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© pixabay

Gedenktag der Drogentoten

Leserbrief: „An meine Freundin, die viel zu früh diese Welt verlassen musste“

Klagenfurt – Der rührende Leserbrief einer jungen Klagenfurterin erreichte uns heute zum "Gedenktag der Drogentoten". Sie selbst verlor eine gute Freundin auf diese Weise. Kommentare von außenstehenden Personen machen sie traurig. "Ich verstehe nicht wieso kaum jemand sagt ,,Tut mit leid für das Mädchen‘‘ oder einfach ,,Mein Beileid den Angehörigen‘‘. Wie üblich wird mit verletzenden Unwahrheiten um sich geworfen, bevor irgendjemand mal ein Quäntchen Mitgefühl zeigen würde", schreibt die junge Frau.

 5 Minuten Lesezeit (710 Wörter) | Änderung am 21.07.2020 - 23.22 Uhr

Heute, am 21. Juli, gedenkt man den ,,Drogenverstorbenen‘‘. Diesbezüglich erreichte uns ein rührender Leserbrief. Eine junge Klagenfurterin nimmt darin Abschied von ihrer guten Freundin, die den Drogen zum Opfer fiel. „Was für die breite Masse gefundenes Material ist, um sich wieder einmal blind aufzuregen, ist schlicht und einfach eine Tragödie“, schreibt die Klagenfurterin. Mit dem Brief möchte sie den Menschen bewusst machen, dass es sich bei den Opfern um viel mehr handelt als ,,Drogentote Nummer x‘‘, sondern das dahinter, wie bei jedem Todesfall, trauernde Angehörige und Freunde stehen, die nun einen wichtigen Menschen in ihrem Leben vermissen.

Leserbrief:

Hey Misa*,

ich weiß, dass du diese Zeilen nie wieder lesen wirst und doch möchte ich sie schreiben. Es ist inzwischen schon Monate her, seit du nicht mehr bei uns bist. Zuerst konnte ich nicht glauben, dass du nicht mehr lebst. Irgendwann kamen mit der Erkenntnis die Tränen und mit der Endgültigkeit die Trauer. Nun sitze ich hier, höre ,,The A-Team‘‘ von Ed Sheeran, weil es mich an dich erinnert und versuche meine Gefühle in Worte einzuschließen und sie für dich und mich festzuhalten.

Ich weiß nicht, ob du sterben wolltest. Ich weiß nicht ob es ein Unfall war, oder ob du dir deiner Handlungen bewusst warst. Ich hoffe, da wo du jetzt bist geht es dir besser. Ich hoffe du weißt, dass du geliebt wurdest. Es fällt mir schwer, daran zu denken, dass du mich nie wieder anstrahlen und meinen Namen rufen wirst. Es fällt mir schwer, zu wissen, dass du nie wieder auf mich zustürmen wirst, um mich zu umarmen. Es fällt mir schwer, eine Freundin wie dich gehen zu lassen. Du hast immer an das Gute geglaubt, auch wenn dir der Rest der Welt dir das Gegenteil beweisen wollte. Du warst ein außergewöhnlicher Mensch und du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Heute, am 21. Juli, gedenkt man den ,,Drogenverstorbenen‘‘. Ich möchte dich nicht so in Erinnerung behalten, aber ein großer Teil der restlichen Welt tut es leider. ,,Drogentote gefunden‘‘, ,,Schon wieder eine Drogentote‘‘, ,,Drogentote Nummer x‘‘. Was für die breite Masse gefundenes Material ist, um sich wieder einmal blind aufzuregen, ist schlicht und einfach eine Tragödie. Ich kann dir gar nicht sagen, wie traurig mich die Reaktionen auf deinen Tod gemacht haben. Ein Mädchen ist so kaputt vom Leben, dass sie keinen anderen Ausweg mehr weiß, als in eine Welt zu flüchten, die sie am Ende umbringt.

,,Sie ist selber schuld‘‘, meinen die Leute. Kannst du dir das vorstellen? Und dabei haben sie dich nicht einmal gekannt. ,,Scheiß Süchtler‘‘, bezeichnen dich die Leute in den Kommentaren zu Zeitungsartikeln. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gedacht, ich habe keine Tränen mehr und doch haben mich diese Kommentare zum Weinen gebracht. ,,Das passiert, wenn sich niemand um solche Leute kümmert‘‘, kommentieren sie und vergessen, dass deine Freunde und deine Familie so etwas mitten ins Herz trifft. Ich verstehe nicht wieso kaum jemand sagt ,,Tut mit leid für das Mädchen‘‘, ,,Es sollte mehr Suchtberatungen geben‘‘, oder einfach ,,Mein Beileid den Angehörigen‘‘. Aber wie üblich wird nicht nach einer Lösung gesucht, sondern das Problem wird ausgeschlachtet. Wie üblich wird mit unüberlegten, verletzenden Unwahrheiten um sich geworfen, bevor irgendjemand mal ein Quäntchen Empathie oder Mitgefühl zeigen würde.

Ich für meinen Teil, möchte heute besonders an dich denken. An meine Freundin, die viel zu früh diese Welt verlassen musste. Ich möchte auch allen anderen gedenken, die nur wenige Geburtstage in ihrem Leben feiern konnten, weil ihre Sucht sie letztendlich besiegt hat. Ich denke an sie und an alle ihre Angehörigen. Ich hoffe aber auch auf eine Veränderung. Ich hoffe in Zukunft müssen Betroffene nicht mehr selbst kämpfen. Ich hoffe wir helfen ihnen zu kämpfen und zwingen die Sucht gemeinsam in die Knie. Für dich, liebe Misa*, hoffe ich, dass nun alle Last von deinen kleinen, schmalen Schultern abgefallen ist und dass du es dir gut gehen lässt, wo auch immer du sein magst.

In Liebe,

eine Freundin die dich sehr vermisst.

*Name von der Redaktion geändert

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