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Politik
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Beim Europäischen Volksgruppenkongress diskutiert:

„Was passiert wenn Mauern fallen?“

Spiegelsaal Klagenfurt – Eine der renommiertesten Veranstaltungen des Landes, der Europäische Volksgruppenkongress, startete gestern, Mittwoch, mit einer Podiumsdiskussion, die unter dem Motto „Wenn Mauern fallen?“ den Fragen nachging, was geschehen muss, damit Mauern fallen und was passiert, wenn Mauern fallen in Anlehnung an den Berliner Mauernfall vor 30 Jahren, aber auch betreffend imaginärer Mauern wie beispielsweise bei der Kärntner Ortstafellösung im Jahr 2011.

 5 Minuten Lesezeit (631 Wörter) | Änderung am 14.11.2019 - 21.55 Uhr

Mit Landeshauptmann Peter Kaiser konnte das Volksgruppenbüro im Spiegelsaal der Landesregierung Schriftstellerin Maja Haderlap, Historiker Hellwig Valentin und Kulturmanager Peter Fritz am Podium begrüßen. Moderator Thomas Cik spannte den Bogen vom Fall der Berliner Mauer über den Jugoslawienkrieg, die Ortstafellösung bis hin in die Zukunft Kärntens.

Rasante Veränderungen in Zukunft

Für Landeshauptmann Kaiser war klar, dass die Zukunft rasante Veränderungen bringen werde, der Politik und der Bevölkerung. „Die wirtschaftliche Basis wird die Veränderungen in der Politik prägen. Wir werden durch die Digitalisierung erleben, dass nichts mehr so sein wird, wie bisher. Arbeitsplätze werden sich verändern, wird es nicht mehr geben, neue werden entstehen. Auch die Kunst und Kultur werden sich verändern, auch da wird die digitale Kunst Einzug halten. Von einem bin ich aber überzeugt: das Gemeinschaftliche als Voraussetzung für ein funktionierendes Zusammenleben wird bleiben“, so Kaiser.

Zweisprachige Bezirksgerichte sollen erhalten bleiben

Daher sah Kaiser auch in der Sprache die wichtigste Identitätsbildung für die Zukunft. „Ohne Sprache kann kein Dialog stattfinden. Es geht aber darüber hinaus, beispielsweise bis hin zur Topographie inklusive der Hinweisschilder. Die wichtigsten Herausforderungen, die Volksgruppe und unser Zusammenleben betreffend, haben wir gemeistert“, wies Kaiser hin. Dass es im Rahmen des Dialogforums einmal eine einstimmige Petition, an die Bundesregierung gerichtet, geben werde, hätte vor 15 Jahren laut Kaiser auch noch niemand gedacht. Mit der Petition werde von der Bundesregierung gefordert, die zweisprachigen Bezirksgerichte in Kärnten zu erhalten.

Rituale und Symbole wichtig

Für Maja Haderlap war die zentrale Frage der Zukunft, wie „wir in Kärnten leben wollen“. „Es geht nicht nur darum, Slowenisch in Wort und Schrift zu erhalten. Die Sprache sollte selbstverständlich sein, sollte Teil unserer Wirklichkeit werden. Darin sind die deutschsprachigen Kärntner gefordert“, appellierte Haderlap. Kulturmanager Peter Fritz, der sämtliche Initiativen und Projekte für das Jubiläumsjahr zur Volksabstimmung 2020 koordiniert, ist der Dialog zwischen Volksgruppe in Kärnten und der Mehrheitsbevölkerung gegeben. „Doch sei bezüglich eines Konsens noch einiges zu tun. Konflikte bisher waren sehr stark Funktionärskonflikte, das Mobilisierungspotenzial ist mittlerweile gering, aber noch da, wie man an den Diskussionen rund um die Verfassung und auch die Carinthija 2020 sieht“, verwies Fritz. Für die Zukunft seien Rituale und Symbole weiterhin wichtig, wie beispielsweise der 10. Oktober und seine Feiern. „Aber am Ende des Tages darf deutsch oder slowenisch kein Thema mehr sein, vor allem in Hinblick darauf, was von Außen über Kärnten gedacht werden soll“, so Fritz.

Kompromiss war ein Durchbruch

Breiter Raum wurde in der Podiumsdiskussion der Kärntner Ortstafellösung gegeben, die als positives Beispiel in der Geschichte zu sehen sei, wie imaginäre Mauern niedergerissen werden können. „Ich glaube, dass im Jahr 2011 bei einer anderen politischen Konstellation keine Lösung möglich gewesen wäre. Die Überzeugung Dörflers, der Schwenk der FPÖ und die Funktion Landeshauptmann haben die Einmütigkeit gebracht. Der Kompromiss war ein Durchbruch. Wir können deshalb heute mit Respekt und Erleichterung diskutieren. Dieser Verdienst geht an den damaligen Landeshauptmann Dörfler“, sagte Kaiser.

Die Zeit vor der Ortstafellösung

Valentin erinnerte sich an die Zeit vor der Ortstafellösung, als „die Kärntner Slowenen diskriminiert worden sind, als niemand sich zur Volksgruppe bekennen wollte, als Angst herrschte, Kinder in den zweisprachigen Unterricht zu schicken. Aber es hat sich viel verändert. Ortstafeln sind Identität und die Zweisprachigkeit ist eine besonderer Wert Kärntens“, so Valentin. Auch Maja Haderlap erlebte die Zweisprachigkeit Kärntens und alles, was sie mit sich brachte, direkt in ihrem Heimatort Leppen bei Eisenkappel. „Es herrschte fast Apartheit! Man wusste, wo man in Eisenkappel slowenisch sprechen durfte und wo nicht. Sogar wir Kinder wurden getrennt und gingen, je nach Sprachhintergrund, in unterschiedliche Volksschulen“, erinnerte sich Haderlap.

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