normal ihre Menstruation mit einem Tampon oder einer Binde aufzufangen und anschließend in den Müll zu werfen. Doch Stefanie Mertl fängt ihr Blut auf und malt damit Kunstwerke. Wir haben mit ihr über ihre ungewöhnliche "Mondblutkunst" gesprochen.

 5 Minuten Lesezeit (645 Wörter)

Die meisten Frauen stehen ihrer Menstruationsblutung negativ gegenüber. Sie verbinden diese Phase des Zyklus mit Schmerzen, Müdigkeit und Gereiztheit und wollen diese Zeit möglichst schnell hinter sich bringen. Ihr eigenes Menstruationsblut finden viele Frauen abstoßend und eklig. Das Menstruationsblut ist die oberste Schichte der Gebärmutterschleimhaut (Nährboden für das neue Leben), welche sich jeden Monat neu aufbaut in der Hoffnung, dass eine Befruchtung stattfinden werde. Kommt keine Samenzelle vorbei geschwommen, löst sie sich am Ende des Zyklus in Form der Menstruationsblutung wieder ab, was zugleich auch ein Reinigungs- und Gesundungsprozess für Frauen darstellt.

Menstruation ist etwas Natürliches

„Die Menstruation ist das Natürlichste der Welt – sie ist ein Geschenk“, sagt Stefanie und möchte den Frauen zeigen, dass es auch anders geht. „Ich sehe die Menstruation als natürlichen Teil meines Zyklus und freue mich meist auf diese Phase“, erzählt uns die Künstlerin. „Diese intensive Zeit versuche ich mit mir selbst zu genießen und mich zurückzuziehen, soweit dies Beruf und Familie zulassen.“ Es gab Epochen und Kulturen, da galt eine menstruierende Frau als eine machtvolle Frau. Sie war einer Zauberin/Priesterin gleich. Durch die Menstruation konnte sie ein Blutopfer für die lebende Mutter Erde erbringen, ohne zu töten oder zu verletzen.

Blut tut den Pflanzen gut

Wenn Stefanie ihr Menstruationsblut nicht zum Malen verwendet, dann gießt sie damit in verdünnter Form den Garten. Ja, du hast richtig gelesen, denn Blut enthält drei der essenziellen Makronährstoffe von Pflanzen: Stickstoff, Phosphat und Kalium. Diese werden von den Pflanzen gebraucht, damit sie nicht sterben. Menstruationsblut ist also ein natürlicher Dünger! Genial oder?

Wohin mit dem Blut?

„Ich fange mein Blut mit einem Menstruationsschwämmchen auf, das ich dann in eine Schale ausdrücke oder mit einer Menstruationstasse, die frau einfach ausleeren kann“, erzählt Stefanie. Irgendwann hat sie von der Kunst mit Menstruationsblut gelesen oder davon gehört und es dann einfach selbst probiert.

Mondblutkunst

Stefanie malt mit frischem Blut, weil es nach einigen Tagen zu stinken anfängt. „Frisch verwende ich es daher schnell oder gebe ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu“, erfahren wir. „Ich habe auch schon Schnee mit meinem Blut verziert.“ Manchmal lässt sie das Menstruationsblut auch in einer flachen Schale trocknen. So ist es für längere Zeit haltbar. Das frische Blut kann je nach Zyklustag unterschiedliche Rot- bis Brauntöne haben. „Getrocknet wird es immer bräunlich und verblasst auch mit der Zeit“, erfahren wir. Auch von Zyklus zu Zyklus kann sich die Farbe und Konsistenz ändern, mal dicker, mal dünnflüssiger, rubinrot, weinrot oder blasser. „Ich male meist Symbole, Kreise, Spiralen, Mondsicheln, alles, was mich während meiner Mondzeit bewegt“, erzählt uns Stefanie.

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Stefanie malt mit ihrem Menstruationsblut Kunstwerke.

Stefanie malt mit ihrem Menstruationsblut Kunstwerke. - © KK

Wie kommt die Blutkunst bei anderen an?

„Meine Familie ist diese Art der Kunst gewöhnt. Meine Kinder wachsen damit auf. Für sie ist das normal“, sagt Stefanie. „Freundinnen reagieren unterschiedlich. Manche sind erstaunt, andere neugierig. Bisher hat noch keiner zu mir gesagt, dass es eklig sei“, verrät uns die Künstlerin. „Ich bewege mich auch eher in Kreisen, in denen die Akzeptanz für so etwas hoch ist“, lächelt Stefanie. „Was soll daran auch eklig sein? Die Menstruation ist ein Geschenk, das Nestchen, das mein Kind nährt, wenn es zur Befruchtung kommen würde“, sagt sie.

Wo sind die Kunstwerke zu sehen?

Stefanie stellt manche ihrer Kunstwerke bei ihren Frauenkreisen und Roten Zelten aus. Sie malt auch noch mit anderen Farben, wie Wasserfarben oder Acryl und Kreide. „Ab und an hängen meine Mondblutbilder in meinem Zimmer, dann kommen sie zu meinen anderen Kunstwerken“, erfahren wir. „Ich habe auch schon welche verschenkt“, lächelt Stefanie. „Die Mondblutkunst ist für mich ein Ausdruck meiner Weiblichkeit.“

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