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Wirtschaft - Klagenfurt
Der AKV Europa veröffentlichte vor Kurzem die Insolvenzstatistik 2019.
SYMBOLFOTO Der AKV Europa veröffentlichte vor Kurzem die Insolvenzstatistik 2019. © pixabay

AKV-Insolvenzenstatistik

Klagenfurt: Firmen­insolvenzen nahmen 2019 zu

Kärnten – Vor Kurzem veröffentlichte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) die Insolvenzstatistik 2019. Die Zahl der Kärntner Firmeninsolvenzen stieg dabei im Vergleich zum Jahr 2018 um fast 5 Prozent. Damit liegt die Kärntner Wirtschaft über dem Österreich-Durchschnitt, was den Anstieg der Insolvenzverfahren betrifft.

 6 Minuten Lesezeit (776 Wörter) | Änderung am 13.01.2020 - 10.09 Uhr

Während österreichweit die eröffneten Insolvenzverfahren um 2,98 Prozent zunahmen, lag die Steigerung in Kärnten bei 4,9 Prozent (von 324 auf 340 Firmeninsolvenzen). Dabei entfallen 165 auf eröffnete Firmeninsolvenzen und 175 auf Verfahren, die mangels Masse abgewiesen wurden. Bei den eröffneten Firmeninsolvenzverfahren kam es sogar zu einer Steigerung von 9,27 Prozent.

Eingestellte Verfahren und eigezogene Passiva

Hervorzuheben ist , dass die gesamten Konkursanträge mit einem Anteil von beinahe 73 Prozent von Gläubigern gestellt wurden. Das bedeutet, dass von den Insolvenzen Klein- und Kleinstunternehmen betroffen sind, die meist nicht über Vermögenswerte von über 4.000 Euro verfügen, um die Kosten eines eröffneten Insolvenzverfahrens abdecken zu können. Daher ist auch die Anzahl der Verfahren, die mangels Masse abgewiesen wurden, sehr groß. Das spiegelt sich auch in der Abnahme der eingezogenen Passiva wieder, die im Jahr 2019 in Kärnten bei knapp 91 Mio. Euro lagen. 2018 waren es zirka 106 Mio. Euro.

Die größten Insolvenzverfahren 2019

Nach Passiva gereiht ist die Insolvenz der Firma a.zoppoth haustechnik GmbH die größte Kärntner Firmeninsolvenz im Jahr 2019 mit rund 15 Mio. Euro. Danach kommt die Insolvenz der Bauträgerfirma RM Ferien Resort Montafon GmbH mit bisher rund 9 Mio. Euro angemeldeten Verbindlichkeiten. Jedoch hat der Insolvenzverwalter bisher erst Verbindlichkeiten von 286.000 Euro anerkannt, da diverse Prozesse wegen Schadenersatzforderungen und Mängelbehebungen anhängig sind.

Handel am stärksten betroffen

Nach Branchen gereiht, liegt der Handel mit 45 betroffenen Verfahren an erster Stelle. An zweiter Stelle liegen sonstige Dienstleistungen (hauptsächlich Pflege- und Personenbetreuungen) mit 35 Verfahren, gefolgt von Beherbergung und Gastronomie mit 31, die Bauwirtschaft mit 30 und Herstellung von Waren mit 19 Verfahren.

Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze ist von 506 auf 489 gesunken, wovon allein im Bereich der Bauwirtschaft 217 Mitarbeiter betroffen waren. Diese gingen jedoch Großteils nicht verloren, da bei der größten Insolvenz in diesem Bereich nahezu sämtliche Dienstverhältnisse (160) erhalten werden konnten.

Insolvenzen im Bezirk Klagenfurt

Im Raum Klagenfurt und Klagenfurt-Land gab es im Jahr 2019 insgesamt 94 Firmeninsolvenzen. Davon wurden 60 Verfahren beim Landesgericht Klagenfurt eröffnet, während 34 Verfahren mangels Masse abgewiesen wurden. Im Vergleich zu 2018 ist ein Anstieg der insgesamten Firmeninsolvenzen um 17,5 Prozent zu verzeichnen. Auffällig ist, dass die mangels Masse abgewiesenen Konkurse um 21,4 Prozent angestiegen sind, von 28 abgewiesenen Verfahren im Jahr 2018 auf 34 Verfahren im Jahr 2019. Die Höhe der Passiva hat sich im Jahr 2019 ebenfalls erhöht von 24,75 Mio. Euro auf 36,24 Mio. Euro.

Weniger Arbeitsplätze betroffen

Obwohl die Anzahl Firmeninsolvenzen im Raum Klagenfurt zugenommen haben, kam es dennoch zu einem Rückgang der betroffenen Arbeitsplätze von 164 auf 138, was bedeutet, dass 2019 vermehrt Kleinbetriebe insolvent wurden. Dies bekräftigt ebenso die Zunahme der Konkursanträge, welche von Gläubigern gegen Firmen gestellt wurden, von 70 Prozent auf 72 Prozent gegenüber dem Jahr 2018.

Privatinsolvenzen in Klagenfurt

Bei den insgesamten Privatinsolvenzen kam es im Raum Klagenfurt und Umgebung zu einer leichten Abnahme von 5,98 Prozent (Von 301 auf 283) und liegt nach wie vor auf hohem Niveau. Die Passiva bei den Privatinsolvenzen belaufen sich im Jahr 2019 ohne Berücksichtigung des „Ausreißers“ Günther Striedinger, bei dem nun 82 Mio. Euro Passiva angemeldet wurden, rund 42,28 Mio. Euro.

Die größten Privatinsolvenzen im Bezirk

Die größte Privatinsolvenz im Raum Klagenfurt ist derzeit sicherlich jene von Günther Striedinger, bei welcher nun 82 Mio. Euro angemeldet wurden. Diese Verbindlichkeiten wurden jedoch vom Insolvenzverwalter noch nicht geprüft, sodass fraglich ist, ob diese in dieser Größenordnung auch stehen bleiben werden. Gefolgt vom ehemaligen Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma TONIS Handels GmbH (besser bekannt als Tonis Freilandeier) Karl Anton Hubmann mit rund 7 Mio. Euro Passiva. Im vergangenen Jahr war auch hinsichtlich eines ehemaligen Rechtsanwalts ein Privatkonkurs anhängig. Die Passiva beliefen sich hierbei auf 470.000 Euro.

Gesamte Privatinsolvenzen gingen zurück

Im Bereich der Privatinsolvenzen kam es kärntenweit zwar zu einem Rückgang von 2,8 Prozent (792 auf 770), dennoch befinden sich diese auf relativ hohem Niveau. Auffällig ist auch hier, dass die mangels Masse abgewiesenen Privatinsolvenzen um 33,3 Prozent zugenommen haben. Das zeigt, dass von den Privatinsolvenzen oft einkommensschwache Personen betroffen sind, deren Einkommen so gering ist, dass sie nicht mal ihren monatlichen Lebensunterhalt bestreiten können.

Weiters sind von diesen abgewiesenen Privatinsolvenzen oft ausländische Pflegebetreuer betroffen, die keine Kenntnis von einer Entschuldung im Rahmen eines Schuldenregulierungsverfahrens haben, jegliche Kontaktaufnahme mit den Gerichten meiden und resignieren.

Die insgesamten Passiva im Privatinsolvenzbereich lagen 2019 bei rund 87,3 Mio. Euro (2018: 113,1 Mio. Euro). Somit reduzierte sich die durchschnittliche Verschuldung von 150.900 Euro auf 122.300 Euro, was wiederum dafür spricht, dass zunehmend Einkommensschwache den Privatkonkurs nutzen.

Privatinsolvenzen in den Bezirken

Die höchste Anzahl an eröffneten Privatinsolvenzen traf im Jahr 2019 das Bezirksgericht Klagenfurt mit 259 eröffnete Verfahren und das Bezirksgericht Villach mit 210 eröffneten Verfahren. Im Raum Hermagor haben sich auch die eröffneten Privatkonkurse verdreifacht (von 4 auf 13 Verfahren).

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