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Wirtschaft - Kärnten
Der AKV Europa veröffentlichte vor Kurzem die Insolvenzstatistik 2019.
SYMBOLFOTO Der AKV Europa veröffentlichte vor Kurzem die Insolvenzstatistik 2019. © pixabay

AKV-Insolvenzenstatistik:

Kärntner Insolvenz­zahlen nahmen 2019 zu

Kärnten – Vor Kurzem veröffentlichte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) die Insolvenzstatistik 2019. Die Zahl der Kärntner Firmeninsolvenzen stieg dabei im Vergleich zum Jahr 2018 um fast 5 Prozent. Damit liegt die Kärntner Wirtschaft über dem Österreich-Durchschnitt, was den Anstieg der Insolvenzverfahren betrifft.

 4 Minuten Lesezeit (551 Wörter)

Während österreichweit die eröffneten Insolvenzverfahren um 2,98 Prozent zunahmen, lag die Steigerung in Kärnten bei 4,9 Prozent (von 324 auf 340 Firmeninsolvenzen). Dabei entfallen 165 auf eröffnete Firmeninsolvenzen und 175 auf Verfahren, die mangels Masse abgewiesen wurden. Bei den eröffneten Firmeninsolvenzverfahren kam es sogar zu einer Steigerung von 9,27 Prozent.

Eingestellte Verfahren und eigezogene Passiva

Hervorzuheben ist , dass die gesamten Konkursanträge mit einem Anteil von beinahe 73 Prozent von Gläubigern gestellt wurden. Das bedeutet, dass von den Insolvenzen Klein- und Kleinstunternehmen betroffen sind, die meist nicht über Vermögenswerte von über 4.000 Euro verfügen, um die Kosten eines eröffneten Insolvenzverfahrens abdecken zu können. Daher ist auch die Anzahl der Verfahren, die mangels Masse abgewiesen wurden, sehr groß. Das spiegelt sich auch in der Abnahme der eingezogenen Passiva wieder, die im Jahr 2019 in Kärnten bei knapp 91 Mio. Euro lagen. 2018 waren es zirka 106 Mio. Euro.

Die größten Insolvenzverfahren 2019

Nach Passiva gereiht ist die Insolvenz der Firma a.zoppoth haustechnik GmbH die größte Kärntner Firmeninsolvenz im Jahr 2019 mit rund 15 Mio. Euro. Danach kommt die Insolvenz der Bauträgerfirma RM Ferien Resort Montafon GmbH mit bisher rund 9 Mio. Euro angemeldeten Verbindlichkeiten. Jedoch hat der Insolvenzverwalter bisher erst Verbindlichkeiten von 286.000 Euro anerkannt, da diverse Prozesse wegen Schadenersatzforderungen und Mängelbehebungen anhängig sind.

Handel am stärksten betroffen

Nach Branchen gereiht, liegt der Handel mit 45 betroffenen Verfahren an erster Stelle. An zweiter Stelle liegen sonstige Dienstleistungen (hauptsächlich Pflege- und Personenbetreuungen) mit 35 Verfahren, gefolgt von Beherbergung und Gastronomie mit 31, die Bauwirtschaft mit 30 und Herstellung von Waren mit 19 Verfahren.

Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze ist von 506 auf 489 gesunken, wovon allein im Bereich der Bauwirtschaft 217 Mitarbeiter betroffen waren. Diese gingen jedoch Großteils nicht verloren, da bei der größten Insolvenz in diesem Bereich nahezu sämtliche Dienstverhältnisse (160) erhalten werden konnten.

Unterschiede in Kärnten

Hervorzuheben ist, dass die Kärntner Bezirke unterschiedlich von den Insolvenzen betroffen sind. Während die Anzahl der Firmeninsolvenzen im Raum Spittal an der Drau um 52 Prozent zugenommen haben, haben sie im Raum Hermagor sogar um mehr als das Doppelte und im Bezirk Völkermarkt um das Dreifache zugenommen. Im Raum Wolfsberg und Sankt Veit an der Glan konnten erfreulicherweise Rückgänge von 47 Prozent beziehungsweise 25 Prozent vermerkt werden.

Privatinsolvenzen gingen zurück

Im Bereich der Privatinsolvenzen kam es kärntenweit zwar zu einem Rückgang von 2,8 Prozent (792 auf 770), dennoch befinden sich diese auf relativ hohem Niveau. Auffällig ist auch hier, dass die mangels Masse abgewiesenen Privatinsolvenzen um 33,3 Prozent zugenommen haben. Das zeigt, dass von den Privatinsolvenzen oft einkommensschwache Personen betroffen sind, deren Einkommen so gering ist, dass sie nicht mal ihren monatlichen Lebensunterhalt bestreiten können.

Weiters sind von diesen abgewiesenen Privatinsolvenzen oft ausländische Pflegebetreuer betroffen, die keine Kenntnis von einer Entschuldung im Rahmen eines Schuldenregulierungsverfahrens haben, jegliche Kontaktaufnahme mit den Gerichten meiden und resignieren.

Die insgesamten Passiva im Privatinsolvenzbereich lagen 2019 bei rund 87,3 Mio. Euro (2018: 113,1 Mio. Euro). Somit reduzierte sich die durchschnittliche Verschuldung von 150.900 Euro auf 122.300 Euro, was wiederum dafür spricht, dass zunehmend Einkommensschwache den Privatkonkurs nutzen.

Privatinsolvenzen in den Bezirken

Die höchste Anzahl an eröffneten Privatinsolvenzen traf im Jahr 2019 das Bezirksgericht Klagenfurt mit 259 eröffnete Verfahren und das Bezirksgericht Villach mit 210 eröffneten Verfahren. Im Raum Hermagor haben sich auch die eröffneten Privatkonkurse verdreifacht (von 4 auf 13 Verfahren).

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