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Landwirt überlegt Landwirtschaft aufzugeben:

Bauer verurteilt: „Ich bin kein Tierquäler…“

Kärnten – Am Landesgericht Klagenfurt wurde am Dienstag, dem 4. Februar 2020, erneut der Prozess gegen einen Landwirt aus Villach verhandelt, der wegen Tierquälerei angeklagt war. Ihm wurde vorgeworfen, im Vorjahr eine Kuh nach der Totgeburt eines Kalbes auf der Weide einige Stunden unversorgt in der Sonne liegen gelassen zu haben, bevor es zur Gabe von Wasser und Schmerzmitteln kam - wir haben berichtet. Laut Stellungnahme der Landwirtschaftskammer Kärnten soll sich alles jedoch ganz anders zugetragen haben. Der Landwirt überlege sogar seine Landwirtschaft aufzugeben.

 5 Minuten Lesezeit (615 Wörter) | Änderung am 06.02.2020 - 14.11 Uhr

Dem Landwirt wird zur Last gelegt, im Juni 2019 einer nach der Totgeburt ihres Kalbes völlig erschöpfte und schmerzgeplagte Kuh an der prallen Sonne liegen gelassen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte es eine Lufttemperatur von etwa 28 Grad. Der Mann stellte der Kuh angeblich weder eine Tränke noch Beschattung zur Verfügung. Das Tier bekam auch keine Schmerzbekämpfung oder veterinärmedizinische Intervention. Aus diesem Grund musste sich der Bauer am Dienstag vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten und wurde zu einer Geldstrafe von 1.600 Euro verurteilt.

Tierarzt: „Kuh war nicht dehydriert“

Der Tierarzt, der über knapp 40 Jahre an Berufserfahrung verfügt und „hunderte Geburten auf der Weide und tausende im Stall“ betreut hatte, war an jenem Junitag von der Polizei zum Fall nach Villach gerufen worden und traf, da weiter entfernt ansässig, erst um ca. 12.30 Uhr am Bauernhof ein. „Komplikationen bei erstgebärenden Kühen sind nichts Außergewöhnliches, auch Totgeburten kommen leider immer wieder vor“, hielt der Tierarzt vor Gericht fest. Er hatte unmittelbar nach seinem Eintreffen die auf der Weide liegende Mutterkuh untersucht, unter anderem eine Blutabnahme und eine Temperaturmessung durchgeführt. „Die Körpertemperatur der Kuh war normal, der Hämatokrit-Wert ergab keinerlei Hinweis auf eine Dehydrierung“, so der erfahrene Veterinär in seiner Zeugenaussage. Zudem sei es normal, dass Kühe unmittelbar nach der Geburt nicht trinken würden. Auch das Liegenbleiben der Kühe nach der Geburt sei nichts Außergewöhnliches und könne Stunden andauern, so der Tierarzt. „Diese für den Landwirt entlastenden Aussagen wurden leider im Urteil nicht entsprechend berücksichtigt“, heißt es seitens der Landwirtschaftskammer Kärnten.

„Menschen unterscheiden nicht“

Die Kammer für Land- und Forstwirtschaft stellt sich in der Causa hinter den betroffenen Landwirt: „Wir halten fest, dass wir jede Art von Tierquälerei verurteilen. Es ist jedoch absolut ungerecht, wenn ein Landwirt, der sich in jahrzehntelanger Tätigkeit nie etwas zuschulden kommen ließ und auf das Tierwohl immer höchsten Wert gelegt hat, wegen eines kleinen Fehlers in einen Topf mit echten Tierquälern geworfen wird.“ Die Öffentlichkeit lese nur „Tierquäler“ und habe Bilder von verhungerten, dehydrierten oder über einen längeren Zeitraum vernachlässigten Tieren im Kopf, so die Landwirtschaftskammer.

„Leute zeigen mit dem Finger auf mich“

Der Landwirt selbst ist am Boden zerstört: „Für mich hatte und hat das Wohl der Tiere immer einen enormen Stellenwert. Sie haben bei mir immer Zugang zur Weide, zudem habe ich einen modernen Laufstall, der den Tieren ein großzügiges Platzangebot bietet.“ Dass der Stall sehr gut ausgestattet sei und der Betrieb insgesamt einen positiven Eindruck hinterlasse, wurde im Prozess auch von sämtlichen Zeugen bestätigt. Umso mehr hadert der Landwirt nun mit dem Ausgang des Prozesses und dessen Nachwehen und überlegt sogar, die Landwirtschaft aufzugeben. „Nicht nur, dass ich nun vorbestraft bin, werde ich auch mit Menschen, die ihre Tiere quälen, in einen Topf geworfen. Die Menschen unterscheiden bei Schlagzeilen nicht. Da ich der letzte verbliebene Landwirt in meiner Gegend bin, ziehen sie Rückschlüsse und zeigen mit dem Finger auf mich.“ Und das passiere gerade ihm, der in der Vergangenheit sogar dafür sorgte, dass ein Schlachthofmitarbeiter, der ein Tier bei der Abholung schlecht behandelt hatte, entlassen worden war. „Ja – ich habe aus heutiger Sicht wohl einen Fehler gemacht, dass ich versucht habe, zuerst ein Schmerzmittel aufzutreiben und dann erst das Tier getränkt habe. Das würde ich so auch nicht mehr machen. Aber wir reden hier von einem Zeitraum von gut zwei Stunden und die betroffene Kuh ist gesund und wohlauf. Wenn sofort ein Tierarzt aus der Gegend verfügbar gewesen wäre, wäre das alles anders gelaufen.“

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