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Leute - Klagenfurt
Regina musste nach einer schweren Krankheit ihren Beruf als Journalistin aufgeben. Durch das Häkeln hat sie sich zurück ins Leben gekämpft.
Regina musste nach einer schweren Krankheit ihren Beruf als Journalistin aufgeben. Durch das Häkeln hat sie sich zurück ins Leben gekämpft. © Stippich/KK

Auf die Wolle gekommen:

Nach schwerer Krank­heit: Regina häkelt sich zurück ins Leben

Klagenfurt – Eine Idee, ein Wollknäuel und eine Häkelnadel und schon kann es los gehen! Nach einer schlimmen Krankheit ist Häkeln für Regina Schwarzfurtner Therapie und Leidenschaft gleichermaßen. Sie bringt ihre Kreativität durch selbst gefertigte Stücke zum Ausdruck. Wir haben ihr dabei über die Schulter geschaut.

 5 Minuten Lesezeit (711 Wörter) | Änderung am 21.09.2020 - 10.39 Uhr

Für ihre mit Liebe gefertigten Einzelstücke braucht Regina keine Anleitung. Die 47-jährige ehemalige Journalistin denkt sich anhand des Materials, in das sie sich, wie sie selbst sagt, verliebt hat, ein Projekt aus. Oft sind es Handtaschen, aber auch Pullis, Röcke, Shirts, Kleider, Mützen, Loops, Kissenhüllen, Teppiche, Kleidung für Babys und Kleinkinder oder Deko. „Zuerst gibt es nur eine grobe Skizze und dann lege ich auch schon los“, erklärt das Häkeltalent.

Durch Krankheit zur Berufung

„Ich bin im Jahr 2014 sehr krank geworden und musste in der Folge auch meinen Beruf als Journalistin aufgeben“, erinnert sich die Klagenfurterin. „Eine Freundin hat mir damals einen Korb mit Häkelgarn und eine Nadel vorbeigebracht, damit ich mir die Langeweile vertreiben kann“, schmunzelt sie. Der Korb blieb wochenlang unberührt, aber irgendwann einmal hat Regina dann doch einen Versuch gewagt und gemerkt, dass ihr das Hantieren mit Garn und Wolle Ruhe und Kraft gibt. „Also habe ich angefangen vieles auszuprobieren“, beschreibt sie. Anfangs entstanden vorwiegend Mützen, später dann auch Kleider für die Töchter von Freunden und Verwandten und letztendlich auch Handtaschen – ihre große Leidenschaft. „Und weil das Kind einen Namen brauchte, habe ich mein Label (designed & handmade by REGINA) gegründet und ein Kleingewerbe angemeldet“, zeigt sich das Multitalent stolz.

Häkeln als Therapie

„Ich wollte schon als Kind schreiben und Journalistin werden und bin diesem Beruf auch fast 20 Jahre lang mit großer Leidenschaft nachgegangen. Das Schicksal hat dann mein Drehbuch umgeschrieben“, sagt Regina. „Da ich immer noch mit meiner Erkrankung zu kämpfen habe, ist das Häkeln nach wie vor in erster Linie eine Art Therapie für mich. Jetzt ist es mein Traum einmal meinen Lebensunterhalt damit bestreiten zu können.“

Schritt für Schritt

„2017 habe ich dann mit dem Schreiben von Anleitungen begonnen“, erklärt Regina. „Ich häkle ein Modell, schreibe jeden Arbeitsschritt mit und fotografiere. Daraus entsteht nicht nur ein fertiges Modell, sondern auch eine Anleitung in der beschrieben wird, wie andere das gute Stück für sich selbst umsetzen/häkeln können“, so die Mutter von zwei Söhnen. „Auf Facebook betreibe ich eine eigene Häkelseite, auf der ich meine Entwürfe zeige.“ Ab und an häklet Regina auch Einzelstücke auf Auftrag. „Dafür muss ein Kunde allerdings in Kauf nehmen, dass meine Kreativität die erste Geige spielt und ich Platz für meine eigenen Ideen brauche“, lacht sie. Seit 2018 häkelt Regina zweimal pro Woche in Workshops mit Gleichgesinnten in Kärntens größtem Wollfachgeschäft Wolle Wohlgemuth in Maria Saal.

Die Wolle zieht sich durch ihr Leben

„Meine Familie ist ein wichtiger Teil meines Schaffens, weil sie mich ermutigt, inspiriert und tapfer alles mitmacht, was mir in den Sinn kommt. Das geht vom Klagenfurter Häkelmarathon, bei dem wir einen 33 Meter langen Schal für den Lindwurm gehäkelt haben, bis hin zu schlaflosen Nächten, die ich dann an der Häkelnadel verbringe“, lächelt die Klagenfurterin. Da Regina vorwiegend zu Hause arbeitet, lässt sich ihr Dasein als Häkel- und Woll-Junkie gut mit ihrer Familie vereinbaren. „Mein Mann unterstützt mich bei allem, was meiner Seele gut tut und meine Söhne sind ungewollt echte Profis, beraten mich und sind zugleich auch meine schärfsten Kritiker.“

„Häkeln macht süchtig!“

Kreativität kennt viele Formen. Früher war es bei Regina das geschriebene Wort, heute ist es die gehäkelte Masche. „Die intensive Beschäftigung mit etwas, das Freude bringt und Kraft gibt, ist immer richtig“, meint sie. „Gerade in Zeiten wie diesen, da man sich zwangsläufig auf das häufigere Zuhausesein und das Einschränken von sozialen Kontakten einlassen muss, ist das Ausleben und Erleben eines Hobbys einfach nur Balsam für die Seele.“ Außerdem ist es dem Häkeltalent wichtig mit einem Vorurteil aufzuräumen: „Häkeln ist kein bisschen verstaubt oder altmodisch…im Gegenteil: Es liegt voll im Trend und gibt dir die Möglichkeit mit jeder Masche deine eigene Persönlichkeit auszudrücken. Aber Vorsicht: Es macht süchtig!“

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