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Leben - Kärnten
Die Pflege darf nicht zum Pflegefall werden: Caritasdirektor Sandriesser (2.v. li.) mit
Bewohnerin Anna Strieder, Pflegefachkraft Christine Sadnek und den Bereichsleiter*innen
Rössler-Merlin (4. v. li), Wernig und Hude (links).
Die Pflege darf nicht zum Pflegefall werden: Caritasdirektor Sandriesser (2.v. li.) mit Bewohnerin Anna Strieder, Pflegefachkraft Christine Sadnek und den Bereichsleiter*innen Rössler-Merlin (4. v. li), Wernig und Hude (links). © Johannes Leitner/Caritas

Lösung für Personalnotstand gesucht

Pflegekampagne: „Es braucht mehr als nur Applaus“

Kärnten – Kärntens Caritasdirektor Ernst Sandriesser fordert Lösungen für den Personalnotstand und das Schließen von Betreuungslücken in der Pflege.

 4 Minuten Lesezeit (525 Wörter) | Änderung am 18.09.2020 - 07.21 Uhr

Not sehen und handeln: Das ist das Motto der Caritas. In ihrem größten Bereich – der Pflege und Betreuung – unterstützt sie jährlich rund 1.100 Menschen zu Hause und in ihren neun Pflegewohnhäusern in Kärnten. Rund 350 Pflegekräfte betreuen professionell und warmherzig alte und kranke Menschen mobil und stationär. Caritasdirektor Ernst Sandriesser fordert nicht nur für sie, sondern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege von der Bundesregierung mit der zügigen Fortsetzung der Pflegereform nachhaltige Strukturen zur Attraktivierung ihres Arbeitsumfeldes, weil: „Es gilt sicherzustellen, dass die Pflege nicht selbst zum Pflegefall wird. Die Heldinnen und Helden der Corona-Krise benötigen mehr als nur Applaus. Es braucht jetzt dringend Schritte, die die Rahmenbedingungen in ihrem Berufsalltag verbessern.“

Personalmangel als Ursache für erschwerte Arbeitsbedingungen

Donata Rössler-Merlin, Caritas-Bereichsleiterin für Stationäre Betreuung und Pflege, nennt Beispiele: „Die Lösung des Pflegekräftemangels duldet keinen Aufschub mehr, denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit. Es braucht ausreichend Zeit für Supervision, Team- und Fallbesprechungen und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Außerdem sollte niemand nachts alleine in einem Wohnbereich oder auf einer Station arbeiten müssen.“ Die Frauen und Männer in der Pflege würden diesen Beruf ausüben, weil sie gerne mit Menschen arbeiten. „Mit dem Personalmangel ist aber nicht selten auch zu wenig Zeit für den Beziehungsaufbau zu den pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen“, weiß Rössler-Merlin aus dem Pflege-Alltag.

Abschaffung der Ausbildungskosten

Während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen auch in Kärnten weiter steigt, rechnen Expert*innen in den kommenden Jahren mit einem Rückgang von familiärer Betreuung und einen damit einhergehenden zusätzlichen hohen Bedarf an Pflegekräften. „Wir benötigen ausreichend qualifizierte Mitarbeiter*innen, um die immer mehr werdenden pflegebedürftigen Menschen auch weiterhin gut pflegen und betreuen zu können“, schlägt Caritasdirektor Sandriesser in dieselbe Kerbe. Er fordert vom Land die Anhebung des Pflegeschlüssels, die Abschaffung von Schulgeld und Studiengebühren, die finanzielle Anerkennung von Zusatzqualifikationen, wie gerontopsychiatrische Spezialisierungen, und die Abgeltung der Pflichtpraktika für Studierende der Schulen für Sozialbetreuungsberufe. Wilfried Hude, Bereichsleiter der Caritas-Schulen: „Diese müssen während ihrer Ausbildung sechs Monate kostenlos praktizieren. Das bringt viele an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten. Eine Entschädigung zumindest in der Höhe, wie sie Lehrlinge bekommen, würde beim Abfedern
helfen!“

Mobile Angebote ausbauen

Neben der Personalfrage sieht die Caritas die Bundesregierung vor allem dann gefordert, wenn es um die stärkere Unterstützung der pflegebedürftigen Menschen selbst und um die Entlastung pflegender Angehöriger geht. Sandriesser: „In Kärnten soll jeder Mensch, die für sie oder ihn passende Form der Betreuung und Pflege erhalten können.“ Es brauche unter dem Motto „mobil vor stationär“ mehr Angebote in der mobilen Pflege sowie mehrstündige Unterstützungs- und Entlastungsdienste, mehr Kurzzeitpflege, Tageszentren und teilstationäre Einrichtungen. Da sich die Angebote in Betreuung und Pflege in den Bundesländern hinsichtlich Kosten, Leistungen etc. gravierend unterscheiden, spricht sich der Caritasdirektor für einheitliche Standards vom Boden- bis zum Neusiedlersee aus.