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Wirtschaft - Kärnten
© pixabay

Einheitliche Tarife gefordert:

Kärnten hat die höchsten Netztarife Österreichs

Kärnten – Der Kärntner Landesrechnungshof (LRH) hat die Kärnten Netz GmbH als größten Stromnetzbetreiber in Kärnten überprüft. Aus einem heute veröffentlichten Bericht geht hervor, dass der Stromnetzbetreiber im Österreichvergleich die mit Abstand höchsten Tarife für das Stromnetz verlangt. Grund dafür ist die ländliche Struktur Kärntens. Einheitliche Tarife werden gefordert.

 6 Minuten Lesezeit (819 Wörter) | Änderung am 02.06.2020 - 12.41 Uhr

Die Kärnten Netz GmbH ist eine Tochtergesellschaft der KELAG und der größte Stromnetzbetreiber Kärntens. Als Netzbetreiber ist die Kärnten Netz GmbH Schnittstelle zwischen Stromerzeugung und Verbrauch und damit für Transport und Verteilung des Stroms zuständig.

Wie kommt der Strompreis zustande?

Der Strompreis setzt sich aus dem Energiepreis, dem Netztarif sowie Steuern und Abgaben zusammen. Mit 35,7 Prozent macht der Netztarif in Kärnten den größten Anteil aus. Der Netztarif variiert je nach Netzbereich. Das Land Kärnten teilt sich in die Netzbereiche Klagenfurt und Kärnten, wobei für den Netzbereich Klagenfurt die Energie Klagenfurt zuständig ist.

Höchster Netztarif im Bereich Kärnten

Im Netzbereich Kärnten zahlen Haushalts- und Industriekunden österreichweit mit Abstand den höchsten Netztarif. Die Netztarife des Bereichs Klagenfurt liegen aufgrund der städtischen Struktur im Österreichschnitt. Der LRH empfiehlt dem Land nun zu prüfen, einen österreichweit einheitlichen Tarif anzustreben. „Ein österreichweit einheitlicher Netztarif würde sich positiv auf den Strompreis in Kärnten auswirken und die Kärntnerinnen und Kärntner deutlich entlasten. Das Land sollte die Rahmenbedingungen dafür mit dem Bund und der E-Control als zuständiger Behörde diskutieren“, sagt LRH-Direktor Günter Bauer in einer heutigen Aussendung.

Ländliche Struktur

„Gewisse Kennzahlen und Daten weisen darauf hin, dass die Zersiedelung in Kärnten ausschlaggebend für die hohen Netztarife ist“, sagt Direktor Bauer. Je weiter Gebäude voneinander entfernt liegen, desto mehr Trafostationen und Leitungen braucht man, um die einzelnen Gebäude zu versorgen. Im städtischen Gebiet gibt es deswegen viel mehr Zählpunkte pro Trafostation als in ländlichen Gebieten. Im Österreichvergleich hat die Kärnten Netz im Durchschnitt die geringste Anzahl an Zählpunkten pro Trafostation. Tirol hat beispielsweise rund ein Drittel mehr Zählpunkte pro Trafostation und der Netztarif ist auch um rund ein Drittel günstiger.

Kostenastieg über Durchschnitt

In den Netzbereichen Kärnten und Klagenfurt stiegen die Netztarife von 2018 auf 2019 zwischen 7 und 15,6 Prozent, obwohl die Tarife in diesem Zeitraum in Österreich im Durchschnitt um 1,3 Prozent sanken. Ausschlaggebend für die Steigerungen in Kärnten waren unter anderem kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen im KELAG Konzern. Die Kärnten Netz sollte neben den bereits eingeleiteten Projekten Maßnahmen prüfen, um die Personalkostensteigerungen zu dämpfen, heißt es in der Aussendung der LRH.

Land möchte Benachteiligung ausgleichen

Auch das Land Kärnten befürwortet einen österreichweit einheitlichen Netztarif in seiner Stellungnahme, denn das könnte die bisherige Benachteiligung der Kärntner Stromverbraucher ausgleichen. Das Land verweist darauf, dass die Kärntner Förderbeiträge zahlen, die überwiegend in Ökostromanlagen in anderen Bundesländern fließen wie Windrädern in Niederösterreich und im Burgenland.

SPÖ-Sucher: Benachteiligung der Kärntner Bevölkerung beenden

Auch SPÖ Kärnten Landesgeschäftsführer Andreas Sucher meldete sich in einer heutigen Aussendung zu den Netztarifen zu Wort. Darin erklärt er: „Die Bundesregierung ist gefordert, die Benachteiligung der Kärntner Bevölkerung endlich, wie vonseiten der SPÖ-Kärnten bereits gefordert, zu beenden, indem sie der E-Control vorschreibt, bei der Berechnung der jeweiligen Netztarife der Energieanbieter in den Bundesländern auch Strukturnachteile zu berücksichtigen.“

„Die Kärntnerinnen und Kärntner zahlen die am höchsten festgelegten Netzkosten, die in weiterer Folge hohe Energiekosten nach sich ziehen. Diese Ungerechtigkeit muss beendet werden,“ nimmt Sucher Bundesministerin Elisabeth Köstinger, die vormalige Verantwortliche und Bundesministerin Gewessler in deren Ressortverantwortung die E-Control aktuell fällt, in die Pflicht.

Sucher hofft auf ÖVP-Unterstützung

Unterstützung erwartet sich Sucher auch seitens der ÖVP-Kärnten. Sie solle unverzüglich das Anliegen zur Beendigung der Benachteiligung Kärntens bei Sebastian Kurz und Co unterstützen. „Wir haben ja auch nur eine bundesweit einheitliche Gebühr für die Autobahn, eine einheitliche Portogebühr bei der Post – warum dann nicht auch einheitliche mit einem zusätzlichen Fairness- und Solidaritätsfaktor berechnete Netzgebühren? Eine Gebühr für alle Bundesländer – das ist im Sinne Kärntens – die Kärntner ÖVP kann ihren guten Draht nach Wien bemühen, um hier eine Lanze für Kärnten zu brechen“, so Sucher.

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SPÖ Kärnten Landesgeschäftsführer Andreas Sucher spricht sich für einen einheitlichen Netztarif aus.

SPÖ Kärnten Landesgeschäftsführer Andreas Sucher spricht sich für einen einheitlichen Netztarif aus. - © 5min.at

ÖVP-Benger: „Müssen Wirtschaft in Tälern und Gemeinden ermöglichen“

In einer aktuellen Aussendung gab auch ÖVP-Energiesprecher Christian Benger ein Statement zu den hohen Energiekosten ab. Darin erklärt er: „Wir erhalten mit den hohen Kosten die Rechnung für ein jahrzehntelanges Verhindern von Wirtschaft im ländlichen Raum. Kärnten ist mehr als nur Klagenfurt und Villach. Unser Auftrag: Wir müssen Wirtschaft in den Tälern und Gemeinden ermöglichen. Mehr Unternehmen, mehr Stromabnehmer ergeben geringere Kosten für den Einzelnen – alle profitieren.“

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ÖVP-Energiesprecher Christian Benger ist sich sicher, dass mehr Stromabnehmer auch geringere Preise mit sich ziehen würden.

ÖVP-Energiesprecher Christian Benger ist sich sicher, dass mehr Stromabnehmer auch geringere Preise mit sich ziehen würden. - © Büro LR Benger

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