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Leute - Kärnten
© Pixabay/ KK

Interview mit einer Expertin

Familien in Zeiten von Corona: „Das größte Problem ist die Angst“

Kärnten – Wir alle haben es in der heutigen Zeit oft nicht einfach. Besonders Familien stehen vor einigen Herausforderungen. Nun wurde eine Gruppe ins Leben gerufen die helfen soll. Wir haben mit Gründerin Heidi Krammer gesprochen, um mehr über die Thematik "Familien und Corona" zu erfahren.

 4 Minuten Lesezeit (510 Wörter) | Änderung am 27.10.2020 - 11.27 Uhr

Die Villacherin Heidi Krammer ist selber Mama von sechs Kindern. Außerdem ist sie diplomierte Elternbildnerin sowie diplomierte Trainerin für Mobbing- und Gewaltprävention. Ihr ist während der letzten Monate aufgefallen, dass es wenig Angebote oder Ansprechpartner für Eltern gibt. So hat sie kurzerhand eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Elterntraining und Elternbildung Villach“ gegründet. „Ich möchte für die Eltern da sein, Halt und Unterstützung anbieten und manchmal auch nur zuhören ohne zu urteilen“, erklärt sie ihre Idee dahinter. Wir haben sie zur Problematik „Familien und Corona“ befragt und einiges dazugelernt.

Welche Herausforderungen müssen Familien derzeit meistern?

Die Herausforderungen für Familien sind im Moment mehr als anspruchsvoll. Der Druck ist enorm und es gibt nirgendwo echte Unterstützung. Eltern müssen gleichzeitig organisieren, bangen, trösten, erklären, Hoffnung geben, Perspektiven schaffen, Bedürfnisse von Kindern unbefriedigt lassen, Traurigkeit aushalten, Halt geben. Der Stress steigt durch all diese Faktoren immens. Dieser Stress macht krank. Die Eltern, die Kinder und die Beziehung zueinander.

Mit welchen Fragen müssen sich Eltern auseinandersetzen?

Jeder Tag ist eine Herausforderung. Ist es morgen noch so wie heute geplant? Kann ich morgen arbeiten gehen oder brauch ich Betreuung für ein Kind das in Quarantäne muss? Darf die Oma das Kind beaufsichtigen? Darf es zum Papa? Die Kinder brauchen Halt und Sicherheit, Menschen, denen sie vertrauen können. Kinder brauchen Strukturen um sich zurechtzufinden.

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem?

Das wohl größte Problem ist die Angst. Und Unsicherheit. Ich glaube aber, dass Ängste nicht nur für Eltern und Familien ein großes Thema sind. Angst ist so allgegenwärtig geworden. Angst vor Krankheit, Angst andere anzustecken, Angst vor der Zukunft, der Gegenwart, Angst vor Strafen, vor anderen Menschen, Angst um geliebte Menschen, Angst vor Kontrollen, Angst vor Diskriminierung aufgrund einer Krankheit. Die Angst ist überall. In den Familien leider ebenso.

Wie kann man die Familien unterstützen?

Mit einem Lächeln für die Kinder, einem netten Wort, einer lieben Geste. Eigentlich sollten wir das sowieso viel öfter so machen. Freundlichkeit macht die Last gleich ein wenig einfacher zu tragen. Den Menschen, die es sich einfach machen und Eltern schnell verurteilen möchte ich sagen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist und dass jede Familie anders ist, jede hat andere Werte und andere Prägungen. Auch möchte ich diesen Menschen mitgeben, dass auch sie ein Vorbild für Kinder sind. Wir müssen den Abstand körperlich zwar einzuhalten, aber menschlich enger zusammenzurücken.

Was möchtest du den Eltern mitgeben?

Eltern stoßen an ihre Grenzen und das ist auch erlaubt. Man dürfen überfordert sein. Es ist einfach sich in den sozialen Medien durch Pauschalisierungen und den dargestellten eigenen Perfektionismus hervorzutun, die Realität sieht aber anders aus. Lasst euch nicht in Schubladen zwängen. Ihr macht das gut so wie ihr es macht. Lasst euch nicht verunsichern und durch übergriffige Aussagen Fremder schwächen. Starke Kinder brauchen starke Eltern und die seid ihr.

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