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Politik - Kärnten
© Dieter Kulmer Photography

WHO spricht von Pandemie

LH Kaiser: „Jede/r einzelne muss Verantwortung wahr­nehmen!“

Kärnten – „Seit gestern 18 Uhr haben wir es auf Grund der Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation beim Coronavirus mit einer Pandemie zu tun. Das bedeutet, Corona wurde als eine sich weltweit verbreitende Seuche deklariert“, erklärte Landeshauptmann Peter Kaiser zu Beginn einer heutigen Sitzung im Kärntner Landtag. Alle seien demnach zum Handeln aufgefordert, alle stünden vor einer ebenso herausfordernden Situation und alle müssten ihr Verhalten zumindest temporär verändern, im Umgang miteinander ebenso wie im Umgang mit sich selbst.

 6 Minuten Lesezeit (733 Wörter)

Landtagspräsident Reinhart Rohr ließ heute, Donnerstag, nach einer Präsidiale und der Zustimmung aller Parteien eine Änderung der Tagesordnung zu, damit LH Peter Kaiser, LHStv.in Beate Prettner und Günther Wurzer, Leiter der Gesundheitsabteilung des Landes, eine aktuelle Information zu Maßnahmen und deren Notwendigkeiten rund um das Coronavirus an alle Kärntner Abgeordneten weitergeben konnten.

Eigenverantwortung wahrnehmen

Der Landeshauptmann betonte auch die Wichtigkeit der funktionierenden Steuerung und Lenkung des Landes durch das Zusammentreten des Kärntner Landtages und behandelte in seinem Statement zum Coronavirus die gesellschaftspolitische Dimension ebenso wie die gesetzten Maßnahmen sowie die Kooperation des Landes mit allen Ebenen von den Bezirksbehörden bis hin zur EU. „In der aktiven Bekämpfung dieses Virus ist jede und jeder einzelne zu allererst für sich zuständig. Ich appelliere an alle, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen, die Maßnahmen einzuhalten, verstärkt die Hände zu waschen, um sich und andere zu schützen, damit wir diese schwierige Situation gemeinsam meistern“, so Kaiser.

Italien als Hotspot

Für Kaiser wie für Prettner ist Italien mit seiner Corona-Entwicklung der Hotspot. „Wir schätzen, dass Italien rund zwei Wochen vor Österreich liegt, was die Entwicklung und Ausbreitung des Coronavirus betrifft. Daher können wir aus den Erfahrungen in Italien die Schlussfolgerungen für unser Land ziehen. Alle Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die exponentielle Steigerung zu verhindern“, sagte Kaiser. Denn die Ansteckungszahlen belegen, dass die Verbreitung nicht linear, d. h. in einer Woche 1.000 Erkrankungen, in der zweiten Woche 2.000 Erkrankte, sondern exponentiell voranschreite. Das bedeutet, in einer Woche 1.000 Angesteckte, in der zweiten Woche 10.000 Infizierte. „Deshalb handeln wir jetzt in engster Koordination mit EU, Bund, Ländern, Nachbarländern, bis hin zu den Bezirksbehörden, Einsatzorganisationen und Krankenanstalten. Täglich werden neue Informationen gesammelt und bewertet, entsprechend erfolgen die Umsetzung der Maßnahmen und die begleitenden Schritte dazu“, erläuterte Kaiser.

Krankenhausinfrastruktur aufrechterhalten

Prioritäres Ziel sei es, die Krankenhausinfrastruktur in Kärnten in entsprechender Qualität aufrecht zu erhalten und diese zu sichern. „Es ist jeder Tag ein gewonnener Tag, an dem wir keine pandemische Entwicklung in den Spitälern haben“, so Kaiser, der sich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sämtlicher Krankenanstalten explizit bedankte. Eine weitere Maßnahme sei die Absage von Großveranstaltungen für über 100 Personen Indoor und über 500 Personen Outdoor. Kaiser betonte, dass die lückenlose Grenzsicherung als weiterer Punkt innerhalb von zwölf Stunden hochgefahren werden konnte. „Kärnten und Tirol tragen die Verantwortung für 8,9 Millionen Österreicher“, wies Kaiser hin. Ein besonderer Punkt sei der Schutz der besonders Gefährdeten. „Die höchste Ansteckungsgefahr geht von der Altersgruppe der 14- bis 30-Jährigen aus. Sie selbst sind am wenigsten gefährdet, übertragen jedoch am meisten. Daher hat der Schutz der über 60-, 65-Jährigen absolute Priorität“, erklärte Kaiser. In diesem Zusammenhang verwies der Landeshauptmann auf eine eingeschränkte Besucherfrequenz in Pflegeheimen und Krankenhäusern, um die Menschen in diesen Einrichtungen zu schützen.

Betreuung von Kindern sicherstellen

Als weitere drastische Maßnahme, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamten, habe man sich in der Landeshauptleutekonferenz zur Schließung von Schulen, Kindergärten und Krabbelstuben entschlossen, zugleich bleibe aber für die unter 14-Jährigen diese Infrastruktur offen, um die Betreuung der Kinder sicherstellen zu können, die zu Hause nicht beaufsichtigt werden können.
„Alle diese Maßnahmen haben ein Ziel: die zwischenmenschlichen Kontakte zu verringern, das ist die wichtigste vorbeutende Maßnahmen. Eine andere haben wir nicht“, so Kaiser. Eine Reduktion der sozialen Kontakte um 25 Prozent halbiert die Ansteckungsgefahr.

Virus bekämpfen

Gesundheitsreferentin Beate Prettner bedankte sich für die überragenden Leistungen der Amtsärzte und rechtfertigte alle getroffenen Maßnahmen damit, die potenzielle Ansteckung zu vermindern bzw. zu verhindern. Prettner konnte auch bestätigen, dass die Kärntner Krankenanstalten gerüstet seien, der Materialnachschub gesichert sei und sämtliche Abläufe koordiniert funktionieren. „Unser großes Ziel ist es, den Virus zu bekämpfen, ihm keine Chance zu einer rascheren Ausbreitung zu lassen. Isolation und Distanz schützen. Wir müssen Zeit gewinnen, um Therapien zur Anwendung bringen zu können und um unsere Gesundheitsinfrastruktur zu schonen“, so Prettner.

Der Leiter der Gesundheitsabteilung, Günther Wurzer, erläuterte den Abgeordneten gegenüber die Abläufe, die Koordinationsgespräche und appellierte an die Landtagsabgeordneten, ihr Wissen nun sachlich und fachlich in die Bevölkerung zu tragen, um Missverständnisse und Gerüchte auszuräumen

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