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Für Addendum wirft die Wirksamkeit des Kärntner Desinfektionsmittels
Für Addendum wirft die Wirksamkeit des Kärntner Desinfektionsmittels "Wasseralm" einige Fragen auf. © 5min.at

Kritik von Rechercheplattform:

Wirkt Kärntner Desinfektions­mittel „Wasseralm“ wirklich?

Klagenfurt/Österreich – In der aktuellen Situation sollte man sich so oft wie möglich die Hände waschen. Auch das Mitführen von Desinfektionsmitteln ist ratsam, wenn man mit anderen Personen in Kontakt kommt. Ein Kärntner Unternehmen brachte daher "Wasseralm" auf den Markt. Dabei soll es sich um ein neues und innovatives Hand-Desinfektionsmittel handeln. Die Rechercheplattform Addendum sieht das jedoch anders.

 6 Minuten Lesezeit (791 Wörter) | Änderung am 29.06.2020 - 12.28 Uhr

In Wölfnitz bei Klagenfurt entstehen seit der Corona-Krise täglich Tausende Liter eines, laut Herstellern, „innovativen“ Mittels zur Desinfektion: „Wasseralm“ kommt ohne Alkohol aus und soll verlässlich auch gegen Viren und Bakterien wirken, heißt es seitens CRD (Carinthian Research & Developement GmbH). „Wasseralm“ besteht zu 99,7 Prozent aus Wasser, der Wirkstoff des Mittels ist Chlor. Dadurch sei das Mittel gut verträglich für die Haut. Angeboten wird „Wasseralm“ bei Kärntner und Osttiroler Spar-Fillialen und österreichweit in Interspar-Fillialen.

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Das Hand-Desinfektionsmittel „Wasseralm“ ist bei Spar in Kärnten und Osttirol und österreichweit bei Interspar erhältlich. - © 5min.at

Addendum wirft kritische Fragen zum Produkt auf

Die Rechercheplattform Addendum veröffentlichte vor kurzem einen Bericht über das Kärntner Desinfektionsmittel. Darin wird jedoch starke Kritik an dem Produkt geübt. So sei der Hersteller CRD zwar bei der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP) als Desinfektionsmittel gelistet, jedoch betreffe die Listung nur die ebenfalls von CRD angebotenen Flächendesinfektionsmittel. Addendum beruft sich dabei auf eine Aussage von Miranda Suchomel vom Institut für Hygiene und angewandte Immunologie an der Medizinischen Universität Wien. Das in den kleinen 100ml-Fläschchen angebotene Hände-Desinfiktionsmittel sei jedoch dort nicht gelistet. Eine Zertifizierung nach EN 1500 für hygienische Hande-Desinfektion habe das Produkt nicht.

Falsche Versprechungen auf der Flasche?

Addendum sieht das Hauptproblem bei den „Wasseralm“-Fläschchen bei der Bezeichnung als Hand-Desinfektionsmittel. Diese ist auch groß auf den Fläschchen abgedruckt. Das sei aber, laut dem Addendum-Bericht, ein Problem, da es sich bei dem Mittel nicht um ein Desinfektionsmittel handle. Auf der Flasche zu lesen ist: „Geprüft nach EN 1499“. Unter dieser Nummer würden aber lediglich Produkte für „hygienische Händewaschung“ und keine Desinfektionsmittel gelistet. Der Unterschied zwischen einer Hand-Desinfektion und einer hygienischen Händewaschung ist, dass die Anforderungen an die Wirksamkeit geringer sind. So seien Mittel zur hygienischen Händewaschung zwar immer noch viel wirksamer als Seife und Co., würden aber nicht die Wirksamkeit von Hand-Desinfektionsmitteln erreichen.

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Laut der Flasche ist Wasseralm zu 100% selbst abbaubar. - © 5min.at

Nach Benutzung Hände waschen, oder nicht?

Wie dem Addendum-Bericht zu entnehmen ist, ist für die Anwendung von Mitteln, die als „hygienische Händewaschung“ zertifiziert sind, Wasser erforderlich. Laut dem Prüfbericht der EN 1499 sei das Abspülen des Mittels erforderlich, auf der 100ml-Flasche ist davon jedoch nichts zu lesen. Dort steht geschrieben: „Wasseralm ist eine auf hexagonalem Wasser basierende Hände-Desinfektion, die keinen Alkohol enthält und sich zu 100 % selbst abbaut.“

Stellungnahme vom Hersteller CRD

Im Hinblick auf den von Addendum veröffentlichten Artikel meldet sich auch der Hersteller von Wasseralm zu Wort. In einer Stellungnahme auf dessen Website ist zu lesen: „Vorweg ist festzuhalten,  dass die WASSERALM in den letzten Monaten bereits mehrfach falschen Behauptungen, die von Mitbewerbern gezielt im Markt und gegenüber Behörden gestreut wurden, erfolgreich  entgegengetreten ist. Insofern überrascht es uns nicht, dass hier offensichtlich auch Medien wie   Addendum gezielt instrumentalisiert werden, um der WASSERALM als Mitbewerberin zu schaden. Addendum hat SPAR und die WASSERALM kurz vor der Veröffentlichung des Artikels kontaktiert und  um eine  Stellungnahme gebeten. Unser Rechtsanwalt hat Addendum ausführlich geantwortet und  auch sämliche Gutachten zu unseren Desinfektionsmitteln zur Verfügung gestellt. Diese sind auf unserer Website vollständig verfügbar und bestätigen ausdrücklich die bakterizide und viruzide  Wirksamkeit unserer Hände-und Flächendesinfektionsmittel.“

CRD: „Wirksamkeit wurde bei Prüfung nicht beanstandet.“

Weiters heißt es in der Stellungnahme: „Unser Rechtsanwalt hat Addendum auch darauf hingewiesen, dass die Entwicklung und Zulassung der WASSERALM-Produkte in enger Abstimmung mit der WKO und der zuständigen Aufsichtsbehörde erfolgt ist. Im Rahmen einer behördlichen Prüfung im Mai 2020 wurden sämtliche Gutachten hinsichtlich der bakteriziden und viruziden Wirksamkeit der Hände- und Flächendesinfektion vorgelegt und von der Aufsichtsbehörde nicht beanstandet.“ Das Mittel sei, laut dem Hersteller, neben EN 1499 auch nach den Prüfnummern EN 16777 und EN 14476 zertifiziert und somit als Desinfektionsmittel eingestuft. Laut dem Addendum-Bericht seien beide Prüfnummern aber kein Garant für die Wirksamkeit als Hände-Desinfektionsmittel.

CRD kritisiert Berichterstattung

Als „völlig verzerrt“ wertet CRD die Kritik der Rechercheplattform an der ÖGHMP-Listung. In der Stellungnahme heißt es, die Listung sei kein gesetzliches Erfordernis für die Produktion und den Vertrieb von Desinfektionsmitteln im Lebensmittelhandel. CRD: „Diese Listung ist nur ein zusätzliches Erfordernis, um an bestimmte (andere) Abnehmergruppen verkaufen zu können. Kurz gesagt: Ob eine ÖGHMP-Listung vorliegt, sagt absolut nichts über die Zulässigkeit und Wirksamkeit des jeweiligen Desinfektionsmittels aus. Auch darauf wurde von unserer Seite mehrmals hingewiesen. Wer den Artikel in Addendum liest, bekommt aber (fälschlicherweise) den Eindruck vermittelt, ohne ÖGHMP-Listung wäre ein Desinfektionsmittel generell unzulässig.“

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