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Politik - Villach
Debatte
© Montage 5min.at / Stadt Villach

Er fordert Stop des Projektes

Pober zu Eishallen-Millionen: „Unsere Betriebe brauchen das Geld jetzt eher!“

Villach – Villach bekommt eine neue Eishalle. ÖVP-Stadtrat Christian Pober polarisiert mit seiner Aussage, dass das Geld momentan an anderer Stelle dringender gebraucht wird. Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) reagierte prompt und zeigte sich in einem Video "fassungslos" darüber.

 7 Minuten Lesezeit (948 Wörter)

„Zuerst die heimische Wirtschaft, dann die Halle neu.“ So könnte man den Ansatz des Villacher Wirtschaftsreferenten Christian Pober auf den Punkt bringen. Das sorgt für Gegenwind.

2021: Startschuss für die „Stadthalle Neu“

Der Baustart für die Adaptierung der Villacher Eishalle und den Bau einer zweiten Halle ist für 2021 geplant, wenn es sich nicht auf Grund der Corona-Krise verschiebt. 23 Millionen Euro werden als Gesamtkosten veranschlagt. Das Bauvorhaben wird finanziell gemeinsam von Stadt Villach, dem Land Kärnten und dem Bund getragen. Stadtrat Christian Pober ließ gestern aufhorchen. Er vertritt die Meinung, dass das Projekt Stadthalle gestoppt werden muss. Das Geld wird momentan an anderen Stellen dringender benötigt. Zuvor habe Pober aber noch gefordert, das Projekt so schnell wie möglich umzusetzen und sogar zusätzliche Gelder aufzutreiben. Des Weiteren soll er den Landessportdirektor beleidigt haben.

Bürgermeister ortet „Populismus“

Bürgermeister Günther Albel entschuldigt sich für „die Beleidigung eines Mitgliedes der Stadtregierung.“  Er betont weiter, wie wichtig das Projekt für die Villacher ist und „die Aussagen des Stadtrates haben bei unseren Projektpartnern Land Kärnten und Bund für viel Aufregung gesorgt. Auch mich lässt so ein Meinungsschwenk wirklich fassungslos zurück“, erklärt Albel im Video. Es gibt bereits eine fixe Zusage von über 8 Millionen Euro an Landesförderung für das Projekt. Mit dem Bund wird derzeit über weitere Förderungen verhandelt. „Ich bin der Meinung, dass man auch in schwierigen Zeiten zu seinem Wort stehen sollte. Dass man Handschlagsqualität hat. (…) Alles andere wäre Populismus und der bringt uns gerade in dieser Zeit überhaupt nicht weiter.“

Auch Villachs Stadtrat Erwin Baumann (FPÖ) fordert, diesen “ politische Eiertanz“ zu beenden. Es gefährdet ein Projekt mit nachhaltig positiven Auswirkungen auf Sport, Arbeitsmarkt, Auftragslage und Wertschöpfung in Villach. Er setzt sich weiter für den Umbau der Stadthalle ein.

Eishockeyverband reagiert kritisch

„Mit großer Verwunderung hat der KEHV die Meinung des Villacher Stadtrats Christian Pober vernommen.  Auch wenn die Corona Krise vieles in Frage stellt – Projekte, die für Villach und Kärnten kurz- und langfristige wirtschaftliche positive Folgeeffekte erzielen, sollten nicht in Frage gestellt werden“, heißt es seitens der Vertreter des Kärntner Eishockeyverbandes. Die Villacher Bewegung „Verantwortung Erde“ steht generell nicht zum Bauvorhaben, wenn auch aus einem anderen Grund. So könnten die „Eishallen-Millionen“ beispielsweise für Grün- und Ackerflächen verwendet werden, statt für ein „Prestigeprojekt“. 

Stadtrat Christian Pober im 5 Minuten-Interview

5 Minuten: Ihre Aussagen polarisieren. Unglücklich formuliert oder stehen Sie nach wie vor zur Prioritätenverschiebung „zuerst die heimische Wirtschaft, dann eine neue Halle“?

Stadtrat Christian Pober: Uns erreichen nahezu stündlich Hiobsbotschaften. Die Corona-Pandemie verändert unsere Welt radikal. Sie wird öffentliche Haushalte in schwere Krisen stürzen. Experten reden von Einnahmeausfällen in den Städten und Gemeinden von bis zu einem Drittel. Da geht es dann ans Eingemachte. Da wird das Geld für die kommunale Grundversorgung knapp werden. Wer da jetzt den Kopf in den Sand steckt, handelt unverantwortlich. Ich fühle ich mich für die Zukunft Villachs und seiner Bevölkerung verantwortlich und bleibe bei dem was ich gesagt habe.

Sie haben sich aber zuerst für eine raschere Umsetzung ausgesprochen. Warum der Schwenk?

Pober: Natürlich habe ich mich vor dem Eintreten der Krise dafür eingesetzt. Hätte der Bürgermeister sein Wahlversprechen aus 2015 zügig eingelöst, würde die Stadthallenerneuerung vielleicht schon erfolgt oder zumindest ausfinanziert und in Umsetzung sein. Jetzt sind von einer vagen Kostenschätzung – ein umsetzungsfähiges Projekt gibt es ja noch immer nicht – erst 1/3 ausfinanziert. Es ist eine Farce, dass sich der notwendige Grundstücksankauf vom Land bereits über fünf Jahre hinzieht.

Sie möchten zuerst heimische Betriebe finanziell unterstützen und erst dann wieder Projekte wie die Eishalle umsetzen?

Pober: Die heimische Wirtschaft braucht Sofortmaßnahmen, vor allem diejenigen die aktuell beim Härtefallfonds nicht zum Zug kommen. Ich fordere schon länger ein Villacher Sofortpaket von 200.000 bis 300.000 Euro in der ersten Phase. Sollte es notwendig sein, müssten wir auch hier noch in einem zweiten Schritt nachbessern und weitere Hilfsmittel aufstocken.

Bürgermeister Günther Albel hat sich gestern in einem Video für ihre Aussagen entschuldigt, weil Sie den Landessportdirektor beleidigt haben. Ist das in Ihrem Sinne oder sehen Sie das anders?

Pober: Wenn der Bürgermeister dies möchte, ist ihm das Unbenommen. Ich für meinen Teil sehe es so wie ich es gesagt habe. Wir werden alle noch größere Probleme bekommen. Hier meine ich, dass die heimische Wirtschaft und die Arbeitnehmer unsere ganze Zuwendung brauchen werden. Werden wir real das Geld für ein solches Prestigeprojekt haben? Ich glaube jetzt nicht! Etwas anderes habe ich auch nie behauptet. Schauen wir uns die Zahlen an und bewerten wir die jetzige Situation. Alles andere ist unseriös und den Villacherinnen und Villachern gegenüber nicht ehrlich. Das Budget der Stadt Villach muss für 2020 neu verhandelt werden. Die Krise wird die Stadt Villach massiv belasten und das in einem mehrstelligen Bereich.

Wird es aufgrund der Corona-Auswirkungen im Stadtbudget auch andere Projekte geben, wo wir künftig sparen müssen?

Pober: Natürlich. Da wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das Diktat der leeren Kassen wird uns leider dazu zwingen. Für Luxus- und Prestigeprojekte wird kein Geld mehr da sein. Das gut angenommene Modell der Kurzarbeit trifft in erster Linie bedauerlicher Weise ja die Arbeitnehmer. In weiterer Folge aber auch die Stadt, denn für die Zeit der Kurzarbeit wird die Stadt auch keine Kommunalabgabe erhalten. Abgesehen davon, dass die Kaufkraft massiv leiden wird.

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