fbpx

Zum Thema:

08.09.2020 - 11:58Seit gestern: 520 Neuinfektionen in ganz Österreich gemeldet07.09.2020 - 10:2322 Kontaktpersonen von Bank-Angestellten getestet31.08.2020 - 17:34Neuer Leitfaden für Schul­alltag wird erstellt31.08.2020 - 11:43Kärntner Sommer­schulen nahmen Unterricht auf
Aktuell - Kärnten
Dr. Martina Putz arbeitet Zusammenfassungen aus, wissenschaftlich zuverlässig und mit medizinisch relevanten Details. Sie hat sich damit österreichweit einen Namen gemacht.
Dr. Martina Putz arbeitet Zusammenfassungen aus, wissenschaftlich zuverlässig und mit medizinisch relevanten Details. Sie hat sich damit österreichweit einen Namen gemacht. © KK/Henry Wellisch

Sie kämpft für mehr Bewusstsein:

Villacher Ärztin: „Die Situ­ation ist ernst. Bleiben Sie drinnen.“

Villach/ Kärnten – Dr. Martina Putz ist Ärztin am LKH Villach. Sie ist davon überzeugt, dass die Verbreitung wahrer Informationen Leben retten kann. Tag und Nacht wertet sie Daten aus, bereitet sie verständlich auf und veröffentlicht Informationsblätter mit enormer Reichweite. Ihre Botschaft ist eindringlich: "Nehmt die Situation ernst. Bleibt Zuhause."

 5 Minuten Lesezeit (628 Wörter) | Änderung am 21.03.2020 - 17.42 Uhr

Viele Menschen unterschätzen den Coronavirus nach wie vor. Gehen raus, treffen sich oder machen Balkonpartys. Eine Villacher Ärztin (LKH Villach, Kinder- und Jugendheilkunde) hat es sich neben ihrem Job zur Aufgabe gemacht, glaubwürdige Fakten und Daten auszuwerten und diese für die Öffentlichkeit verständlich aufzubereiten. „Kinder können symptomlose Überträger sein und sind deshalb besonders gefährdend“, erklärt sie ihre Nähe zum Thema.

Ihre Informationen verbreiten sich nicht nur in Österreich rasend schnell. Man nimmt ihre Warnungen auch über die Grenzen hinweg sehr ernst. Mit ihren Informationen erreichte sie sogar Menschen in Brasilien, Florida, Australien, England, Syrien, Südafrika oder Tunesien. Putz appelliert eindringlich Zuhause zu bleiben und erklärt mit dem gesammelten Expertenwissen auch, warum das die einzige Chance ist, das Coronavirus einzudämmen.

Warum kämpfen Sie so unermüdlich für die Informationsverbreitung?

Dr. Martina Putz (31): Meine unbändige Motivation liegt auch darin, dass ich selbst gemerkt habe, wie schlecht selbst manche Ärztekollegen in den bereits betroffenen Ländern wie Österreich informiert sind und teilweise noch immer das Ausmaß der Bedrohlichkeit dieser Erkrankung weitgehend unterschätzen. Mein erklärtes Ziel ist es, Menschen weltweit zu erreichen. Frühzeitig zu warnen. Es können so Menschenleben gerettet werden, das Virus hat das Potenzial viele Menschenleben zu fordern. Viele Daten basieren auf den  Fachvorträgen und Publikationen auf www.infektiologie.at und kommen von meinen Ärztekollegen, vor allem in München, meinem Studienort. Viele Kollegen helfen mir bei der Übersetzung. Russische und arabische Fassungen sind fertig, englisch, spanisch und litauisch derzeit in Arbeit

Wie ansteckend ist das Virus?

Putz: Problematisch ist, dass die Ansteckungsfähigkeit von Mensch-zu-Mensch bereits ein bis zwei Tage vor der Erkrankung beginnt. Das bedeutet, dass auch gar keine bis leichte Symptome dazu führen können, andere Leute anzustecken. Symptome sind Husten und Fieber. Die Dauer, bis die Erkrankung dann zum Ausbruch kommt, kann bis zu zehn Tage betragen. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt wahrscheinlich circa 14 Tage. Betroffen und gefährdet sind vor allem Risikogruppen, also Menschen mit schweren Vorerkrankungen oder Immunsuppression. Risikofaktoren sind außerdem Rauchen und Adipositas. Jüngere Menschen sind viel weniger gefährdet, sie können aber symptomlose Überträger sein.

Bleibt das Virus in der Luft?

Putz: Sich ungeschützt in einem Raum über kurze Zeit aufzuhalten, führt wahrscheinlich nicht zu einer Ansteckung. Das Virus kann sich aber bis zu drei Stunden lang in der Luft halten (nach 2,5 Stunden sind immer noch die Hälfte der vorhandenen Viren in der Luft nachweisbar). Auf Plastik oder ähnlichen Oberflächen kann sich das Virus 2 bis 3 Tage halten! Deshalb ist die Verwendung eines virustötenden Oberflächendesinfektionsmittels prinzipiell sinnvoll.

In Kärnten gibt es derzeit (Stand 20.3., 12  Uhr) 78 Coronavirus-Fälle….

Putz: Nachdem es in Kärnten bisher vergleichsweise wenige Erkrankungsfälle gibt, können die Maßnahmen gerade für uns hier, sehr erfolgreich im Kampf gegen den Virus sein. Die Dunkelziffer ist jedoch wahrscheinlich höher.

Viele Menschen sprechen von Panikmache und ziehen immer wieder Vergleiche zur Grippewelle…

Putz: Corona ist definitiv sowohl ansteckender, als auch gefährlicher. Immer wieder gibt es Viren, die sich verbreiten, vom „kleinen Schnupfenvirus“ bis hin zu einem „etwas gefährlicheren“ Influenzavirus. Aber sowie für die Influenza, gibt es flächendeckend anwendbare Impfungen.

Die Situation ernst nehmen, ohne in Panik zu geraten? Geht das überhaupt?

Putz: Ja, denn Panik ist nie ein guter Ratgeber. Ernst nehmen, indem man Ruhe bewahrt, drinnen bleibt und den Maßnahmen der Regierung voll und ganz Folge leistet. Dann ist das ganz einfach. Nach dem Motto: „Eure Großeltern wurden aufgerufen in den Krieg zu ziehen, ihr könnt die Welt retten, indem ihr auf der Couch bleibt!“ Jeder der Zuhause bleibt ist ein Lebensretter.

Kommentare laden
ANZEIGE