fbpx

Zum Thema:

25.01.2020 - 13:19Un­glaubliche Fahrt: Matthias Mayer holt sich den Sieg auf der Streif25.01.2020 - 11:52FPÖ kritisiert: „Lehrer werden dazu ange­halten, Asylanten-Kindern gute Noten zu geben!“25.01.2020 - 09:21Über 13 Millionen Nächtigungen in Kärnten25.01.2020 - 08:07Alkohol und Drogen: 22 Führer­scheine abge­nommen
Leute - Kärnten
Die Töchter von Silvia besitzen kaum Spielzeug.
Die Töchter von Silvia besitzen kaum Spielzeug. © KK

Geschenkeflut zu Weihnachten:

Gegen Konsum­wahn: „Wir brauchen kein (Spiel-)Zeugs!“

Kärnten – Weihnachten steht vor der Tür und vielen Eltern graut es schon bei dem Gedanken an die Flut von Geschenken, die auf ihre Kinder unterm Baum warten werden. Dass es auch anders geht, zeigen diese zwei Familien aus Kärnten, die dem Spielzeug abgeschworen haben und sehr spielzeugreduziert leben. Wir haben mit ihnen gesprochen und sie haben erklärt, wie man dem Weihnachtsshopping entgehen kann!

 6 Minuten Lesezeit (801 Wörter)

Oh du Fröhliche – doch schnell kann es vorbei sein mit der besinnlichen Zeit. Nämlich dann, wenn die Geschenke unter dem Baum Überhand nehmen und die Kinder sichtlich mit den vielen Packerln überfordert sind. Viele Eltern kennen diese Situation, und doch tun sich manche mit dem Eindämmen der Geschenkeflut schwer, schließlich will jeder der Verwandten etwas zum Auspacken schenken. Wir haben mit zwei Mamas gesprochen, die sehr spielzeugreduziert leben und gefragt wie sie das zu Weihnachten machen.

„Zu viel Zeugs überfordert“

Wer kennt es nicht? Das Kinderzimmer quillt vor Spielsachen über und trotzdem schaffen es die Kids nicht sich für kurze Zeit alleine und in Ruhe zu beschäftigen. „Viele meiner Freundinnen haben sehr viel Spielzeug und sind überrascht, wie wenig wir haben“, erzählt uns die 28-jährige Silvia aus Gnesau. „Für die Mamas ist es oft ganz schön anstrengend die Fülle an Spielsachen wieder wegzuräumen. Wir tun uns da natürlich leichter, denn je weniger Spielzeug, desto weniger gilt es aufzuräumen“, schmunzelt die Mama einer 4,5-jährigen und einer 3-jährigen Tochter. „Mit dieser Fülle an Zeugs sind die Kinder meist überfordert und überreizt. Bei uns finden die Kleinen auch ohne Spielsachen eine Beschäftigung und kommen so viel einfacher ins kreative Spielen.“

ANZEIGE
„Mit weniger Spielsachen sind Kinder offener fürs freie Spielen“, so Silvia.

„Mit weniger Spielsachen sind Kinder offener fürs freie Spielen“, so Silvia. - © KK

„Spielsachen hatten nie hohen Stellenwert“

„Ich selbst bin ohne viele Spielsachen groß geworden. Wir hatten viel Material und Werkzeug zum Bauen, Schrauben und Werkeln, aber wenig klassische Spielsachen. Mein Mann ist 21 Jahre älter und diese Generation hat damals sowieso recht wenig gehabt“, beschreibt Silvia ihre Herkunft. „So haben wir von Anfang an nie viel Spielsachen für unsere Kinder angeschafft. Ich selbst bin nicht dem Konsumwahnsinn verfallen und kaufe auch für mich nur Dinge, die ich wirklich brauche.“

„Der Alltag ist oft spannender als jedes Spielzeug“

„Bereits als ganz kleine Kinder zeigte sich, dass sich meine Töchter mehr für meine Küchenutensilien interessieren als für ihre Holztierchen. Sie benutzten meine Töpfe, den Schneebesen, Becher und Schüsseln. Auch heute helfen sie mir gerne im Haushalt mit und kochen, putzen und machen mit mir die Wäsche“, erzählt Silvia. „Ansonsten ist Papas Werkzeugkasten sehr beliebt. Die Kinder durften von Anfang an auch „Gefährliches“ verwenden und konnten sich immer gut selbst einschätzen. Es kam bisher nie zu größeren Verletzungen“, beschreibt die Mama. Auch Siegrun aus Klagenfurt lebt mit ihrem 2-jährigen Sohn spielzeugreduziert. „Ich fand dieses lärmende Elektronikspielzeug für Babys furchtbar. Meist weckten nur Alltagsgegenstände das Spielinteresse“, erinnert sich Siegrun. Rollenspiele sind bei beiden Familien hoch im Kurs. Siegruns Sohn liebt seine Autos und Silvias Kinder besitzen jeweils eine Puppe und eine gemeinsame Puppenküche. „Hier spielen sie regelmäßig Familie und Mama-sein nach“, erzählt Silvia. Ansonsten gibt es bei ihnen im Garten noch ein Trampolin und Fahrzeuge wie Fahrrad und Roller.

„Die Natur gibt, was man braucht“

„Wir haben einen großen Erdhaufen, auf dem gerne gebaut, gematscht und gespielt wird“, lächelt Silvia. Drinnen hat die Familie noch große Kartons, Tücher und Decken, die gerne zum Höhle bauen oder zum Verstecken spielen verwendet werden. „Kinder sind so kreativ, sie erfinden jeden Tag neue Spiele mit dem wenigen, was wir haben.“ Auch Siegrun kann diese Wahrnehmung bestätigen: „Mein Sohn kann sich mit so wenig so ausgiebig beschäftigen. Ich habe ihm Themenkörbchen zusammengeklaubt und biete ihm Schüttspiele an. Wir haben auch viele Naturmaterialien und Selbstgebasteltes.“

Was wird geschenkt?

„Wenn Weihnachten oder ein Geburtstag ansteht, überlegen wir uns meist größere Anschaffungen, die wirklich gebraucht werden, wie zum Beispiel ein neues Fahrrad“, sagt Silvia. „Wir kaufen kein Klumpat, das dann nur herumliegt.“ Von der Familie lassen sie sich meist Zeit in Form von Ausflügen schenken. „Wenn es doch etwas zum Auspacken sein soll, dann bitten wir um Verbrauchbares wie Straßenkreide“, erklärt Silvia. Auch Siegrun steht der Schenkerei kritisch gegenüber. „Mein Sohn bekommt meist Ausflüge geschenkt, zum Beispiel gemeinsam ins Schwimmbad. Oder wir versuchen, dass mehrere Personen ein größeres Geschenk zusammen kaufen“, beschreibt Siegrun. Auch selbst achten sie auf mehr Zeit statt Zeugs. „Wir haben einen Familienzeit-Adventkalender, wo wir gemeinsam Zeit mit Geschichten und Kekse backen verbringen.“

Kein Wunsch nach Spielzeug

So mancher stellt sich die Frage, ob die Kinder denn nicht vielleicht doch gerne mehr Spielsachen hätten. „Unsere Kinder kennen Spielsachen von ihren Freunden. Sie spielen dort auch gerne mit den Dingen, sind aber dann aber gesättigt und freuen sich auf ihren Raum mit wenig Sachen“, erzählt Silvia. „Sie haben den Wunsch nach mehr Spielzeug noch nie geäußert.“

Kommentare laden
ANZEIGE