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© pixabay

33 Jahre nach Tschernobyl

Wie strahlen­verseucht sind unsere Pilze?

Klagenfurt – In Kärnten gibt es laufend Nachfragen, wie gefährlich es auch 33 Jahre nach Tschernobyl noch ist, Pilze zu essen. Denn während in landwirtschaftlich genutzten Böden das Cäsium 137 keine Rolle mehr spielt, ist es in Waldböden noch unterschiedlich hoch vorhanden, vor allem Pilze sind „Strahlen-Fresser“.

 3 Minuten Lesezeit (393 Wörter) | Änderung am 09.12.2019 - 21.17 Uhr

Deswegen haben Teams von Strahlenschutz und Lebensmittelsicherheit im Amt der Kärntner Landesregierung ein gemeinsames Projekt gestartet, nachdem im Vorjahr ein hochmodernes neues Testgerät im Sinne des Notfallschutzes angekauft wurde. „Es handelt sich um einen Geräte-Testlauf, von dem die gesamte Kärntner Bevölkerung profitiert. Es wurde eine digitale Pilz-Landkarte erstellt, auf die man mit einem Klick Zugriff hat. Sie geht mit dem heutigen Tag online“, informiert die zuständige Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner.

Speisepilze wurden gemessen

„Im Laufe des Jahres haben wir 196 Proben von 33 verschiedenen Pilzarten gemessen – z. B. Eierschwammerln, Maronenröhrlinge, Semmelstoppelpilze, Parasole und Steinpilze. Bei knapp zehn Prozent wurde eine Grenzwertüberschreitung registriert“, erklärt Gunther Vogl vom Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt. Der EU-Grenzwert ist bei 600 Becquerel (Bq) pro Kilogramm Frischgewicht. „Der höchste in Kärnten gemessene Wert bei den häufiger verzehrten Eierschwammerln lag bei unserer Testreihe bei 1.755 Bq/kg, der Grenzwert wurde also um das Dreifache überschritten“, so Vogl.

Keine akute Gefahr

Aus Sicht des Strahlenschutzes würde selbst diese dreifach höhere Belastung von Pilzen keine bedeutende Strahlendosis ergeben. Eine Dosisabschätzung zeigt, dass der jährliche Grenzwert für Personen aus der Bevölkerung erst nach ca. 178 Portionen oder 45 kg Pilzen erreicht werden würde. Entwarnung kommt auch vom Kärntner Strahlenschutzbeauftragten Rudolf Weissitsch: „Die meisten Grenzwertüberschreitungen wurden im Raum Koralpe registriert. Es muss aber festgehalten werden, dass auch bei einer deutlichen Überschreitung des Grenzwertes keine akute Gefährdung besteht.“

Weitere Proben werden gebraucht

Geplant ist nunmehr, die Pilz-Landkarte auszuweiten und laufend zu aktualisieren. Vor allem aus den Bezirken Spittal und Villach-Land werden Proben benötigt. Bei den bis dato durchgeführten 196 Messungen wurde eng mit dem Naturwissenschaftlichen Verein/Fachgruppe Pilze zusammengearbeitet, aber auch Privatproben wurden herangezogen. Für jene Interessenten, die Pilzproben beisteuern möchten, darf auf die Homepage des Landes Kärnten (Themen/Gesundheit/Strahlenschutz) verwiesen werden.

Wichtiges Gerät getestet

Die Testung der Pilzproben sieht Gesundheitsreferentin Prettner von doppeltem Nutzen: „Abgesehen von der Erstellung der Pilz-Landkarte als Serviceangebot für die Kärntner Bevölkerung konnte so das neue technische Equipment für Notfälle getestet werden.“ Denn – so betont Weissitsch – tritt ein Notfall ein, müsse alles auf Knopfdruck funktionieren: „Da bleibt keine Zeit, sich mit einem Messgerät auseinander zu setzen oder Leute einzuschulen.“

Hier geht es zur Pilz-Landkarte im Kärnten-Atlas.

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