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Wirtschaft - Kärnten
Um so viele Wirte als möglich vor dem Zusperren zu retten, sei nun die Politik gefordert.
SYMBOLFOTO Um so viele Wirte als möglich vor dem Zusperren zu retten, sei nun die Politik gefordert. © pixabay.com

Politik fordert Entfesselungspaket

Schnelle Hilfe not­wendig: „Kärntens Wirte bangen um ihre Existenz“

Kärnten – Kärntens Gastronomen öffnen am Freitag, zwei Monate nach dem Shutdown, wieder ihre Betriebe. Die Freude ist groß, aber es gibt auch große Sorgen. Von der Politik wird nun rasche und unbürokratische Hilfe gefordert.

 4 Minuten Lesezeit (498 Wörter) | Änderung am 13.05.2020 - 21.25 Uhr

In 48 Stunden dürfen Kärntens Gastronomen ihre Betriebe wieder öffnen. Die Vorfreude ist groß und die Wirte sind bestens gerüstet. Doch es gibt einige dunkle Wolken über der Branche. „Niemand spricht darüber, aber viele Betriebe werden die kommenden Monate wohl nicht überstehen. Kärntens Wirte bangen um ihre unternehmerische Existenz“, dämpft Stefan Sternad, Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie, die Euphorie. Um so viele als möglich vor dem Zusperren zu retten, sei nun die Politik gefordert. „Die Wirte können diese Situation nur dann wirtschaftlich überleben, wenn ihnen dazu die Möglichkeit geboten wird.“

„Je einfacher, desto besser“

Auch die ungelöste Frage, ob die Politik bereit sei für weitere, dringend nötige Weichenstellungen, lässt Wirte grübeln. Zwar wurden mit dem neuen „Wirtepaket“ wichtige Signale gesandt, doch dies könne nur der Anfang gewesen sein, so Sternad: „Der Politik muss klar sein, dass die Gastronomie für einen erfolgreichen Start noch weitere Unterstützung braucht.“ Das Motto müsse lauten: Je einfacher, desto besser – und je schneller, desto besser. Bei vielen Betrieben gibt es bereits massive Liquiditätsprobleme. „Deshalb hätte ich mich über ein ‚Start-up-Paket‘ für die Gastronomie mehr gefreut als über die Senkung der Mehrwertsteuer auf alkoholfreie Getränke für sieben Monate. Es ist nicht alles gut, was gut gemeint ist. Diese Steuersenkung bringt uns vor allem einen großen Aufwand bei Registrierkassen und Buchhaltung. Eine große Hilfe beim Neustart ist das jedenfalls nicht“, erklärt Stefan Sternad.

Forderung nach Entfesselungspaket

Außerdem müsse der Reformstau, der die Branche schon seit einigen Jahren begleitet, beendet werden: Bürokratie, hohe Lohnnebenkosten und die Abgabenbelastung wirken wie ein Bremsklotz auf die Branche. „Dabei würden wir jetzt einen Turbo benötigen!“ Neben kurzfristigen Maßnahmen, die sozusagen als „Erste Hilfe“ zur Bewältigung der Coronakrise dienen sollen, müsse man den Blick in die Zukunft lenken: „Um unsere Branche langfristig und erfolgreich zu entlasten, wird die Politik den Willen zur Veränderung zeigen müssen. Die Gastronomie braucht ein Entfesselungspaket!“ Weiters hofft Sternad auf Unterstützung durch die Gemeinden: Eine erste, wichtige Maßnahme wäre demnach das Aussetzen der heurigen Gastgartengebühren in allen Gemeinden. Außerdem solle den Wirten ein großzügiges Ausdehnen ihrer Gastgärten – im Sinne der notwendigen Abstände für Sessel und Tische – ermöglicht werden.

Wert der Meister- und Befähigungsprüfung heben

Trotz all der Herausforderungen ist die Freude auf den Neustart am Freitag groß. Gut vorbereitet sind die Wirte auch, betont Sternad: „Unsere Branche hat eines der besten Hygienekonzepte der Welt. Wir sind weltweit Spitzenreiter, wenn es um die Einhaltung von HACCP-Richtlinien und ähnlichem geht. Und das wird sich jetzt auszahlen.“ In diesem Zusammenhang zeige sich auch, wie wichtig Meister- und Befähigungsprüfungen im Gastgewerbe sind. „Ich bin ein Befürworter der Liberalisierung, aber die Befähigungsprüfung liefert grundlegendes Wissen, das man braucht, um gut durch so schwierige Zeiten zu kommen“, gibt der Fachgruppenobmann zu bedenken.

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