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Mit diesem Zeichen zeigt das Kind an, dass es gerne
Mit diesem Zeichen zeigt das Kind an, dass es gerne "schlafen" gehen möchte. © Zwergensprache GmbH

Bereits ab 6 Monaten:

Babyzeichen­sprache: Ohne Worte mit deinem Liebling kommunizieren

Klagenfurt – Eltern kennen es bestimmt, das Baby will etwas, doch wir wissen nicht was. Das Ratespiel beginnt und manchmal endet die Situation mit Frust auf beiden Seiten. Mit Babyzeichensprache kann dir dein Baby bereits ab einem Alter von 6 Monaten zeigen, was es möchte. Zeichen für "Hunger", "mehr" oder "Schlafen" erleichtern die Kommunikation deutlich. Wir haben mit Expertin Bianca Ringhofer über ihre Erfahrungen im Umgang mit den Babyzeichen gesprochen.

 6 Minuten Lesezeit (831 Wörter)

„Schon weit vor der Geburt meines Kindes habe ich einen Film gesehen, in dem sich zwei Kinder mit ihren gehörlosen Eltern mithilfe von Gebärden verständigten“, erinnert sich Bianca Ringhofer. Bereits damals war ihr Interesse geweckt. Als vor einem Jahr ihr Sohn auf die Welt kam, besuchte sie einen Dunstan-Workshop (erkennen und wahrnehmen von Babylauten) und lernte dort, wie es möglich ist sein Baby ab Geburt schon zu verstehen und auf seine Grundbedürfnisse zeitgerecht eingehen zu können. Nach und nach wuchs das Interesse an der Babyzeichensprache und Bianca ließ sich zur Kursleiterin ausbilden.

Wie funktioniert die Babyzeichensprache?

Es gibt nicht für jedes einzelne Wort ein Babyzeichen, sondern nur für einzelne Worte, sogenannte Schlüsselworte. Die Auswahl der verwendeten Babyzeichen wird aber je nach Präferenz des einzelnen Kindes gewählt. „Da bei der Verwendung von Babyzeichen beide Gehirnhälften angeregt werden, wirkt sich dies auch gut auf die Gehirnentwicklung generell aus“, weiß Bianca. Bei der Babyzeichensprache geht es nicht nur darum, die Zeichen einfach vorzustellen, sondern den Babys/Kindern zu helfen Verknüpfungen herstellen zu können. „Es ist wichtig den Babys/Kindern die Babyzeichen spielerisch und mit Spaß näherzubringen. Sie müssen auch immer wieder wiederholt werden und in den Alltag integriert werden, damit das Kind die Zeichen verstehen und verwenden kann“, so die Expertin.

Ab wann kann mein Baby Zeichen lernen?

„Das beste Alter, um mit Babyzeichen zu beginnen, liegt bei ungefähr 6 Monaten“, erfahren wir. „Wobei sich bei jüngeren Geschwisterkindern, die quasi von Anfang an die Babyzeichen bei ihren älteren Geschwistern sehen, zeigt, dass diese meist noch früher ihr erstes Zeichen zeigen, wobei es natürlich die notwendige motorische Entwicklung braucht.“ Es braucht ungefähr bis zu 40 Wiederholungen eines Zeichens, bis das Kind die Verknüpfung zwischen dem gesprochenem Wort, dem Ding/Gefühl/etc. und dem Zeichen verknüpfen und verstehen kann. Die Wiederholungen passieren am besten spielerisch in Lieder, Spielen oder dem Zeigen anhand von Bilderbüchern.

Warum ist es toll Babyzeichen zu erlernen?

„Babys haben durch die Zeichen die Chance auf Mitbestimmung“, erklärt Bianca. Für die Eltern sei es dadurch viel schneller möglich, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Gefühle könnten früher bewusst wahrgenommen und benannt werden. „Auch die Vorhersehbarkeit, die dadurch für Babys entsteht, ist meiner Meinung nach ganz wichtig, da die Eltern ihren Babys zum Beispiel zeigen können, dass es jetzt nach Hause geht oder mit dem Auto gefahren wird oder dass sie noch kurz warten müssen“, sagt die Klagenfurterin. „Außerdem ist es irrsinnig spannend in die Gedankenwelt der Babys hineintauchen zu können.“ Die Expertin ist sich sicher, dass auch die Bindung zueinander gestärkt, die Entwicklung der Babys gefördert und ein größerer Wortschatz gebildet wird. „Durch die Verwendung von Babyzeichen werden die Kinder auch selbstbewusster und selbstwirksamer.“

Welche Zeichen gibt es?

Die Babyzeichen basieren auf der deutschen Gebärdensprache, was nach Meinung der Expertin viele Vorteile mit sich bringt. Einer der vielen Vorteile sei, dass man dadurch sehr gute Vorlagen für die Babyzeichen hat und sich nicht mühsam neue Zeichen ausdenken muss. „Es gibt für alles Mögliche ein Zeichen, von dem beobachtet und gedacht wird, dass es Babys und Kinder interessieren könnte. Dazu zählen Dinge, wie Auto, Bagger, Puppe, Haus als auch Gefühle, Farben und Fragen.“ Zudem sei es möglich sich selbst Zeichen auszudenken, um individuell auf das Kind eingehen zu können. „Außerdem wird es auch geschehen, dass die Babys eigene Verknüpfungen oder Zeichen erfinden, um mit den Eltern zu kommunizieren.“

Versteht jedes Baby Zeichen?

„Durch die ständigen Wiederholungen, Rituale, Routine und dem Spielerischen geschieht es beinahe automatisch, dass die Babys/Kinder verstehen, um was es geht“, so Bianca. „Es ist auch auf jeden Fall wichtig, dranzubleiben und nicht aufzugeben, da es je nach Entwicklungsschub vorkommen kann, dass die Zeichen für eine Zeit lang komplett stagnieren, aber nach dem Schub dann umso geballter herauskommen. Das bedeutet, man braucht oftmals Geduld und obwohl vom Baby nichts zurückkommt (zu dem Zeitpunkt), auch Durchhaltevermögen.“

Sind Babyzeichen Frühförderwahn?

Nach Meinung von Vivian König von der Zwergensprache GmbH gibt es bereits bekannte und von allen verwendete Babyzeichen wie z.B. winken zum Abschied oder klatschen für bravo. „Mit ein paar mehr solcher Gesten eröffnet sich schon früh ein neues Kommunikationsuniversum, an dem die Kleinsten viel Spaß haben und jeweils selbst entscheiden, was ihnen taugt“, so die Expertin. „Wir alle verwenden Gestik intuitiv, man kann dabei von einer natürlichen Gestik sprechen. Der Erwerb der Babyzeichensprache findet unter keinerlei Druck statt, es handelt sich lediglich um ein Angebot und geschieht komplett freiwillig“, ist sich auch Bianca sicher. „Das Sprachventil wird quasi frühzeitig eröffnet. Babyzeichen sind vollkommen kindgerecht und können Kinder nicht überfordern, sondern helfen, ihre Bedürfnisse früher mitzuteilen.“

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