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Wurde gekündigt

Saisonarbeiterin sitzt in Ischgl fest: „Ich fühle mich im Stich gelassen“

Ischgl/Arnoldstein – Eine Saisonarbeiterin aus Arnoldstein sitzt in Ischgl fest. Sie war bereits zwei Wochen in Quarantäne und muss nun weitere zwei Wochen in einem kleinen Personalzimmer ausharren, obwohl sie laut eigenen Angaben gesund ist. Zu allem Übel wurde sie auch noch gekündigt und alle Hilferufe bisher von den Behörden ignoriert. Wir haben mit ihr über ihre Situation gesprochen.

 4 Minuten Lesezeit (531 Wörter) | Änderung am 28.03.2020 - 09.42 Uhr

Die Saisonarbeiterin wurde aufgrund des Coronavirus am 11. März in den Urlaub geschickt und ist nach Hause nach Kärnten/Arnoldstein gefahren. Am nächsten Tag erhielt sie einen Anruf, sie müsste nach Ischgl zurück, um zu putzen. Einen Tag darauf wurde die Quarantäne verhängt und die Frau sitzt seither zusammen mit weiteren 20 Kärntnern und ein paar anderen Mitarbeiten in Ischgl fest. Jetzt wurde sie auch noch gekündigt und fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Wir haben mit ihr über die derzeitige Situation gesprochen.

Quarantäne verlängert

„Jetzt wurde die Quarantäne bis 13. April verlängert und ich habe keine Möglichkeit um nach Hause zu kommen, obwohl ich nachweislich gesund bin“, erzählt die Arnoldsteinerin gegenüber 5 Minuten. „Ich wohne in einem kleinen Personalzimmer und soll da noch weitere zwei Wochen (wenn es nicht wieder verlängert wird) verweilen, und das, obwohl ich bereits gekündigt bin“, ist die Betroffene verärgert.

Wurde gekündigt

Bereits am Freitag hat die Arbeiterkammer (AK) von „menschenverachtenden Zuständen“ für Tourismusmitarbeiter in Quarantäneregionen berichtet. Mitarbeiter von Tourismusbetrieben wurden entlassen, könnten die Orte aber trotzdem nicht verlassen. So erging es auch unserer Interviewpartnerin. „Ich wurde ohne meines Wissens bereits mit 14. März gekündigt und war bis 23. März aufgrund meiner Urlaubstage noch angemeldet. Nun habe ich die Unterlagen in schriftlicher Form in einem Kuvert bekommen“, erfahren wir. Auch viele andere Mitarbeiter wären derzeit in dieser Situation.

„Ich bekomme keine Hilfe“

Die junge Frau hat daraufhin die Arbeiterkammer angerufen und „die meinen ich dürfte nicht einfach gekündigt werden.“ Sie möchte derzeit jedoch einer Konfrontation mit ihrer alten Chefin aus dem Weg gehen, weil sie Angst hat, ihr Zimmer und die Essensversorgung zu verlieren. „Ich habe mich auch schriftlich an die Gemeinde Arnoldstein gewendet, jedoch bis jetzt keine Rückmeldung erhalten“, so die Betroffene. „Auch vom Gesundheitsministerium und vom Bürgermeister von Ischgl habe ich noch keine Antwort erhalten.“ Die Frau ist verzweifelt und wünscht sich, dass auch auf die „kleinen Leute“ geschaut wird, denn „die bekommen keine Förderungen von irgendwo her.“

Wirtschaftskammer will unterstützen

Wie der ORF berichtet, wisse man in der Wirtschaftskammer nichts von diesen Vorwürfen. Solle es solche Fälle geben, würde man alles unternehmen, um die Betroffenen aus dem Ort beziehungsweise aus den widrigen Umständen herauszubekommen, heißt es seitens der Wirtschaftskammer.

„Ich möchte nach Hause“

„Meine Eltern sind getrennt und zählen schon zur Risikogruppe“, erzählt uns die Betroffene. „Ich möchte so gerne nach Hause und zum Beispiel meinem 73-jährigen Papa, der allein zuhause ist und mit dem Hund raus muss, helfen.“ Hier in Ischgl könne sie nur in ihrem kleinen Zimmer hocken und fernsehen. Draußen beschreibt sie es als gruselig. Alle tragen Mundschutz, niemand redet. „Ist es fair jemanden der gesund ist, nach 2 Wochen Quarantäne nicht nach Hause zu lassen, nebenbei noch zu kündigen und dafür keine Entschädigung zu bekommen?“, fragt sich die Arnoldsteinerin. „Ich fühle mich allein und im Stich gelassen! Ich wäre sehr dankbar, wenn ich irgendwo Hilfe bekommen würde.“

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