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Wirtschaft - Kärnten
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Trotzdem Auswirkungen spürbar:

Firmen­insolvenzen trotz Corona auf „historischem Tiefstand“

Kärnten – Die aktuelle Situation bringt für viele Unternehmen, egal ob groß oder klein, wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Trotzdem sind die Insolvenzanträge in den letzten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark zurückgegangen, wie der Alpenländische Kreditorenverband heute informiert. Es gibt jedoch auch düstere Vorboten.

 5 Minuten Lesezeit (611 Wörter)

Der Alpenländische Kreditorenverband, AKV Europa, veröffentlichte am heutigen Montag, dem 19. Oktober, die Insolvenzstatistik der ersten drei Quartale von 2020. Durch staatliche Gegenmaßnahmen (Stundungen, keine Insolvenzantragstellungen seitens der öffentlichen Hand oder die Corona-Kurzarbeit) konnten seit März 2020 österreichweit die Insolvenzen nicht nur eingedämmt werden, sondern die Anzahl der eröffneten Firmeninsolvenzen wurde in den letzten Monaten sogar mehr als halbiert.

Firmeninsolvenzen auf „historischem Tiefstand“

Die eröffneten Firmeninsolvenzen von zuletzt österreichweit 120 Verfahren pro Monat bewegen sich aktuell auf „einem historischen Tiefstand“, wie der AKV Europa berichtet. Gegenüber dem Vorjahr haben die eröffneten Firmeninsolvenzen in ganz Österreich um ein Drittel (- 34,98 %) abgenommen. Durch die Corona-Kurzarbeit konnten Insolvenzen größerer und mittlerer Unternehmen, die durch die Pandemie betroffen sind, vorerst vermieden werden. Dem entgegengestellt stiegen die Gesamtpassiva und die Anzahl der gefährdeten Arbeitsplätze in ganz Österreich jedoch „exorbitant an“.

Lage in Kärnten

Der AKV Europa veröffentlichte heute, neben den Österreich-Zahlen, auch eine detaillierte Aufschlüsselung der Kärntner Insovlenzanträge: Dabei wurde festgestellt, dass auch in Kärnten die staatlichen Maßnahmen (Stundungen und keine Insolvenzantragstellung von öffentlicher Hand) zur Eindämmung einer Insolvenzwelle beitragen, denn es liegt auch hier das Insolvenzaufkommen weit unter einem Normaljahr.

Von 216 auf 170 Verfahren in drei Quartalen

Die Gesamtfirmeninsolvenzen, die eröffneten Verfahren sowie die mangels Masse abgewiesenen Verfahren, sind von 216 in den ersten drei Quartalen 2019 auf 170 Verfahren, somit um 21,3 %, zurückgegangen. Beim Landesgericht Klagenfurt wurden bis zum 30. September 2020 insgesamt 90 Firmeninsolvenzen eröffnet (im Jahr 2019 – 110), dies bedeutet ebenso einen ungefähren Rückgang von 20 % (exakt – 18,18%).

Mehr Dienstnehmer von Insolvenzen betroffen

Die Gesamtpassiva haben sich dabei jedoch nicht proportional reduziert. Während sich die Passiva in den ersten drei Quartalen 2019 auf rund EUR 66,5 Mio. Euro beliefen, zählen die Passiva in den ersten 3 Quartalen 2020 rund EUR 63,7 Mio. Euro. Markant ist dabei, dass mehr Dienstnehmer in den ersten 3 Quartalen 2020 von Insolvenzen betroffen sind, nämlich 464 Dienstnehmer, während im Vergleichszeitraum 2019 389 Dienstnehmer in Insolvenzen involviert waren. Da die Corona-Kurzarbeit insolventen Unternehmen nicht gewährt wird, mussten diese Unternehmen geschlossen werden und überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze gingen verloren.

Großinsolvenzen „kaum coronabedingt“

Tatsächlich glückten in den letzten Monaten nur wenige Sanierungen in Insolvenzverfahren. Seit dem Lockdown am 16. März 2020 wurden 53 Firmen – meist Klein- und Mittelbetriebe – insolvent, davon nennen rund 35 % die coronabedingte Maßnahmen als Insolvenzgründe. Die im heurigen Jahr eröffneten Großinsolvenzen waren kaum „coronabedingt“. 60 % der eröffneten Firmeninsolvenzen wurden seit dem Lockdown mittels Eigenantrag eröffnet. Auch in Kärnten zeichnet sich ein Bild ab, dass viele Unternehmenspleiten auf die lange Bank geschoben werden. Viele von Insolvenzen gefährdete Unternehmen werden von den Stundungen und mangelnder Antragstellung der öffentlichen Hand „einstweilen“ verschont, jedoch schwindet durch das lange Zuwarten die Hoffnung auf Sanierungen und Erhalt von Arbeitsplätzen.

Weniger Privatinsolvenzen durch Lockdown

Der Rückgang um 17,21 % von 523 (1.-3.Quartal 2019) auf 433 eröffneten Privatinsolvenzen in den ersten 3 Quartalen 2020 ist, laut dem AKV Europa, ausschließlich auf den Lockdown und die Schließungen des Gerichtsbetriebes und der Schuldnerberatungsstellen von Mitte März bis Ende April 2020 zurückzuführen. Das Privatinsolvenzaufkommen verzeichnet derzeit einen 1-monatigen Rückstand bei Insolvenzantragstellungen. Die mangels Masse abgewiesenen Privatkonkurse gingen von 42 (1.-3.Quartal 2019) auf 22 im Vergleichszeitraum 2020 zurück, somit um 47,62%. Die Passiva im Bereich der Privatinsolvenzen haben sich von EUR 67,7 Mio in den ersten 3 Quartalen 2019 auf rund EUR 73 Mio (1.-3.Quartal 2020) relativ stark erhöht. Daher stieg auch die Durchschnittsverschuldung in Kärnten von EUR 129.507,00 (2019) auf EUR 168.600,00 an.

Anstieg von verschuldeten Haushalten erwartet

Die hohe Arbeitslosenquote, die laut Einschätzung des AMS auch über 2021 erhalten bleibt, und der bevorstehenden Kündigungswellen lässt einen Anstieg der verschuldeten Haushalte erwarten. Der Bedarf an Schuldenregulierungen wird sich daher erhöhen.

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