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Wirtschaft - Villach
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Aus wirtschaftlichen Gründen

21 Mitarbeiter gekündigt: Don Boardservice schließt Standort in Villach

Villach – Die Coronavirus-Krise greift weiter um sich. Geschäfte mussten schließen, Mitarbeiter wurden auf Kurzarbeit umgestellt oder mussten sogar gekündigt werden. Auch die Servicemitarbeiter von "Don Boardservice" aus Villach betrifft die Schocknachricht einer bevorstehenden Kündigung. "Das Kurzarbeitszeit-Modell wurde für uns nicht angenommen", schildert uns eine Stewardess, die nun vor dem Nichts steht.

 5 Minuten Lesezeit (685 Wörter) | Änderung am 08.04.2020 - 13.33 Uhr

Wie wir von einigen Mitarbeitern und dem Betriebsrat erfuhren, wurden die Stewards von Don Boardservice, trotz des Versprechens seitens des Unternehmens, niemanden zu kündigen, entlassen und konnten nicht in die Kurzarbeit übernommen werden. Von der Kündigung sind die Servicemitarbeiter des „fahrenden Personals“, also die Stewards, betroffen. „Die Lagermitarbeiter dürfen bleiben“, erzählt eine Betroffene gegenüber 5 Minuten. „Der Witz ist, wir haben vor ein paar Wochen ein Video von Donhauser persönlich bekommen, dass wir alle zusammenhalten müssen und er unseren Arbeitseinsatz zu schätzen weiß“, ärgert sich die Mitarbeiterin. „Das bedeutet, dass jetzt 21 Stewards entlassen werden.“ Die Mitarbeiter arbeiteten bisher in den Speisewagons der Züge und versorgten mit Hilfe von mobilen Speisewägen die Reisenden mit Snacks und Getränken.

Betriebsrat versuchte Kündigung abzuwenden

„Die von der Geschäftsführung ausgesprochene Kündigung war für uns ein Schock“, gesteht Betriebsrätin Melanie Wilhelmer im Gespräch mit 5 Minuten. „Sie ist trotz einstimmiger Ablehnung des Betriebsrates und zuvor präsentiertem Modell der KUA (Kurzarbeit) durchgeführt worden.“ Daraufhin setzte der Betriebsrat alle Hebel in Bewegung, um die Arbeitsplätze doch noch retten zu können. „Leider für unseren Standort ohne Erfolg“, so Wilhelmer. „Es ist nicht korrekt, dass Herr Donhauser in der Mitarbeiterkommunikation Kündigungen – soweit diese unumgänglich sind – ausgeschlossen hat. Herr Donhauser hat dezidiert darauf verwiesen, dass das Kurzarbeitsmodell so weit wie möglich zur Anwendung kommen wird“, heißt es in einem Schreiben an die Redaktion seitens der Marketingabteilung von Don Boardservice.

Standort Villach wird geschlossen

Es konnten laut Betriebsrat also nicht alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit umgestellt werden. Der Standort am Hauptbahnhof Villach muss schließen und 21 Mitarbeiter werden infolgedessen gekündigt. „Der Standort in Villach musste aus wirtschaftlichen Gründen für das fahrende Personal geschlossen werden,“ bestätigt auch Geschäftsführer Josef Donhauser im Gespräch mit 5 Minuten. „Diese Entscheidung wäre wahrscheinlich sowieso getroffen worden. Die Krise hat die Situation natürlich verschärft“, so Donhauser. Der Betriebsrat kritisiert die Schließung des Standortes Villach für das fahrende Personal und spricht von einem nicht nachvollziehbarer Schritt in die falsche Richtung. „Es wurde unsererseits alles versucht, um gegen die Vorgehensweise anzukämpfen, leider ohne Erfolg“, bedauert Wilhelmer. Von der Kündigung seien auch vier Menschen mit Behinderung und zwei Frauen in Elternteilzeit betroffen. „Vom Unternehmen heißt es, dass der Standort aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde“, erklärt uns die Betriebsrätin. Als Stewards sollten nun Mitarbeiter aus Wien und Salzburg eingesetzt, denen aber die Übernachtung bezahlt werden müsse. „Da stellt sich mir die Frage, ob dies wirklich wirtschaftlicher ist“, so Wilhelmer.

„Alternativen wurden angeboten“

„Wir mussten die Mitarbeiter teilweise kündigen, weil angebotene alternative Arbeitsplätze nicht aufgegriffen wurden“, so Donhauser. Die Mitarbeiter konnten sich demnach für einen anderen, geografisch nächstgelegenen Standort entscheiden, um dort weiter beschäftigt zu bleiben. „Der nächste Standort wäre in Graz“, erfahren wir vom Geschäftsführer. Dieser Aussage widerspricht die Betriebsrätin Melanie Wilhelmer. „Nur vier Mitarbeitern wurde ein neuer Standort angeboten“, sagt sie. „Es ist schade, dass der Betriebsrat in solche Entscheidungen nicht mit eingebunden wurde“, so Wilhelmer. „Wir möchten klar feststellen, dass wir um den Erhalt jedes Arbeitsplatzes kämpfen. Gleichzeitig bedauern wir aber auch, dass im Verhältnis dazu einige Arbeitsplätze aus wirtschaftliche Gründen, nicht zu retten sind“, so Donhauser weiter.

Touren werden übernommen

Die neuen Touren für das fahrende Personal wird nun so gelegt, dass Mitarbeiter von anderen Standorten den Bereich des Standortes Villach übernehmen könnten. Zu den Übernächtigungskosten hat Donhauser eine klare Meinung: „Wir organisieren österreichweit und international Übernächtigungskosten für unsere Mitarbeiter. Diese belaufen sich auf rund 2 Millionen Euro im Jahr.“ Es scheint also nicht ungewöhnlich zu sein, dass Mitarbeiter auch mal auswärts übernachten und das Unternehmen dafür aufkommt. „Wir haben in Summe jetzt in der Krise rund 600 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und 21 Mitarbeiter mussten eben wegen der wirtschaftlichen Standortschließung für das fahrende Personal in Villach gekündigt werden“, erklärt Geschäftsführer Donhauser abschließend.

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