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Leute - Klagenfurt
© Pixabay

24 Stunden zu Hause

„Struktur und Bewegung kann de­eskalierend wirken“

Klagenfurt – Mutter und Vater im Homeoffice und die Kinder sollten zu Hause lernen. Die Coronavirus-Krise bringt neue Herausforderungen für Familien mit sich. Nicht selten liegen die Nerven blank. Wir haben mit Psychologin Stefanie Egger, Leiterin der Praxis Querkopf, gesprochen, wie der Alltag trotz Krise nicht im Chaos endet.

 4 Minuten Lesezeit (584 Wörter) | Änderung am 24.03.2020 - 19.51 Uhr

Die Praxisgemeinschaft Querkopf bietet psychologische Beratung und Begleitung sowie Unterstützung in schwierigen Lebenslagen an. „Wir bemerken, dass die aktuellen Herausforderungen dazu führen, dass die Stimmung schneller kippt und oft auch aggressives Verhalten nach sich zieht“, erklärt uns Psychologin Stefanie Egger.

Belastende Situation für Familien

Gerade für Mütter sei die Situation derzeit sehr belastend. Sie müssen zum Teil selbst im Homeoffice arbeiten, nebenher alle bisherigen Aufgaben im Blick haben und auch die Kinder Vormittags beschulen. „Diese Mehrbelastung führt oft dazu, dass die Nerven blank liegen“, weiß Egger. Wenn der Partner dann zusätzlich auch noch zu Hause ist, kann die Stimmung schnell kippen. „Gewalt hat mehrere Facetten und zeigt sich nicht immer nur in körperlicher Gewalt“, so die Psychologin. Das Familienleben ist an sich schon meist schwierig genug. Allen Bedürfnissen gerecht zu werden kaum möglich. „Auf engstem Raum kann man sich jetzt schwer aus dem Weg gehen“, sagt Egger. „Die zusätzlichen Belastungen führen zur Überforderung und der Kessel kocht über“, meint die Expertin. Auch für Kinder sei es schwer die derzeitigen Umstände zu verstehen.

Struktur und Ziele

„Wichtig ist es für jedes Familienmitglied Freiräume zu schaffen und den Tagesablauf zu strukturieren“, weiß die Psychologin. Ein geregelter Ablauf führt zu mehr Vorhersehbarkeit, Kinder (und auch Erwachsene) können sich einfacher daran orientieren und Vorbereitungen treffen. „In den Tag hineinzuleben schürt aggressives Verhalten“, ist sich Egger sicher. Sie empfiehlt Tages- oder Wochenpläne. „Wenn dienstags Turnen am Stundenplan stand, soll auch zu Hause eine Turnstunde eingeplant werden“, meint sie. Auch sich (kleine) Ziele zu setzen sei wichtig, um den Überblick nicht zu verlieren und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Bewegung hilft

Wenn man bemerkt, dass eine Situation zu entgleiten droht, sei es wichtig auf Abstand zu gehen. „Am besten ist es aus der Situation zu gehen, zu atmen oder eine Runde spazieren zu gehen und dann erst das Problem zu lösen“, erfahren wir von der Psychologin. Auch für Kinder sei Bewegung ein wichtiges Ventil um aufgestaute Energie loszuwerden. „Eine Turnstunde oder eine Runde ums Haus laufen baut aggressives Verhalten ab“, so Egger.

Maßnahmen zur Prävention

Information und Aufklärung zu diesem Thema seien bereits der erste wichtige Schritt um Opfern von physischer und psychischer Gewalt zu helfen. „Die Stadt soll gezielte Maßnahmen setzen, die zur Prävention gegen häusliche Gewalt beitragen“, fordert Vizebürgermeister Wolfgang Germ. „Über Social Media Kanäle können wichtige Informationen und Präventionstipps möglichst viele Betroffene erreichen und das erfolgt völlig anonym“, sagt Germ. Auf der Facebookseite der Praxis Querkopf werden bereits täglich neue Anleitungen gepostet, die in der derzeitigen Situation helfen können.

Hilfe suchen

„Wir versuchen immer einen Schritt schneller zu sein, damit gefährliche Momente gar nicht erst entstehen. Ein Krisenteam fährt derzeit zu Familien, bei denen uns bekannt ist, dass Probleme vorherrschen“, so Egger. Die Psychologin fordert uns dazu auf, auch in unserem Umfeld jetzt besonders hellhörig zu sein und Vorfälle gegebenenfalls beim Jugendamt oder anderen zuständigen Stellen zu melden oder sich selbst Hilfe zu holen, wenn man nicht mehr weiter weiß. „Vor allem Jugendlichen fällt es schwer über ihre Probleme zu sprechen. Wir bieten daher über Facebook einen Chat an. Schreiben geht oft leichter als sprechen“, erklärt uns Egger. Auch Schulsozialarbeiter stellen sich derzeit online zur Verfügung. „Lieber einmal mehr an jemanden wenden, als einmal zu wenig“, so Egger abschließend.

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