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Politik - Kärnten
Landesrat Sebastian Schuschnig und KR Michael Heilmann beim ersten Kärntner Wasserstoffgipfel.
Landesrat Sebastian Schuschnig und KR Michael Heilmann beim ersten Kärntner Wasserstoffgipfel. © LPD Kärnten/Fritz

Landesrat Schuschnig im Interview

Schuschnig: „Bei Wasserstoff kommt etwas Großes auf Kärnten zu“

Kärnten – Für morgen hat die Landesregierung die Präsentation eines europaweit führenden Wasserstoff-Projekts für Mobiltät und Industrie angekündigt. Wir haben Landesrat Sebastian Schuschnig dazu im Interview befragt.

 7 Minuten Lesezeit (870 Wörter)
Geht es nach der Bundesregierung, soll Österreich zur „Wasserstoff-Nation Nummer 1″ werden. Sie setzen bereits seit 2019 in Kärnten auf Wasserstoff. Auch die Deutschen investieren Milliarden in denselben Forschungsschwerpunkt und haben konkrete Produktionsziele. Wie können wir da überhaupt noch mithalten?

Landesrat Sebastian Schuschnig: Wir müssen das Thema breiter denken. Die Energiewende und der Klimaschutz werden in erster Linie ein gemeinsames Europäisches Projekt sein. Österreich steht nicht mit Deutschland in Konkurrenz, vielmehr kämpfen wir als Europa weltweit um die Innovationsführerschaft. Denn Klimaschutz und nachhaltige Energie sind auch wirtschaftlich relevant. Die EU hat vor kurzem eine Wassertstoffstrategie mit einem milliardenschweren Fonds beschlossen. Insgesamt sollen bis zu 140.000 Jobs in diesem Bereich angestoßen werden. Davon müssen wir in Kärnten profitieren und vorne dabei sein! Daher arbeite ich daran, Kärnten zu einer Modellregion für grünen Wasserstoff zu machen. Kärnten produziert bereits jetzt einen Großteil der Energie aus nachhaltigen Quellen wie Wasserkraft und Sonnenkraft. Wir haben beste Voraussetzungen, vorne dabei zu sein.

In den letzten Jahren wurden Unsummen an staatlichen Förderungen für den Bereich Photovoltaik und Elektromobilität aufgebracht. Fast alle Automobilhersteller rüsten zunehmend auf Elektro um. Sind wir mit einer Wasserstoff-Initiative, die zweifelsohne wiederum Millionen an Förderungen braucht, nicht am falschen Weg oder drehen uns gar im Kreis?

Schuschnig: Im Gegenteil, das eine greift in das andere und ist kein Widerspruch. Wasserstoff ist der logische nächste Schritt, um Industrie und Verkehr zu ökologisieren. Im Verkehr gehört dem Elektroantrieb die Zukunft. Die spannende Frage wird aber sein, in welcher Form die Energie für den elektrischen Antrieb gespeichert wird. Da bietet uns Wasserstoff viele Chancen. Um den jedoch klimaneutral zu produzieren, brauchen wir grüne Stromquellen, wie eben auch Photovoltaik. Und zu den Kosten: Ja, es wird uns etwas kosten. Aber zu sagen, wir waren bisher gut unterwegs und lehnen uns nun zurück, ist für mich keine Option. Wir müssen doch zusehen, dass auch weiterhin Zukunftstechnologien im Land aufgebaut werden und wir nicht ins Hintertreffen gelangen, oder?

Bedeutet das, dass es künftig sowohl den Elektroantrieb als auch den Wasserstoffantrieb geben könnte?

Schuschnig: Ja, denn auch das Wasserstoffauto ist ein Elektroauto, nur eben ohne Batterien. Akkus sind in der Herstellung und in der Entsorgung eine große Belastung für die Umwelt. Zusätzlich kommt die lange Ladezeit. Das alles fällt beim Wassersoffantrieb weg. Für Kärnten sehen wir die Chancen von Wasserstoff vor allem bei Bussen. Denn je schwerer die Fahrzeuge, umso größer und schwerer müssen auch die Batterien sein. Da macht Wasserstoff mehr Sinn. In Zukunft wird es, da sind sich die führenden Experten einig, einen breiten Mix an Antriebstechnologien geben. Für Busse, bei LKW und sogar bei Zügen macht Wassertsoff absolut Sinn, auch bei größeren Fahrzeugen wird es spannend. Bei Kleinwägen wird wohl aufgrund des besseren Wirkungsgrades weiterhin der Akku eingesetzt werden.

Um im Individualverkehr mit Wasserstoff eine breite Masse anzusprechen, braucht es auch ein Angebot. Aktuell gibt es keine einzige Wasserstofftankstelle in unserem Bundesland. Wie soll das funktionieren?

Schuschnig: Wir arbeiten daran, dass auch in Kärnten schon bald die erste Wasserstofftankstelle eröffnet werden kann. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt. Und wir denken offen darüber nach, ob wir nich im Busverkehr künftig auf Wassertsoff setzen. Denn bis 2030 muss der gesamte Busverkehr CO2-neutral sein, da gibt es eine EU-Vorgabe.

Energieexperten sehen in der Wasserstoffwirtschaft einen Umweg. Aufgrund der hohen Energieverluste bei der Herstellung schlagen viele vor, gleich auf Strom zu setzen. Was entgegnen Sie diesen?

Schuschnig: Der Knackpunkt ist die Speicherung von grünem Strom. Wir haben bereits bei der Energieeffizienz und der nachhaltigen Stromproduktion viel geschafft, aber für die Speicherung von Stromspitzen brauchen wir neue Technologien. Hier kommt Wasserstoff ins Spiel. Wir produzieren derzeit so viel Energie aus nachhaltigen Quellen in Kärnten, dass einiges davon ungenutzt bleibt. Wenn wir diese Stromspitzen nutzen, um durch Elektrolyse grünen Wasserstoff herzustellen, können wir Energie, die sonst verloren geht, speichern. Wenn wir nur auf Akkus setzen, wird es nicht ausreichen.

Wenn Kärnten die Modellregion für Wasserstoff sein soll, woher beziehen wir dann den Wasserstoff überhaupt oder wären wir im Stande „vor Ort“ zu produzieren?

Schuschnig: Das ist die Vision. Daran arbeiten wir derzeit mit Partnern. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald die Produkltion von Wasserstoff in Kärnten schaffen. Wichtig ist aber, dass es grüner Wasserstoff ist und keine fossilen Energiequellen genutzt werden. Wir haben viele Wasserkraftwerke im Land, warum soll dort nicht direkt auch Wasserstoff produziert werden?

Bleiben wir bei der Wasserstoff-Modellregion Kärnten. Wann wären wir hier annähernd so weit, dass es herzeigbare Ergebnisse gibt und wieviel soll das alles kosten?

Schuschnig: Mein Ziel ist es, grünen Wasserrstoff in Kärnten zu produzieren und sowohl im Busverkehr als auch in der Industrie einzusetzen. Diese Kombination wäre europaweit führend. Wir haben dafür beim Wasserstoffgipfel im vergangenen Jahr gemeinsam mit der renommierten Forschungsgesellschaft HyCentA mit siebzehn Unternehmen eine Projektpartnerschaft begründet. Morgen werden wir das erste Projekt daraus der Öffentlichkeit präsentieren. Da kommt etwas Großes auf uns zu!

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