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Leute - Kärnten
Interview
© Pixabay

Interview mit einer Expertin

„Mein Kind wird gemobbt“: Was kann ich tun?

Kärnten – Das Thema Mobbing ist leider alltäglich. Auch wir hören und schreiben immer wieder darüber. Am schönsten ist es, wenn wir berichten können, dass es ein Happy End gibt. Dies ist aber leider nicht immer der Fall. Wir haben mit Eva Raunig, einer Expertin auf diesem Gebiet, über die wichtigsten Fragen gesprochen.

 4 Minuten Lesezeit (597 Wörter) | Änderung am 26.10.2020 - 09.12 Uhr

Eva Raunig arbeitet seit 15 Jahren im Sozialbereich. Seit längerer Zeit ist sie auch als Familienintensivbetreuerin bei der Praxis Querkopf tätig. Im Rahmen ihrer Arbeit unterstützt sie Familien bei diversen Herausforderungen. Sie hat mit uns ausführlich über das Thema Mobbing gesprochen.

Ab wann nennt man „Ärgern“ eigentlich Mobbing?

Mobbing scheint heutzutage fast ein Modewort zu sein. Daher finde ich es wichtig vorab eine Definition von Mobbing anzuführen. Das Wort Mobbing leitet sich von dem englischen Wort „to mob“ ab und bedeutet bedrängen, anpöbeln, attackieren, angreifen. Mobbing unterscheidet sich von normalen Konflikten dadurch, dass es gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum mit der Absicht jemanden auszugrenzen betrieben wird.

Was macht Mobbing mit einem Kind?

Die Kinder fühlen sich meist einfach nur hilflos. Heutzutage ist es oft so, dass sich Lästereien und dergleichen nicht nur auf das Klassenzimmer beschränken, sondern vermehrt auch online und in sozialen Netzwerken abspielen und somit nicht nach dem Schulschluss enden. Die Symptomatik bei Kindern, die von Mobbing betroffen sind, kann so unterschiedlich und individuell sein, wie jeder Mensch einzigartig ist. Symptome können sowohl physisch (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, etc.), wie auch psychisch sein (Nervosität, Schlaflosigkeit, etc.).

Wie erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?

Es ist nicht immer einfach zu erkennen, ob ein Kind gemobbt wird. Es ist auch oft so, dass Kinder lange darüber schweigen. Wichtig ist, dass man jede Verhaltensveränderung, die einem bei seinem Kind auffällt, genau beobachtet. Es gibt einige Anzeichen, die darauf schließen lassen können, dass ein Kind gemobbt wird:

Anzeichen, dass ein Kind gemobbt wird

  • Das Kind erkrankt auf unerklärliche Weise immer öfter
  • Veränderung des Essverhaltens (Appetitlosigkeit, übermäßiges Essen, selektives Essen)
  • Veränderung des Schlafverhaltens
  • Veränderung des Verhaltens (zurückziehen, reizbar, nachdenklich, traurig, etc.)
  • Verschlechterung der Schulleistungen (Hausübungen werden vergessen, Arbeitsaufträge nicht gemacht/verstanden, etc.)
  • Vermeidung des Kontaktes zu anderen Kindern
Was kann ich dagegen tun?

Es ist normal, dass ein Kind, welches gemobbt wird, es nicht zugibt und verneint, wenn man es darauf anspricht. Es kann auch sein, dass das Kind aggressiv darauf reagiert, wenn man konsequent nachfragt, trotzdem ist es unabdinglich, dass man immer wieder das Gespräch mit dem Kind über dieses Thema sucht, wenn man den Verdacht hat, dass sein Kind gemobbt wird. Immer wieder behutsam und verständnisvoll nachfragen, ohne Druck aufzubauen und das Kind spüren und wissen lassen, das man da ist und auch Lösungsstrategien hat.

An wen kann ich mich wenden?

Das Wichtigste ist es, dem Kind richtig zuzuhören und dass man ihm das Gefühl gibt, dass es mit dir über alles offen reden kann. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass das Kind gemobbt wird, ist unverzüglich Kontakt zu Schule oder anderen Einrichtungen für das Wohl von Kindern herzustellen um eine Lösung zu finden.

Kann man Mobbing verhindern? Wenn ja, wie?

Es gibt kein Patentrezept, dass man Mobbing vermeiden kann, jedoch gibt es einige präventive Maßnahmen, die es verhindern können, dass es dazu kommt. Eine Erziehung und ein Miteinander, das von Vertrauen, Wertschätzung und angemessener Grenzsetzung geprägt ist, trägt zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins des Kindes bei, das nicht auf die Kosten anderer geht. Diese Stärkung der Ich-Identität des Kindes unterstützt das Kind dabei, mit Herausforderungen (Problemen), auch mit Konflikten in der Schule, erfolgreicher und lösungsorientiert umzugehen. Auch Gespräche, mit Lehrern, Freunden und Eltern der Freunde sind wichtig und hilfreich um zu erfahren, wie es dem Kind geht.

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