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Wirtschaft - Kärnten
Ferdinand Bucher, seit Oktober 2019 Landesdirektor der Wiener Städtischen
Ferdinand Bucher, seit Oktober 2019 Landesdirektor der Wiener Städtischen © fritzpress

Gemeinsam kann man alles schaffen!

Ferdinand Bucher: „Bienen zeigen vor, wie man über­lebt“

Kärnten / Osttirol – "Es ist enorm wichtig, anpassungsfähig zu bleiben, um Veränderungen und Krisen meistern zu können." Dieses Zitat stammt von Ferdinand Bucher, dem Landesdirektor der Wiener Städtischen Versicherung. Er verrät in einem Interview, wie er die Corona-Krise sieht.

 9 Minuten Lesezeit (1116 Wörter)
Was hat sich durch die Krise in der Versicherungsbranche verändert, wie hat sich der Lockdown ausgewirkt?

Bucher: Corona war, wie für alle, auch für uns als Versicherungsunternehmen eine große Herausforderung. Wir sind optimistisch ins neue Jahr gestartet, das erste Quartal war erfreulich gut. Dann kam es zum Lockdown, der uns zum Schließen aller Geschäftsstellen – pro Bezirk haben wir eine – und unserer acht Zulassungsstellen in Kärnten und Osttirol gezwungen hat. Aber wir haben uns gut organisiert und binnen kürzester Zeit auf Homeoffice umgestellt.

Hat die Kundenbetreuung darunter gelitten?

Nein, keineswegs. Wir haben mit unserer Digitalisierungsoffensive bereits gute Vorarbeit geleistet. Das hat eine rasche und problemlose Umstellung auf den digitalen Kundenkontakt ermöglicht. Es war uns wichtig, die Servicierung aufrecht zu halten und für unsere 240.000 Kundinnen und Kunden da zu sein, diese in gewohnter Qualität zu betreuen und beraten. Telefonisch, per Mail und über digitale Kanäle – das hat wunderbar funktioniert.

Wie erging es den Gewerbekunden – welche Unterstützung gab es seitens der Wiener Städtischen im Hinblick auf etwaige Zahlungsschwierigkeiten?

Wir haben unseren Versicherten geraten, Ruhe zu bewahren und bedacht zu handeln. Wir waren als starker Partner zur Stelle und haben versucht, Lösungen zu finden. Ein sofortiges Storno ist nicht immer zielführend, wenn man finanziell nicht mehr weiter weiß. Hier gilt es: Zusammensetzen, die Situation betrachten und eruieren, wo das Problem liegt und wie man es bestmöglich für die Kundinnen und Kunden beheben kann.

Wurden Lebensversicherungen gekündigt, weil rasch Geld benötigt wurde – oder gilt Kärnten als Land der Sparer und die Leute haben finanzielle Polster?

Die Stornierungen haben sich in Grenzen gehalten. ‚Kärnten als Land der Sparer‘ – ja – das stimmt schon. Vorsorge und finanzielle Absicherung ist vielen Menschen ein Anliegen. Aber ich denke, es wurde durch Corona das Bewusstsein nochmal geschärft, dass es wichtig ist, einen finanziellen Rückhalt zu haben, auf den man zugreifen kann. Das ist sowohl für Private, als auch für Unternehmer relevant – und zwar langfristig gesehen, nicht nur für Krisenzeiten. Um auf die Geldnot von Unternehmen zurückzukommen: Wo Handlungsbedarf gegeben war, haben wir die Anträge flott und unkompliziert abgewickelt. Ein Aufschub und sonstige Vereinbarungen wurden individuell geregelt. Wir haben Lösungen gesucht und rasch gefunden.

Ist ein Trend erkennbar, welche Produkte aktuell stärker nachgefragt werden?

Wir beobachten steigendes Interesse für Zusatzversicherungen, speziell im Bereich der Gesundheitsvorsorge, wo mehr Komfort und freie Arztwahl Vorteile bringen. Man möchte im Fall der Fälle optimal versorgt und abgesichert sein. Das ist auch ein Schwerpunktthema der Wiener Städtischen. Wir werden in Zukunft noch stärker wachsen in diesem Bereich. Unser Fokus liegt auf mehr Flexibilität für die Versicherten, wenn es um Top-Vorsorge bei Unfall, Sonderklasse und Arztwahl bei Operationen geht. Das ist mit einer maßgeschneiderten Zusatzversicherung möglich.

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Jörg Remschnig, LD Mag. Ferdinand Bucher, Georg Resenig MBA (v.l.n.r)

Jörg Remschnig, LD Mag. Ferdinand Bucher, Georg Resenig MBA (v.l.n.r) - © fritzpress

Welche Vorsorge empfehlen Sie für die Zukunft?

Es gibt zwei Punkte, die meines Erachtens extrem wichtig für jeden einzelnen sind, egal ob Unternehmer oder Privater: Gesundheit steht an oberster Stelle und ist durch das Coronavirus noch stärker in den Vordergrund getreten. Eine entsprechende Absicherung und Vorsorge beruhigt und hilft. Liquide Reserven für schwierige Zeiten wäre der zweite Punkt. Es geht um flexible und finanzielle Freiräume, die man mit entsprechender Vorsorge schafft. Wir bieten unterschiedliche Basisprodukte an, wie unter anderem prämien begünstigte Pensionsversicherungen, oder fondsgebundene Lebensversicherungen. Die Wiener Städtische ist übrigens die erste Versicherung am österreichischen Markt, die für ein Produkt das Umweltzeichen erhält: Eco Select Invest. Das Österreichische Umweltzeichen zertifiziert nachhaltige Finanzprodukte, bei denen die Geldanlage nach ökologischen und ethisch-sozialen Gesichtspunkten erfolgt.

Thema Verschuldung – wird sich die Staatsverschuldung auf die Rentenhöhe niederschlagen?

Natürlich sind Gemeinden, Städte und der Staat betroffen und diese Problematik wird sich vermutlich auf die Pensionen auswirken. Gerade auf solche Schocks heißt es, gut vorbereitet sein. Agil und vital bleiben spielt für Privatpersonen und Unternehmen eine große Rolle! Daher ist es so essenziell, für persönliche und finanzielle Gesundheit zu sorgen. Der Staat hilft und greift ein, aber wir müssen auch lernen, selber Verantwortung zu übernehmen. Mit dieser Selbstverantwortung betreiben wir Vorsorge für die Zukunft. Die Bedarfsanalyse ist hier ein guter Ansatz: Was braucht man, was macht Sinn, wie ist die IST-Situation? Anhand dieser Bestandsaufnahme kann man entscheiden, welche Risiken möchte man abdecken und absichern, welche lässt man offen. Unsere Versicherungsberaterinnen und Versicherungsberater können diese Analyse digital durchführen und mit unseren praktischen Tools anschließend anschaulich erklären.

Die Wiener Städtische, ein Anker in Krisenzeiten?

Ja, sehe ich durchaus so. Die Wiener Städtische gibt es immerhin schon seit knapp 200 Jahren. Das Unternehmen ist anpassungsfähig und hat bereits zahlreiche Krisen überstanden, wie zwei Weltkriege oder die Weltwirtschaftskrise und ist trotzdem immer für seine Kundinnen und Kunden da gewesen. Die Wiener Städtische bleibt bei geänderten Umweltbedingungen flexibel.

Ferdinand Bucher privat … was verraten Sie uns?

Ich bin auf einem kleinen Bergbauernhof in der Gemeinde Glanegg aufgewachsen und habe schon früh gelernt, dass man vor Veränderungen keine Angst haben darf, dass man anpassungsfähig bleiben muss. Mit vierzehn war ich bereits in der Steiermark und habe nach der Matura an der landwirtschaftlichen Mittelschule das Studium an der Wirtschafts-Uni in Wien begonnen. Nach einem Semester in New York an der ‚Columbia Business‘ bin ich nach Österreich zurückgekehrt. In Wien startete meine Karriere in der Finanzbranche, zunächst im Bankenvertrieb, dann wechselte ich ins Firmenkunden- und Retailgeschäft, das ich geleitet habe. Seit April 2019 bin ich bei der Wiener Städtischen und seit 1. Oktober bekleide ich das Amt des Landesdirektors.

Wie halten Sie sich fit?

Gerade in herausfordernden Situationen – wie die aktuelle Krise – muss man beweglich bleiben. So gelingen Veränderungen leichter und stressfreier. Auch angstfreier. Diese Balance schaffe ich mit regelmäßiger sportlicher Betätigung und mit meinem Hobby, der Bienenzucht. Als ‚Earlybird‘ genieße ich das Joggen am Morgen. Mein Lieblingssport bleibt aber das Radfahren.

Bienenzucht ist eher außergewöhnlich, woher der Zugang?

Mit der Bienenzucht habe ich – aus eigenem Interesse – mit 14 Jahren begonnen. Mittlerweile weiß ich: Von Bienen kann man sehr viel lernen. Sie zeigen, dass eine einzelne Biene alleine stirbt, aber dass  ein gesamtes Volk gemeinsam überleben kann. Das sollte auch uns zu denken geben: Wir meistern Krisenzeiten auch nur gemeinsam, mit Zusammenhalt, Teamgeist und Motivation. Und wenn jeder Verantwortung für sein Tun übernimmt.

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Ferdinand Bucher ist überzeugt: ,,Von Bienen kann man was lernen“. - © privat

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