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Trauer bei den Hinterbliebenen

,,Ich habe meinen besten Freund verloren“

Irschen/Klagenfurt – Fakt ist, im April 2019 sind zwei junge Männer bei einem tragischen Verkehrsunfall in der Gemeinde Spittal an der Drau ums Leben gekommen. Fakt ist auch, am Mittwoch, dem 22. Jänner 2020 musste sich deswegen der Dritte im Auto verantworten. Zurück bleibt eine trauernde Familie und ein trauernder bester Freund, für den viele Fragen ungeklärt bleiben.

 5 Minuten Lesezeit (695 Wörter)

Am Mittwoch, den 22. Januar 2020 wurde in Klagenfurt vor Gericht folgendes Vergehen verhandelt: „Einem jungen Erwachsenen wird zur Last gelegt, im April 2019 fahrlässig den Tod eines anderen im Zuge eines Verkehrsunfalls im alkoholisierten Zustand mit überhöhter Geschwindigkeit verantworten zu müssen, indem er von der Fahrbahn in Irschen abkam, frontal gegen die Böschung einer Gemeindestraße prallte und demgemäß den Tod von zwei Personen zu verantworten habe.“ Das Urteil: Acht Monate Haft. Nicht rechtskräftig.

Erschwerend: Dunkle Scheinwerfer

Da die Lichter des Fahrzeugs ausgeschalten waren, war das Fahrzeug auf dem dunklen Feld, auf dem es nach letztlich liegen blieb, kaum zu sehen. Eine Anrainerin soll sogar den Unfall gehört haben. Da sie aber nichts entdecken konnte, dachte sie, sie habe sich geirrt. Erst später soll ein LKW-Fahrer das Auto und die drei Verunfallten gefunden haben. Er habe sofort die Einsatzkräfte alarmiert. So seien von dem Zeitpunkt des Unfalls, bis zum Eintreffen der Rettung wertvolle Minuten vergangen. Der Angeklagte wurde auf der Rückbank gefunden. Eines der Todesopfer auf dem Fahrersitz. Die Überraschung dann: Laut der Gerichtsmedizin und der Polizei soll aber laut den Abdrücken des Gurtes der Angeklagte der Unfalllenker gewesen sein. Warum das so war, ist noch immer unklar.

Unfall in der Nähe vom Zuhause

Markus* (21) gehört zu den besten Freunden des jungen Todesopfers, der hinter dem Lenkrad gefunden wurde. Auch er kann nicht erklären, was es mit der Vorstellung, das Opfer wurde mutwillig umpositioniert, auf sich hat. ,,Auch wenn es bis heute nicht gänzlich geklärt ist, die Gerüchte ranken sich weiter. Vorstellen kann ich mir das, ja. Aber das ist nur meine Vermutung.“ Was dem besten Freund des Todesopfers weh tut: „Eines stört mich schon. Viele Medien kommunizieren, dass der Verurteilte und der Verstorbene befreundet waren. Ich spüre einfach, dass ich das klarstellen muss. Sie waren höchstens Bekannte die sich hin und wieder beim Feiern über den Weg gelaufen sind. Aber sicher keine Freunde“.

Auch an dem besagten Abend seien sich die drei jungen Männer beim Feiern über den Weg gelaufen, erzählt er weiter. „Meine Meinung? Das war eine unnötige Spritztour in einem neuen Auto. Nach Hause hätten sie nur ungefähr zehn Minuten zu Fuß benötigt. Sie hätten einfach nicht einsteigen sollen“. Der Unfall sei dann tragischerweise auch nur Minuten vom Wohnort des tödlich verunglückten Freundes entfernt passiert.

Bester Freund: „Urteil tut weh!“

,,Ich denke der Richter weiß schon, wie er seinen Job zu machen hat, also aufgrund der Fakten und Beweise wird das Urteil wohl ,gerecht‘ sein. Aber wie soll man es moralisch gerecht finden? Es tut schon weh. Ich habe einen sehr guten Freund und Kärnten einen super DJ verloren. Da tut so eine geringe Haftstrafe, schon weh. Moralisch gesehen. Am meisten ärgert mich, dass er immer wieder sagt `Er wisse von gar nichts`. Schon als Kind lernt man, für seine Fehler gerade zu stehen. Die beiden Toten hätten wenigstens diese Ehrlichkeit verdient. Nicht so eine Aussage.“

,,Er sollte nie wieder Auto fahren dürfen“

Der Angeklagte wurde zu acht Monaten Haft verurteilt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Auch den Führerschein hatte der Angeklagte noch bei sich, als er vor Gericht saß. Das heißt, dass er seit dem Unfall im April 2019, ganz normal Auto fahren durfte. Auf die Frage des Richters wie lange er denn seinen Führerschein besitzt, soll der Angeklagte ihn einfach aus der Hosentasche geholt haben, was den Richter offensichtlich überraschte.

Laut mehreren Medien konnte ihm die zuständige Behörde den Schein nicht abnehmen. Fazit: Der Schein wird ihm erst jetzt für vier Monate entzogen. „Vielleicht ist es gerade nur meine Trauer und meine Wut, aber ich würde mir wünschen, dass er nie wieder Autofahren darf. Er hat sich betrunken hinters Steuer gesetzt und ist damit leichtfertig mit dem Leben anderer Menschen umgegangen. Natürlich, er muss jetzt sein Leben lang mit dem Gefühl leben, zwei Menschen auf dem Gewissen zu haben. Ich muss jetzt aber auch mein Leben lang ohne meinen besten Freund leben“.

*Name von der Redaktion geändert

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