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Leute - Villach
© pixabay

Aufschrei einer Pädagogin:

Leserbrief: „Wir ver­zichten auf die sport­ver­hindernde Bildungs­politik“

Villach – In einem offenen Brief wendet sich vor kurzem Gudrun Trattnig-Zerava an uns: "So nicht, Herr Bildungsminister!" Mit 18. Mai sei der Pflichtgegenstand Bewegung und Sport vom Distance-Learning gestrichen worden. Ein No-Go für die Pädagogin. 

 5 Minuten Lesezeit (628 Wörter)

Die Verfasserin des Briefes, Gudrun Trattnig-Zerava, ist ausgebildete Sport- und Psychologiepädagogin und in der Kärntner Tourismusschule in Villach-Warmbad tätig. In dem Schriftstück legt sie dem Bildungsminister ihre Sicht der Dinge nahe:

Offener Brief:

Ohne Vorinformation, selbst die Fachinspektoren für Bewegung und Sport sowie die Beamten in Ihrem Ministerium zeigten sich überrascht, wird in einer Verordnung BGBLA 2020 // 208 zur Bewältigung der COVID-19 Folgen im Schulwesen plötzlich mit 18. Mai der Pflichtgegenstand Bewegung und Sport sogar vom Distance-Learning ohne Begründung gestrichen. Die Sekundarstufe zwei startet den Präsenzunterricht bekanntlich erst ab dem dritten Juni. Die betroffenen Schulstunden werden einfach im Stundenplan auf UNTIS gelöscht. Es reicht anscheinend nicht, dass bei der erneuten Schulöffnung der Schulsport unter die Räder kommt. Bewegung und Sport sind sogar im Freien verboten, wo die COVID-19-Ansteckungsgefahr laut Ihren eigenen Experten sehr gering ist. Eigenverantwortung und Hausverstand gelten anscheinend nicht für das Fach Bewegung und Sport.

Ist allen die Bedeutung von Bewegung unbekannt?

Wo bleibt der Aufschrei der Direktoren*innen, Bildungsdirektor*innen, der Fachinspektoren*innen, der Lehrergewerkschaft, der Medien, des Gesundheitsministers sowie besonders des Sportministers, der sich angeblich für die tägliche Turnstunde einsetzt? Ist allen die Bedeutung von Bewegung und Sport für die physische und psychische Gesundheit, (Prophylaxe bei Herz-, Kreislauferkrankungen, Diabetes, Stärkung der Knochen und Muskulatur, Verbesserung der Vitalkapazität, der Lern- und Gedächtnisleistung, Stärkung der mentalen Ressourcen – Bewegung als Ventil für  Frustration, Enttäuschung, Aggression und Langeweile abzubauen, Sport als „Antidepressivum“, Erhöhung des Wohlbefindens und der Lebensqualität…), unbekannt? Besonders hervorheben möchte ich die Stärkung des Immunsystems, die in dieser Pandemie anscheinend ohne Bedeutung ist, da wir ja auf eine zweite Welle und die Impfung warten.

Schüler verbringen stundenlang mit PCs und Smartphones

Fragen Sie nach bei Ihren Public-Health-Experten, das kostet nichts. Evidenzbasierte Studien, die die Bedeutung von Bewegung und Sport dokumentieren, sind in Ihrem Wissenschaftsministerium sicher ausreichend vorhanden und für Sie jederzeit problemlos zugänglich. Erklären Sie bitte, (nächste Pressekonferenz ist sicher schon terminisiert) allen Schüler*innen und Sportpädagogen*innen der Sekundarstufe zwei, warum Sie gerade bei Distance-Learning (Schüler*innen sitzen täglich stundenlang bei PC, Tablet und Smartphones) den Sportunterricht ohne Vorinformation vom Stundenplan streichen? Oder wollen uns Ihre Experten vielleicht noch glaubhaft machen, dass durch das Distance-Learning bei Bewegung und Sport plötzlich (seit 18. Mai) „Aerosole“ freigesetzt werden, und dass daher der Pflichtgegenstand Bewegung und Sport sofort per Verordnung gestrichen werden muss?

Bitte Hausverstand anwenden

Bitte Hausverstand anwenden, transparente Kommunikation und Wertschätzung nicht vergessen. Agiert so ein verantwortungsvoller Bildungsminister? Ist das Ihre Wertschätzung für uns Sportpädagogen*innen?

Verzicht auf sportverhindernde Bildungspolitik

Der Schulsport darf nie die Marionette des sportfeindlichen Bildungsministeriums werden. So darf die neue Normalität, so darf Ihr Probegalopp nicht ausschauen, das ist der falsche Weg. Ohne Bewegung wird niemand „fit for future“ und schon gar nicht „fit for life“. Die volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden können Ihre Experten gerne berechnen, koste es was es wolle. Ich bin eine mündige, mit Hirn, Herz und Verstand ausgestattete Sport- und Psychologiepädagogin und ich erlaube mir, meine Schüler*innen weiterhin via Distance-Learning mit langfristigen Bewegungs- und Sportprogrammen im Sinne der Trainingslehre zu versorgen. Auf Ihre sportverhindernde Bildungspolitik verzichten meine Schüler*innen und ich, unserer Gesundheit zuliebe, gerne.

Maga Gudrun Trattnig-Zerava

Was sagt ihr dazu?

Wie wichtig ist das Unterrichtsfach Bewegung und Sport? Meist wird es ja von den Kindern und Jugendlichen selbst als ,,Lieblingsfach“ angegeben. Seid ihr der gleichen Meinung wie die Verfasserin des offenen Briefes? Oder findet ihr, dass man in der aktuellen Situation ruhig darauf verzichten kann? Erzählt uns eure Sicht der Dinge in den Kommentaren! Wir sind gespannt!

 

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