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Wirtschaft - Kärnten
Viele Unternehmer sehen den Härtefall-Fonds kritisch.
Viele Unternehmer sehen den Härtefall-Fonds kritisch. © 5min.at

"Wir werden zu Bittstellern"

Härtefall­fonds: Klein­unter­nehmer fühlen sich „verarscht“

Kärnten – Mit dem von der Regierung ausgearbeiteten Härtefall-Fonds sollten Unternehmer in Corona-Zeiten staatliche Unterstützung bekommen. Doch immer mehr Kleinunternehmer melden sich zu Wort und fühlen sich von der Regierung nicht gesehen. "Ich bin es leid nach bürokratischen Almosen zu betteln", sagt zum Beispiel Hannes Dopler, der in der Veranstaltungsbranche tätig ist.

 5 Minuten Lesezeit (644 Wörter) | Änderung am 26.05.2020 - 13.37 Uhr

Zu Anfang der Coronavirus-Krise zeigte sich die Regierung sehr motiviert, den Unternehmern unter die Arme zu greifen und wollte schnelle und einfache Hilfe anbieten. Doch die Hilfe kommt scheinbar nicht an. Immer mehr kritische Stimmen werden vor allem in sozialen Netzwerken laut. Kleinunternehmer stehen seit Wochen ohne Umsatz da, fühlen sich als Bittsteller und warten immer noch auf adäquate Hilfe.

„Mit lächerlichen Beträgen abgespeist“

Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) wurden bereits 90 Prozent aller Anträge bearbeitet. Auf 153.000 Selbstständige seien insgesamt 160 Millionen Euro ausbezahlt worden, was einen durchschnittlichen Förderbeitrag von 1.046 Euro pro Person ergibt. Unklar bleibt, wie viele Anträge abgelehnt wurden und wie genau die Berechnung erfolgt. Unternehmer, an die nur kleine Beträge ausbezahlt wurden, können diese nicht nachvollziehen und verkünden ihren Ärger in den sozialen Netzwerken. „Ich bin es leid mir anzusehen wie Selbständige in einer Ecke kauern und weinen, weil sie keine 500 Euro bekommen haben wegen eines abgelaufenen Ausweises, während die Ämter geschlossen sind“, schreibt zum Beispiel Hannes Dopler, der in der Veranstaltungsbranche in Klagenfurt tätig ist, auf Facebook. „Der Fond ist ein Witz“, so Dopler, Inhaber der Rotfuchs KG. „Nachdem wir jahrelang Steuern eingezahlt haben, bekommen wir jetzt nur einen Almosenfond.“

„Umsatz ist auf null“

Dopler beschreibt, dass die erste Phase des Härtefallfonds problemlos abgelaufen sei und die Unternehmen schnell zu dem zur Verfügung gestelltem Geld gekommen sind. „Es steht jedoch zu wenig Geld für die Unternehmer zur Verfügung“, findet Dopler. Auch Andy Glantschnig, Unternehmer aus Villach, sieht den Fond kritisch. „Seit knapp 10 Wochen sind bei vielen Kleinunternehmern im 1.000 bis 1.500 Euro Geld geflossen“, so Glantschnig. „Das ist weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Unternehmer. „Das Geld reicht hinten und vorne nicht.“ Die Antragstellung und die genaue Abwicklung wird von den Unternehmern als sehr undurchsichtig beschrieben. „Meine private Betriebsversicherung wird mir zum Beispiel bei der 2. Charge wieder abgezogen“, ärgert sich Glantschnig. Auch Dopler fühlt sich von der Regierung alleine gelassen. „Für die Veranstaltungsbranche gibt es keine genauen Lösungen“, so Dopler.

„Veranstaltungsbranche hängt in der Luft“

„Wir in der Veranstaltungsbranche sind als erstes ausgefallen und werden als letzte wieder unsere Arbeit aufnehmen können“, sagt Dopler. „Uns fällt die ganze Saison aus. Von der Regierung wurden wir bisher bei den ganzen Maßnahmen nicht beachtet“, sagt der Klagenfurter. „80 % der Branche mussten ihre Mitarbeiter kündigen. Wir konnten nicht auf Kurzarbeit umstellen, da es für die Mitarbeiter keine Garantie gibt, wann sie wieder arbeiten können“, so Dopler. Sämtliche Aufträge wurden dem Vermieter von Veranstaltungsmöbeln bis Ende September storniert. „Die Saison ist gelaufen. Wir stehen umsatzmäßig auf null. Ich bin es leid nach 10 Wochen das Wort Veranstaltungsbranche in Pressekonferenzen noch nie vernommen zu haben und sowohl planlos als auch perspektivlos ignoriert zu werden.“

„Wir haben noch kein Geld bekommen“

„Grundsätzlich sehe ich es positiv, dass der Staat eingreift und hilft“, sagt Claudia Susanne Boyneburg Spendier, Eigentümerin des Hotel Goldenes Lamm, bereits im März gegenüber 5 Minuten. Auch sie sieht den Härtefall-Fond kritisch. „Aus der Praxisseite der Unternehmen kann ich jedoch sagen, dass ein kleiner Betrieb mit weniger als 10 Vollzeitmitarbeitern vom Härtefall-Fond der WKO lediglich 500 bis 2.000 Euro erhalten. 500 Euro sind zwar schön und gut, aber helfen nicht viel“, so Boyneburg Spendier. „Wir haben bisher immer noch kein Geld erhalten“, erfahren wir auf erneute Anfrage bei Boyneburg Spendier. Ab 29. Mai werden flächendeckend Corona-Testungen bei Mitarbeitern im Tourismus durchgeführt. Begonnen wird mit der Wörtherseeregion, wir haben berichtet. Boyneburg Spendier sieht sich als Hotel, das nicht am Wörthersee angesiedelt ist, benachteiligt gegenüber den anderen Hoteliers. „Wenn, dann sollte überall getestet werden“, findet sie.

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Claudia Susanne Boyneburg Spendier, Eigentümerin Hotel Goldenes Lamm

Claudia Susanne Boyneburg Spendier, Eigentümerin Hotel Goldenes Lamm - © Fotomontage

 

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