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Wirtschaft - Kärnten
Debatte
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Schon selbst erlebt?

An der Kassa: „Tuats weita, i hob nit in gonzn Tog Zeit!“

Kärnten – Weihnachten steht vor der Türe. Jetzt beginnt bereits die Zeit der Vorbereitungen. Im Handel steigt der Druck, vor allem an Samstagen. Einige Kunden werden ungeduldig und lassen es an Mitarbeitern aus. Beschimpfungen oder lautstarke Rufe an der Kassa inklusive.

 5 Minuten Lesezeit (611 Wörter)

Ein Jodel-Nutzer (Standort Villach) schreibt wortwörtlich: „War vorhin (ca 17:00) beim XXXL und stand an der Kasse… Zwei Kunden vor mir war irgendein Problem, weswegen die Kassiererin telefonieren musste und es ein paar Minuten gedauert hat.“ Er führt weiter aus, dass ein Mann hinter ihm nach einer zweiten Kassa fragte. Die wurde jedoch gerade geschlossen. Das wurde ihm so mitgeteilt. „Darauf der Typ: „So eine Unverschämtheit, geht gar nicht.“ Dann geht es mit den Erlebnis-Berichten auf Jodel weiter: „Hatte beim SPAR  auch mal so ein ähnliches Erlebnis. Da meinte der Mann hinter mir: ´Was ist los mit den blöden Weibern?´Zwei Tage später erlebt es unsere Redakteurin an der Lidl-Kassa selbst. Hinter ihr ertönt es: „Tuats weita, i hob nit in gonzn Tog Zeit!“

Verärgerte Kunden

„Der Druck auf Handelsangestellte ist in der Tat sehr hoch. Vor allem zu Weihnachten wird alles schwieriger“, bestätigt Jutta Brandhuber, Geschäftsführerin GPA-djp, Regionalstelle Kärnten. „Sie brauchen sich nur die Einkaufssamstage ansehen, dann wissen Sie, was die Handelsangestellten so erleben.“ War es immer schon so? „Der Druck an sich war immer schon hoch, ja. Vielleicht nimmt eher die Ungeduld seitens der Kundschaft zu. Dabei, sind wir uns doch ehrlich, meistens geht es hier um zwei Minuten Wartezeit, oder?“, so die Gewerkschafterin und ergänzt: „Es sind natürlich nicht alle so. Aber mehr Geduld und Verständnis, wäre bei manchen Kunden schon auch wünschenswert.“

„Was sie leisten!“

Sie verweist auch auf die allgemein schwierigen Rahmenbedingungen: „Druck bekommen sie ja auch vom Unternehmen selbst, Geschäftsführern und leitenden Angestellten. Schneller zu sein, beim Kassieren nichts zu vergessen und zeitgleich müssen sie auch Ladendiebstähle beobachten können“, beschreibt Brandhuber, „dazu kommen keine planbare Arbeitszeiten. Viele erfahren einen Tag vorher, wenn sie zur Arbeit müssen. Sozusagen auf Abruf bereit sein.“ 80 % der Handelsangestellten in Kärnten sind Frauen, davon 80 % in Teilzeit. 42.000 Handelsangestellte gibt es in Kärnten, davon 1.200 Lehrlinge. Bei 38,5 Stunden liegt der Kollektiv bei 1.634,- Euro brutto. Dabei arbeiten die meisten Teilzeit.“ Als weitere Herausforderung wird auch Personalmangel angeführt: „Der Druck steigt auch dann, wenn zu wenig Personal da ist. Aber trotz all diesen Herausforderungen, ist die Berufsgruppe so extrem kundenfreundlich, geduldig und verständnisvoll. Und was sie leisten!“ Am 31. Dezember wollen Lebensmittel-Unternehmen bis 17 Uhr öffnen. „Wir werden alles daran setzen, dies zu verhindern!“

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Jutta Brandhuber ist Kärnten-Geschäftsführerin der GPA-djp.

Jutta Brandhuber ist Kärnten-Geschäftsführerin der GPA-djp. - © GPA-djp

Viele Menschen verlassen Handel

„Nicht jeder kann mit Druck von allen Seiten umgehen und sie verlassen den Handel“, erzählt Brandhuber. „Es gibt viele vorbildhafte Unternehmer, die ihre Mitarbeiter sehr fair behandeln.“ Viele müssen jedoch erst umdenken, sonst käme auf den Handel ein großes Personalproblem zu. Man müsse den Job attraktiver gestalten, die Bezahlung gerechter gestalten, einen Ausgleich für Druck und Flexibilität schaffen“, so die Geschäftsführerin, „ansonsten werden sich immer weniger Menschen für den Handel entscheiden!“

„Gehälter im Handel steigen um bis zu 2,5 Prozent“

Wie die Wirtschaftskammer Österreich in einer Presseaussendung verkündete, werden die Gehälter für mehr als 400.000 Handelsangestellte und rund 15.000 Lehrlinge im Handel um 2,2 bis 2,5 Prozent steigen. Die Lehrlingsentschädigungen im ersten Lehrjahr werden auf 700 Euro, im zweiten Lehrjahr auf 900 und im dritten Lehrjahr auf 1.150 Euro angehoben. Im neuen Gehaltssystem des österreichischen Handels sind 1.700 Euro Einstiegsgehalt für die Zukunft bereits abgesichert. Alle Überzahlungen bleiben aufrecht. Als besondere Anerkennung für langjährige Betriebszugehörigkeit erhalten die Beschäftigen im Handel anlässlich ihres 10- und 15-jährigen Betriebsjubiläums ab 2020 einen freien Tag. Der neue Kollektivvertrag tritt mit 1. Jänner 2020 in Kraft.

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