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Politik - Klagenfurt
© Bettina Nikolic

Studie zur Klimaerwärmung

Im Jahr 2100: In Klagenfurt könnte es wesentlich heißer werden

Klagenfurt – Das Projekt „ADAPT – Urban Heat Islands“ untersuchte zwei Jahre lang wie sich die Stadt im Zuge des Klimawandels verändern wird. Der inneralpine Raum, so auch das Klagenfurter Becken, muss mit einer Temperaturerhöhung von bis zu 4 Grad bis zum Jahr 2100 rechnen.

 5 Minuten Lesezeit (675 Wörter)

In Städten werden dadurch vermehrt sogenannte urbane Hitzeinseln (UHI ‐ Urban Heat Islands) auftreten. Klagenfurt wurde gemeinsam mit den Städten Salzburg und Mödling als Pilotstadt zu der Studie ausgewählt. Ziel des Projektes war es, in den drei Städten bestmöglich darzustellen, welche Klimaanpassungsmöglichkeiten und damit verbundene Maßnahmen umsetzbar sind, damit künftig die vermehrt auftretenden Hitzetage minimiert werden können.

Zukünftige Klimaänderungen

Dr. Wolfgang Hafner, Leiter der Abteilung Klima‐ und Umweltschutz, präsentierte in der heutigen Pressekonferenz die wichtigsten Ergebnisse zu der Studie: Man geht von einem Klimaszenario aus, das in etwa 30 Jahre dauert. Im letzten Klimaszenario (von 1981 bis 2010) hatte Klagenfurt um die 20 Hitzetage (= Tage, an denen es über 30 Grad hat), werden keine Maßnahmen gesetzt, wird es im nächsten Szenario (2071 bis 2100) im Zentrum der Stadt rund 60 Hitzetage geben! Das hätte neben gesundheitlichen Folgen in der Bevölkerung, auch negative Folgen auf die Vegetation (Austrocknung, anschließender Starkregen mit drohenden Murenabgängen etc.) – alle detaillierten Ergebnisse sind auf der Projektwebsite unter https://www.adapt‐uhi.org/ ersichtlich.

Die Studie zeigt somit eindeutig: Es müssen Maßnahmen gesetzt werden! Folgende Möglichkeiten zur Verbesserung wurden evaluiert:

  • Rückstrahlung von Gebäuden erhöhen (weiße, helle Oberflächen
    verringern den Hitzeanstieg)
  • Mehr entsiegelte Flächen (sickerfähige Flächen)
  • Mehr Grünflächen (auch auf Dächern)
  • Mehr Wasserflächen
  • Mehr Bäume pflanzen

Temperaturen könnten steigen

Eine Kombination dieser Maßnahmen würde bereits aus heutiger Sicht (rund 20 Hitzetage im Jahr) eine Reduktion von 10 Hitzetagen bewirken – „Sieht man sich künftige Szenarien an, könnten wir von 60 auf 30 Tage reduzieren“, erklärt Dr. Wolfgang Hafner. „Setzen wir keine Maßnahmen, werden wir bis zum Jahr 2100, Temperaturen wie heute in Barcelona, Rom oder Istanbul in Klagenfurt haben“, so Hafner. „Klagenfurt hat über 100.000 Einwohner, ist dicht verbaut, daher war das Projekt ADAPT‐ Urban Heat Islands eine sehr wichtige wissenschaftliche Untersuchung, die uns für weitere Handlungsfelder fit macht“, bestätigt Umweltreferent Stadtrat Frank Frey. Die Handlungsempfehlungen aus dem Projekt ADAPT – Urban Heat Islands sind Teil der Smart City Strategie und werden bei aktuellen Projekten wie in Harbach oder An der Walk bereits berücksichtigt. Ein weiteres Projekt führt die Stadt gemeinsam mit der HTL 1 und den Stadtwerken durch: Es werden Maßnahmen zur Verbesserung des Raumklimas im Schulgebäude gesetzt (die Glasfassade an der HTL 1 hat beispielsweise im Sommer extrem hohe Raumtemperaturen, dass die Räume nicht genützt werden können).

Stadt fordert Änderung in der Kärntner Bauordnung

„Die Studie von ADAPT‐ Urban Heat Islands fasst in Zahlen, was wir schon lange spüren. Wir müssen Maßnahmen setzen und zwar jetzt. Daher muss die Behörde künftig die Möglichkeit erhalten über Auflagen klimaangepasste Bauweisen vorzuschreiben“, erklärt Bürgermeisterin Dr. Maria‐Luise Mathiaschitz gemeinsam mit Umweltreferent Stadtrat Frank Frey. Die geplanten Gesetzesänderungen und das vom Land Kärnten verfolgte Ziel zur Verwaltungserleichterung in der Kärntner Bauordnung werden von der Stadt grundsätzlich befürwortet. „Darüber hinaus regen wir dringend an, der Thematik des Klimawandels und der damit in Zusammenhang stehenden Erwärmung Rechnung zu tragen – in dem insbesondere Maßnahmen betreffend Grünausstattung, naturräumliche Aspekte und Beschattung eine stärkere Berücksichtigung finden“, so die Bürgermeisterin und verweist auf den §18 Absatz 4 der Kärntner Bauordnung, in dem das Thema Klimaschutz und Klimawandel nicht vermerkt sind. Daher wird die Stadt Klagenfurt ein Schreiben an das Land Kärnten verfassen, in dem angeregt wird, dass die Kärntner Bauordnung einen Zusatz erhält, in dem Behörden künftig Klimaschutzvorgaben gesetzlich vorschreiben können.

Informationen für die Bevölkerung

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes zielt auch auf die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung ab. Dazu wird im Herbst der „MUGLI‐Container“, eine mobile Ausstellung zu dem Thema Hitzeinseln und Klimaerwärmung, in Klagenfurt Station machen. Vom 14. Oktober bis 5. November gastiert der Container auf dem Neuen Platz. Ein eigener Workshop für Bauträger, Architekten und Planer wird am 15. Oktober zum Thema „Bauwerksbegrünung“ stattfinden.

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