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Auch Schüler betroffen?

Lehrer klagt an: „Mobbing steht an der Tages­ordnung“

NMS Feistritz/Drau – Eltern kritisieren Zustände an der Ski-NMS Feistritz/ Drau. Damit sind sie nicht alleine. Dem schließen sich auch Lehrer an. Ehemalige, wie auch Lehrer, die an der Schule derzeit tätig sind.

 9 Minuten Lesezeit (1124 Wörter) | Änderung am 21.02.2020 - 19.34 Uhr

Die Kritik an der NMS Feistritz/Drau zieht weite Kreise und richtet sich gegen ausgewählte LehrerInnen. Nicht nur Eltern von Kindern, die derzeit die Schule besuchen, sondern auch Eltern, deren Kinder die Schule bereits gewechselt haben, kritisieren die Schule. (Wir berichteten). „Mir ist bewusst, dass ich mich auf sehr dünnem Eis bewege“, gesteht uns ein Lehrer, der aktuell an der NMS Feistritz an der Drau tätig ist. „Doch ich bin der Ansicht, dass die Wahrheit gesagt werden muss. Es ist zum Verzweifeln.“ Wir haben auch mit Lehrkräften gesprochen, die bereits die Schule gewechselt haben: „Die Stimmung an der NMS ist nicht besonders gut. Die Lehrer werden von der Schulleitung ständig unter Druck gesetzt“, erfahren wir von einer Lehrerin, die sich freiwillig versetzen ließ. 

Mobbing unter Kollegen

Als oben genannter Lehrer, der derzeit noch an der NMS Feistritz unterrichtet, seinen Dienst an der Schule antrat, war der Ton bereits sehr rau im Umgang mit Kollegen. „Du brauchst dich gar nicht aufzuspielen, dich werden wir auch noch fertig machen“, hat dem Lehrer eine Kollegin als Begrüßung an den Kopf geworfen. Immer wieder wurde er, laut eigenen Angaben, von KollegInnen und der Schulleitung verbal attackiert.  „Eine junge Kollegin gab mir mehrmals im Vorbeigehen einen Check und wollte mich damit offensichtlich provozieren“, so der betroffene Lehrer, „sie haben versucht mich fertig zu machen.“ „Bei Konferenzen kam es zu Szenen, die einem Verhör glichen, nur um Kollegen, die anderer Meinung waren, fertig zu machen.“ Er erzählt von anderen Lehrern, die bereits „das Handtuch geworfen“ haben oder die Schule verlassen mussten, weil sie versetzt wurden. Auch beim dritten Lehrer-Interview handelt es sich um jemanden, der nicht mehr an der NMS arbeitet. „Ich wurde gemobbt, schikaniert und das immer wieder. Leider konnte ich so ein Verhalten von Lehrern auch gegenüber Schülern beobachten.“ Auch wenn ihn das alles nicht mehr betrifft: „Mir liegen die Geschehnisse noch immer im Magen. Diese Ungerechtigkeiten müssen aufhören. Was ist mit den Schülern?“

„Wahrheit ans Licht“

„Es hat sich ein Kreis aus KollegInnen um die Schulleitung gebildet, die die Leiterin in ihrer Vorgehensweise unterstützen. Wer mitmacht oder stillhält, wird akzeptiert, die anderen werden psychisch fertig gemacht“, erzählt uns der Lehrer. Auch die beiden anderen Lehrpersonen beschreiben die Struktur innerhalb der Schule so. „Ich kann nicht gegen Windmühlen kämpfen und habe mich seither leise verhalten und meinen Job gemacht. Nun möchte ich, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Ich kann so nicht mehr weitermachen.“ Anders als die Lehrerin, die die Umstände an der Schule nicht mehr akzeptieren wollte und sich freiwillig versetzen ließ. „Wir Lehrer wurden wegen Kleinigkeiten unter Druck gesetzt.“ Sie erzählt uns von Fällen, wo Lehrer unfair behandelt wurden. Gute Lehrer mussten in der Vergangenheit die Schule verlassen. Ihrer Meinung nach, waren die Gründe dafür unverständlich. Das sieht die Bildungsdirektion jedoch anders und hält gegenüber 5 Minuten fest, dass „Postenbesetzungen immer Sache der Behörde wären.“ „Versetzungen können Schulleiter nicht selbst entscheiden. Das steht ausschließlich der Bildungsdirektion zu“, so Bildungsdirektor Robert Klinglmair.

Auch Schüler sollen beleidigt worden sein

Doch nicht nur die LehrerInnen sollen von KollegInnen verbal angegriffen worden sein, auch SchülerInnen werden laut den Interviews psychisch an ihre Grenzen gebracht. So sollen Beleidigungen und demotivierende Äußerungen wie: „Das schaffst du sowieso nicht!“ an der Tagesordnung stehen.  „Natürlich gibt es an der Schule auch schwierigere Schüler. Statt ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wird weiter auf ihnen herumgehackt. Das ging sogar so weit, dass ein Schüler an Depressionen litt und die Schule wechseln musste.“ Ein Lehrer konnte beobachten, dass eine Kollegin ein Mädchen so sehr verbal in die Enge trieb, dass es komplett fertig war. „Das Mädchen wurde verhört, wie eine Schwerverbrecherin. Es ging um eine Kleinigkeit.“ Ein anderes Mädchen soll, so beschreibt es der Lehrer im Interview, von einer Kollegin geschüttelt worden sein. „Ich habe es selbst nicht gesehen, und kann daher nicht sagen, ob das stimmt. Die Schülerin hat mir jedoch davon erzählt. Sie ist eine sehr intelligente und fleißige Schülerin und ich halte sie deswegen für glaubwürdig.“  (Einvernahme des Mädchens bei der Polizei und Arztbericht des LKH liegen der Redaktion vor). Es gilt die Unschuldsvermutung für die Lehrerin – der Fall ist noch nicht abgeschlossen.

„Ich habe Angst!“

Die eingebrachten Unterschriftenlisten, die eine Absetzung der Schulleitung forderten, sei im Sand verlaufen, erzählt uns einer der Lehrer. Sein Schritt an die Medien war, wie er selbst beschreibt, kräftezerrend: „Es geht um viel. Ich habe Angst um meinen Job, ja. Es wird an der Schule mit zweierlei Maß gemessen. Im Sinne der Gerechtigkeit für SchülerInnen und KollegInnen, die mehr als ungerecht behandelt wurden, habe ich mich entschlossen, mit 5 Minuten zu sprechen und bei der Informationsbeschaffung mitzuwirken. Mobbing und psychische Gewalt stehen an der Tagesordnung. Ich hoffe wirklich, dass die kommenden Presseberichte einige Verantwortliche wachrütteln werden!“ Seine Kritik gilt lediglich ausgewählten Lehrern sowie der Schulleitung, denn die meisten Lehrer seien sehr bemüht um die Schüler. 

Bildungsdirektion weiß von Konflikten

Dass man die Anliegen ernst nehme, bekräftigt Bildungsdirektor Robert Klinglmair: „Es ist eine besondere Schule, wo die Situation besondere Aufmerksamkeit benötigt. Es gibt auch eine Schulqualitätsmangerin, die die Schule beobachtet, aber dass wir trotz alledem nicht auf Zurufe, auf Unterschriftenlisten, oder Ähnliches eine dienstrechtliche Maßname setzen können, muss klar sein. Wir haben Gesetze, woran sich eine Behörde halten muss. Wir können nicht willkürlich agieren. Das wäre einem Rechtsstaat wohl unwürdig und eine mittelalterliche Vorgehensweise“, so Bildungsdirektor Robert Klinglmair auf 5 Minuten-Rückfrage. Dass immer wieder Schreiben von Eltern bei der Bildungsdirektion einlangen, wird bestätigt. Als Ursache der Konflikte nennt man hier allerdings emotional angespannte Verhältnisse im zwischenmenschlichen Bereich. „Bei dienstrechtlichen Verfehlungen verfolgen wir eine Null-Toleranz-Politik. Das geht jedoch nur, wenn uns entsprechende Fälle auch wirklich vorliegen“, appelliert der Bildungsdirektor generell an Eltern, Vorkommnisse auch zu melden. Für die Lehrer und die Direktorin gilt die Unschuldsvermutung. Die Direktorin verwies im Telefongespräch mit 5 Minuten sofort auf die Bildungsdirektion und äußerte sich nicht dazu.

DEBATTE: Mobbing in Schulen

Du möchtest auch etwas dazu sagen? Kinder, Eltern und Lehrer befinden sich oft in einem emotional aufgeladenem Spannungsfeld. Manchmal geben Eltern zu viel Verantwortung an Lehrer ab. Oder Lehrer gehen gegenüber Eltern und Schülern zu weit. Manchmal sind es die Kinder, die andere tyrannisieren. Mobbing an Schulen kommt tagtäglich – in welcher Form auch immer – vor. Erzähl uns unter [email protected] von deinen Erfahrungen oder teile es uns unter dem Facebook-Beitrag mit.

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