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Wirtschaft - Villach
Spendier
Spendier © Fotomontage

Boyneburg Spendier:

„Härtefall-Fonds sind ein Tropfen auf den heißen Stein“

Villach – Die Regierung verspricht durch Härtefall-Fonds Soforthilfe für Kleinunternehmer, wir haben berichtet. Es macht den Anschein, dass den Betrieben geholfen wird, die derzeit mit Kostenausfällen zu kämpfen haben. Doch so einfach ist es anscheinend doch nicht. Claudia Susanne Boyneburg Spendier, Eigentümerin des Hotel Goldenes Lamm, meldet sich kritisch in einem offenen Facebook-Posting an Bundeskanzler Sebastian Kurz, zu Wort. Wir haben mit ihr über das Thema gesprochen.

 5 Minuten Lesezeit (619 Wörter) | Änderung am 29.03.2020 - 16.54 Uhr

„Die Unternehmerinnen und Unternehmer müssen zum Wohle der Gesellschaft ihre Betriebe geschlossen halten und sehen sich derzeit mit großen Einbußen konfrontiert. Umso wichtiger ist es jetzt, ihnen unter die Armen zu greifen und das wirtschaftliche Überleben abzusichern“, verkündet Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig am Freitag, wir haben berichtet. „Die Kombination aus Sofortauszahlungen, Steuerstundungen, Kurzarbeit und Kreditgarantien ist die richtige. Jetzt müssen diese Hilfen rasch beim Unternehmer ankommen.“ Claudia Susanne Boyneburg Spendier, Eigentümerin des Hotel Goldenes Lamm, kritisiert jedoch die derzeitigen Unterstützungen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

„Wir arbeiten fast kostendeckend“

Das Hotel Goldenes Lamm hat derzeit auf Notbetrieb umgestellt. „Wir im Tourismus sind sehr getroffen. Ganz ohne Beherbergung kann man in Villach jedoch nicht sein. Wir haben den Vorteil eines Standortes in der Nähe des Bahnhofes, deswegen bieten wir durchschnittlich 5 Zimmer für Systemerhalter wie Lokführer an“, so Boyneburg Spendier. „Die Reisenden bleiben wohl noch längere Zeit aus“, vermutet sie. „Wir sind ein kleinstrukturiertes Unternehmen und haben nicht so viele Fixkosten. Ich arbeite selbst mit und gemeinsam mit zwei Lehrlingen und einem Zimmermädchen sind wir fast kostendeckend aufgestellt.“

Ein Tropfen auf den heißen Stein?

„Grundsätzlich sehe ich es positiv, dass der Staat eingreift und hilft“, sagt Boyneburg Spendier gegenüber 5 Minuten. „Aus der Praxisseite der Unternehmen kann ich jedoch sagen, dass ein kleiner Betrieb mit weniger als 10 Vollzeitmitarbeitern vom Härtefall-Fond der WKO lediglich 500 bis 2.000 Euro erhalten. 500 Euro sind zwar schön und gut, aber helfen nicht viel“, so Boyneburg Spendier.

„Überbrückungskredite müssen zurückgezahlt werden“

Eine Möglichkeit wie größeren Unternehmen geholfen werden soll sind sogenannte Überbrückungskredite. „Die Ansuchen dieser Überbrückungskredite ist extrem schwierig und mühsam auszufüllen“, meint die Unternehmerin. Hierbei muss eine „Liste von 14 Punkten“ abgearbeitet werden. Sie kritisiert auch, dass sich Unternehmer „blank ziehen“ müssen und zum Beispiel bei Antragstellung auch Angaben wie das Privatvermögen ausfüllen sollen. „Die Banken bieten unterschiedliche Zinssätze an und wir Unternehmer müssen die Kredite dann mühsam zurückzahlen“, zeigt Boyneburg Spendier auf.

„Warum Epedemiegesetz außer Kraft?“

„Warum wurde Paragraph 32 und 20 des Epedemiegesetz außer Kraft gesetzt?“, fragt sich die Unternehmerin. „Dies wäre der einzige Paragraph wodurch Firmen bis zu 25 Mitarbeiter automatisch einen Rechtsanspruch auf Unterstützung des Staates gehabt hätten.“

„Bleiben auf Kosten für Steuerberatung sitzen“

Die Unternehmerin findet den Grundgedanken der Kurzarbeit eine „wahnsinnig tolle Sache“. Sie kritisiert jedoch die Vorgehensweise, dass sooft nachgebessert wird. „Unser Steuerberater hat nun das vierte Mal die entsprechenden Formulare ausgefüllt und das bei 18 Mitarbeitern. Für diesen Mehraufwand zahlen wir die Kosten“, so Boyneburg Spendier. „Warum ist die Kurzarbeit das perfekte Instrument gegen die Arbeitslosigkeit, wenn wir zuerst 100 Prozent der Löhne und Abgaben für 60 bis 90 Tage unserer Mitarbeiter zahlen müssen und keine Einnahmen haben?“

„Die Großen profitieren“

„Die einzigen, die derzeit von der weltweiten Entwicklungen profitieren sind die Großen“, ist Boyneburg Spendier überzeugt. „Die örtlichen Boutiquen haben geschlossen und die Menschen kaufen bei Amazon und Co. ein.“ Diese Großkonzerne müssen in Österreich keine Steuern zahlen. „Die Leute werden durch die Online-Bestellungen verwöhnt. Die Unternehmen werden sich was einfallen lassen müssen, damit die Menschen wieder in die Geschäfte kommen“, ist sie sich sicher.

„Man kennt sich nicht mehr aus“

„Sowohl den Mitarbeitern als auch uns Unternehmer ist bei den derzeitigen Unterstützungen leider wenig geholfen. Jeden Tag kommen Erneuerungen und man hat das Gefühl, es herrsche reges Chaos. Bei den täglichen Nachbesserungen kennt sich bald niemand mehr aus“, so Boyneburg Spendier. „Wir österreichischen Unternehmer haben Geduld und Vertrauen, aber hier geht es um unsere Existenzen!“

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