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Betreiber Michael Lamprecht und sein Team sind seit dem Brand unermüdlich im Einsatz für ihre Kunden.
Betreiber Michael Lamprecht und sein Team sind seit dem Brand unermüdlich im Einsatz für ihre Kunden. © 5min

Andere Reifenhändler unterstützen

Gerüchte nach Brand: „Wir wären wahn­sinnig,…“

Villach – Ganz Villach schaute entsetzt auf die Rauchwolke am Himmel, als am 10. Oktober 2019 das Lager von "Reifen Lamprecht" in Vollbrand stand. Tausende Felgen und Reifen wurden an diesem Tag zerstört. Die Brandursache steht noch nicht fest, doch die Gerüchteküche brodelt. "Wir wären wahnsinnig, wenn wir unser Lager anzünden würden", so der Betreiber Michael Lamprecht. Wir haben heute mit ihm über die Vorwürfe gesprochen. Lamprecht ist seit dem Brand unermüdlich für seine Kunden und sein Unternehmen im Einsatz.

 6 Minuten Lesezeit (762 Wörter) | Änderung am 27.10.2019 - 11.35 Uhr

Die Wintersaison 2019 stand vor der Tür. Hunderte Kunden hatten bereits Termine vereinbart, um pünktlich zum Start der Winterreifenpflicht am 1. November ausgerüstet zu sein. „Für uns hieß das monatelange Vorbereitungen“, erklärt Betreiber Michael Lamprecht im Interview mit 5 Minuten. Die zehn Mitarbeiter hatten die Reifen in mühevoller Vorarbeit bereits auf die Felgen gesteckt. „Die fertigen Räder warteten im Reifenlager praktisch nur noch darauf, auf die jeweiligen Fahrzeuge der Kundinnen und Kunden montiert zu werden.“ Aber dann kam das Unvorhergesehene.

Vollständig abgebrannt

Dann kam der 10. Oktober und mit ihm der Großbrand. „Wir waren komplett vor den Kopf gestoßen“, beschreibt Ulli Lamprecht die damalige Situation. Das Reifenlager ist vollständig abgebrannt. Glück im Unglück: Weder Büro noch Werkstatt wurden von den Flammen beschädigt. Lediglich die Stromversorgung im Büro funktionierte nicht mehr. „Das wurde gleich am darauffolgenden Montag repariert“, erzählt Michael. Der Betreiber behielt einen kühlen Kopf. „Dafür bewundere ich Michi“, betont Ulli. „Er hatte sofort einen Plan B zu Hand.“

Nach dem Brand herrschte Chaos

„Es herrschte das reinste Chaos“, so Ulli. Zahlreiche Fahrzeugbesitzer hatten ihre Reifen in der Halle gelagert. Durch den Brand und den meterhohen Schaum wurden rund 6.000 bis 7.000 Reifen der Kunden zerstört. Weitere 2.000 bis 2.500 Stück Reifen waren vom Lagerbestand von der Zerstörung betroffen. Der Schaden geht in die Millionenhöhe.

Die gleich nebenan befindliche Montagehalle mit vier Hebebühnen wurde von dem Brand mit Ruß in Mitleidenschaft gezogen. Diese wurde schnellst möglich gereinigt und ist nun unermüdlich im Einsatz, damit die Kunden ihre Reifen erhalten können.

Tags darauf liefen die Telefone heiß

Die Kunden stellten alle dieselbe Frage: Wie komme ich zu meinen Reifen? „Auch die Versicherungen waren zu Beginn mit der Situation überfordert“, so Chef Michael Lamprecht. Der Fall musste erst koordiniert werden. Mittlerweile ist klar: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Der schnellste Weg geht über die eigene Haushaltsversicherung“, so die Betreiber. Sollte die Haushaltsversicherung die Reifen nicht übernehmen, dann übernimmt es die Versicherung von „Reifen Lamprecht“. „Das dauert allerdings etwas länger“, bedauern Ulli und Michael, denn deren Versicherung wartet noch auf das Ergebnis der Brandermittler. Dieses steht jedoch noch aus.

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Diese Nachricht ging an alle Kunden, die ihre Reifen eingelagert hatten.

Diese Nachricht ging an alle Kunden, die ihre Reifen eingelagert hatten. - © 5min

Villacher Reifenhändler helfen aus

„Sowohl die Industrie, als auch die Lieferanten sind uns entgegengekommen“, schildert Michael. Das Team rund um das Unternehmerpaar versucht vor allem dringende Fälle so schnell wie möglich zu bearbeiten. „Wir bitten aber alle Kundinnen und Kunden um Verständnis. Uns ist es leider nicht möglich alle Termine noch vor Beginn der Winterreifenpflicht zu schaffen“, ergänzt Ulli. Die beiden Betreiber haben auch andere Reifenhändler aus der Region um Kooperation gebeten. Hier hilft man zusammen.  „Wenn es uns zu viel wird, dann müssen wir die Fahrzeugbesitzer leider wegschicken.“ Eine groteske Situation, die wohl jedes Unternehmerherz bluten lässt. „Wir haben Kunden, die wir schon jahrelang kennen, zu anderen Händlern geschickt. Das machen wir, damit sie versorgt sind.“

„Solche Kommentare tun weh“

Besonders schlimm: In den sozialen Medien wird den Betreibern unterstellt, das Reifenlager selbst angezündet zu haben. In Villach brodelt die Gerüchteküche und viele spekulieren. „Solche Kommentare tun weh“, sagt Ulli. Auch bei Michael treffen sie auf Unverständnis. „Es ist Hauptsaison und unser Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Wir wären wahnsinnig, wenn wir jetzt unser Lager anzünden würden“, so der Villacher Unternehmer. Zur Brandursache kann er nichts sagen. „Wir wissen schlicht und einfach nicht, warum der Brand ausgebrochen ist und warten ebenfalls auf das Endergebnis.“ Aktuell wissen die beiden nicht mehr, wo ihr Weg sie jetzt hinführt. „Das ist zurzeit nicht absehbar“, so Michael, aber „wir werden für Mitarbeiter und Kunden unser Bestes geben.“ Derzeit ist der Chef unermüdlich im Einsatz, um sein Unternehmen zu stabilisieren. Keine leichte Aufgabe, wenn man auf die Brandursache und Versicherung warten muss.

„DANKE an Kunden, Mitarbeiter & Feuerwehr“

Trotzdem ist es ihnen ein Anliegen sich zu bedanken. „Zuallererst bei unseren Kundinnen und Kunden für das große Verständnis, welches ihr uns entgegenbringt“, so Ulli. „Aber auch bei unseren Mitarbeitern. Ihr seid Weltklasse!“ Zudem möchten sie allen freiwilligen Helferinnen und Helfern danken: „Für die Leistungen, die ihr gebracht habt! Ihr habt ein großes Unglück verhindert. Der Brand hätte auch auf den Nachbarbetrieb übergreifen können. Es war wirklich Rettung in letzter Sekunde!“

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