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Wirtschaft - Kärnten
Visualisierung: So ist die neue Tankstelle geplant.
Visualisierung: So ist die neue Tankstelle geplant. © KK

Europaweit führendes Projekt

In Villach ist die 1. Wasserstoff­tankstelle Kärntens geplant

Kärnten – Am heutigen Montag, dem 27. Juli, stellte die Landesregierung ein europaweit führendes Wasserstoff-Projekt für Mobilität und Industrie vor. Das Projekt "H2Carinthia" soll Kärnten an die europaweite Führungsposition bei klimaneutraler Energie bringen.

 6 Minuten Lesezeit (773 Wörter) | Änderung am 27.07.2020 - 21.26 Uhr

Das Konzept  „H2Carinthia“ steht für die zweifache Nutzung von grünem Wasserstoff in Kärnten.  Wirtschafts- und Mobilitätslandesrat Mag. Sebastian Schuschnig erklärte heute Abend, dass durch das Projekt Kärnten in eine europaweite „absolute Führungsposition“ käme, was die Verwendung von Wasserstoff im Bereich der Mobilität und in der Industrie angeht. Dabei wurden auch konkrete Schritte vorgestellt.

Gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Magnus Brunner und VertreterInnen der Unternehmen Infineon Austria, OMV, Postbus und VERBUND wurde am Montagabend ein europaweit einzigartiges Projekt präsentiert, das den Startschuss für eine „Wasserstoff Modellregion Kärnten“ setzt. Ebenso unterzeichneten heute alle Partner einen letter of intent – also ein Bekenntnis zu grünem Wasserstoff.

H2Carinthia – Europaweit einzigartige Projektvision startet

Jedes Jahr werden weltweit mehr als 600 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff als Rohstoff für zahllose Anwendungen und Verfahren in Industrie und Technik gewonnen. Mit H2Carinthia – einem Projektverbund der Projekte H2Pioneer und ReHyB – soll künftig aus nachhaltiger Energie durch Elektrolyse erzeugter, grüner Wasserstoff, doppelt genutzt werden. Sowohl in der industriellen Mikrochip-Produktion bei Infineon in Villach, als auch anschließend für die Betankung von Fahrzeugen – insbesondere von Bussen in der Region Villach soll er zum Einsatz kommen. „Kärnten kann mit H2Carinthia die erste Region werden, in der die zweifache Nutzung von grünem Wasserstoff Realität werden könnte“, gibt LR Sebastian Schuschnig bekannt.

Infineon: Wasserstoff für die Chipproduktion

Wasserstoff wird als Träger- und Prozessgas in der Halbleiterfertigung verwendet. Bisher erfolgt die Versorgung mit Flüssigwasserstoff, der aus fossilen Rohstoffen hergestellt und mittels LKWs nach Villach angeliefert wird. Steigende Fertigungsvolumina sowie die Einführung neuer Halbleitertechnologien führen zu einem steigenden Wasserstoffbedarf bei Infineon Austria. Grüner Wasserstoff wird bei höchsten Reinheitsanforderungen, unter Berücksichtigung der entsprechenden ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen vor Ort, mittels erneuerbarer Energiequellen („grüner Strom“) erzeugt. Zudem soll damit auch die Versorgungssicherheit für die Chipherstellung von Infineon am Standort Villach erhöht werden. Dr. Thomas Reisinger Vorstand der Infineon meint, dass die Infineon bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden möchte.

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Als Partner arbeiten mit dem Land Kärnten für H2Carinthia Verbund, Infineon, OMV und Postbus zusammen.

Als Partner arbeiten mit dem Land Kärnten für H2Carinthia Verbund, Infineon, OMV und Postbus zusammen. - © KK

Wasserstoff doppelt nutzbar

Bislang wurde der bei Infineon in Villach eingesetzte Wasserstoff fachgerecht entsorgt. Die Energie des Wasserstoffs ging damit ungenutzt verloren. Durch ein Folgeprojekt wird nun evaluiert, wie dieser Wasserstoff für eine zweite Nutzung verwendet werden kann. Dafür starten nun die Planungen für das Projekt „ReHyB“ (Reuse of Green Hydrogen for Bus Applications). Ziel ist es, den in der Produktion eingesetzten grünen Wasserstoff nach dem Produktionsprozess auszukoppeln und zu einer PSA-Anlage (Druckwechseladsorption) auf der Wasserstofftankstelle zu führen. Dort erfolgt die Aufreinigung des Wasserstoffs, der anschließend gemäß höchsten Qualitätsanforderungen zum Betanken von Fahrzeugen eingesetzt werden kann. Diese effektive und klimaneutrale Doppelnutzung ist europaweit einzigartig.

Erste Wasserstoff-Tankstelle für Kärnten

Voraussetzung für den Einsatz von doppelt genutztem grünen Wasserstoff in der Mobilität ist eine Betankungsanlage vor Ort. Die OMV betreibt österreichweit derzeit bereits fünf Wasserstoff-Tankstellen. Geht es nach der Vision von H2Carinthia, so soll auch eine neue Tankstelle in Villach, in der Nähe von Infineon, angedacht werden. Durch die Errichtung einer 350 bzw. 750 bar Tankstelleninfrastruktur können Busse, PKWs und LKWs vor Ort betankt werden. In der ersten Ausbaustufe kann so die Voraussetzung geschaffen werden, den Betrieb von 15 Wasserstoff-Bussen im Raum Villach zu ermöglichen. In der zweiten Ausbaustufe kann die Infrastruktur für die Betankung von weiteren Wasserstoff-Bussen sowie PKWs und kommunalen Nutzfahrzeugen erweitert werden. In der dritten und letzten Ausbaustufe ist die Betankung für den LKW-Verkehr geplant.

Busverkehr kann mit Wasserstoff versorgt werden

Die Wasserstoffmobilität erzeugt keine Emissionen von Lärm, Schadstoffen oder Treibhausgasen. Gemeinsam mit Postbus, dem größten Busunternehmer Österreichs, soll in H2Carinthia die Umstellung einer gesamten Verkehrsregion auf wasserstoffbetriebene Busse möglich gemacht werden. Mit rund 300 Kilogramm aufgereinigtem grünen Wasserstoff können rund 3.750 Buskilometer pro Tag gefahren werden. Das wären bis zu 1,5 Millionen klimaneutrale Kilometer im Jahr. Das Projekt könnte im Endausbau den gesamten Busverkehr im Kärntner Zentralraum klimaneutral machen.

Erzeugung von grünem Wasserstoff auch bei Wasserkraftwerken möglich

Wasserstoff hat auch darüber hinaus eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten, um die Energiewirtschaft in Richtung Klimaneutralität zu gestalten. VERBUND gibt daher im Rahmen des Pressefoyers bekannt, die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Kärnten in Verbindung mit den Wasserkraftwerken zu prüfen.

*Portraits und Visualiserungen (c) Julia Gruber

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