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© Montage Pixabay/KK

Diplomkrankenschwester über aktuelle Situation:

Covid-19 im Pflegeheim: „Maßnahmen belasten uns massiv!“

Kärnten – Viele Berufsgruppen stehen aktuell wegen dem zweiten Lockdown vor großen Herausforderungen. Gerade im Gesundheitsbereich stoßen einige an ihre Grenzen, wie der Erfahrungsbericht einer Diplomkrankenschwester, die in einem Kärntner Pflegeheim arbeitet, zeigt. Wir haben mit der Kärntnerin über die aktuellen Herausforderungen gesprochen.

 10 Minuten Lesezeit (1227 Wörter)

Die Kärntner Diplomkrankenschwester Bibiane Laser sorgte vor kurzem mit einem Erfahrungsbericht, den sie auf Facebook teilte, für Aufsehen. Über 1.700 Mal wurde der Beitrag der Kärntnerin bereits auf der Social-Media-Plattform geteilt. Darin beschreibt sie die Herausforderungen, mit denen Personen im Pflegebereich aktuell zu kämpfen haben und die Auswirkungen der Regierungs-Maßnahmen auf ihren Beruf.

„Bin mehr als erschöpft“

Im Gespräch mit 5-Minuten erzählt Laser, die seit 21 Jahren als Diplomkrankenschwester arbeitet und mit Leib und Seele in einem Kärntner Pflegeheim tätig ist: „Seit dem zweiten Lockdown bin ich nicht nur erschöpft, sondern jetzt auch schon ernsthaft am überlegen, ob der Beruf, den ich so sehr liebe, auf Dauer für mich tragbar ist.“ Laser bezieht sich dabei auf die aktuellen Corona-Maßnahmen, die in den Kärntner Pflegeheimen gelten. Diese würden ihren Beruf zur Zeit nicht nur extrem anstrengend machen, sondern außerdem eine Gefahr sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner der Heime, als auch für ihr privates Umfeld darstellen.

„Personalnotstand gehört schon zum Alltag“

Doch schon vor der Corona-Pandemie habe es in der Pflege Probleme gegeben, die in der aktuellen Situation besonders schwer zu tragen kämen, so Laser. Sie erklärt: „Meine Kollegen und ich reißen uns Tag für Tag für wenig Geld den A**** auf, um den Pflegeheim-Bewohnern professionell helfen zu können. Personalnotstand gehört ja sowieso schon zum Alltag, weil verabsäumt wurde, dafür zu sorgen, genug Kollegen auszubilden und Rahmenbedingungen zu schaffen, die unseren Beruf attraktiver machen.“

Die Situation im ersten Lockdown

Während des ersten Lockdowns in Österreich sei das Pflegeheim, in dem Laser arbeitet, „sofort dicht gemacht“ worden, wie die Kärntner Diplomkrankenschwester im Gespräch mit 5-Minuten erzählt. Niemand sei rein oder raus gekommen, außer dem Personal. Für Laser und ihre Kollegen bedeutete das zwar „viel mehr Arbeit“, aber für die Kärntner Krankenschwester seien diese Maßnahmen „sinnvoll“ gewesen, wie sie erklärt. „Ich habe damals gerne in Kauf genommen, bei 80 Bewohnern täglich zweimal Fieber zu messen und dies auch zu dokumentieren, zusätzlich zu dem was wir ohnehin leisten müssen. Weil es unser aller Sicherheit gedient hat. Es war weder für die Bewohner, noch für deren Angehörigen und schon gar nicht für uns Pflegende leicht.“

Zweiter Lockdown: „Hier wird mit Menschenleben gespielt!“

Die Situation im aktuellen zweiten Lockdown habe sich jedoch stark verschlechtert. Laser: „Hier wird nicht nur mit Menschenleben und Hochrisikopatienten gespielt, hier werden Pflegekräfte wirklich an die Grenzen der psychischen und physischen Belastung gebracht und darüber hinaus.“ Aktuell sei es nämlich Besuchern, unter strengen Auflagen, gestattet, in die Pflegeheime zu kommen. „Und das bei Zahlen, die deutlich höher sind als beim ersten Lockdown“, so Laser kritisch. Sie verstehe zwar die menschliche Seite und dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner gerade jetzt über Besuch freuen, aber die aktuellen Regelungen würden neben den Pflegeheim-Bewohnern auch das Pflegepersonal und deren Umfeld in Gefahr bringen. Im Pflegeheim, in dem Laser arbeitet, gebe es zwar noch keinen Corona-Fall, jedoch kritisiert die Diplomkrankenschwester: „Wenn es dann einen Fall gibt, wird die Schuld sicher bei dem Pflegepersonal oder der Leitung des Heims gesucht.“ In Wirklichkeit seien jedoch die Besucher und die Pflegeheim-Bewohner, die außerhalb des Heims die Maske abnehmen würden, eine größere Gerfahr.

„Müssen Schutzmasken 12 Stunden ohne Pause tragen“

Die Schutzkleidung, die für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeheimen aktuell Vorschrift ist, ist für Laser einer der größten Kritikpunkte an den aktuellen Corona-Maßnahmen. Laser: „Wir müssen in den Pflegeheimen 12 Stunden durchgehend ffp2 Masken ohne Filter zu tragen. Im Netz steht aber, dass nach 75 Minuten mit dieser Maske eine 30 Minuten Pause vorgesehen ist.“ Da es generell nicht genug Personal in den Pflegeheimen gibt, so Laser, seien die Pausen „natürlich nicht einhaltbar“. Sie kritisiert: „Dann kommt auf einmal jemand daher und bestimmt eben mal so, dass 12 Stunden mit dieser Maske völlig OK sind.“ Nach nur drei Stunden mit einer Schutzbrille bekomme Laser aber bereits Druckstellen an der Nase und Kopfschmerzen. Das Tragen der Schutzmasken erschwere die oft körperlich anstrengende Arbeit zusätzlich. Laser fordert daher ein anderes Konzept für das Tragen der Schutzmasken in Pflegeheimen.

„Schutzmasken müssen mehrere Tage getragen werden“

Ein zusätzlicher Kritikpunkt, auf den Laser aufmerksam machen möchte, ist, dass die Schutzmasken in vielen Kärntner Pflegeheimen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehrere Tage hintereinander getragen werden müssen. „In dem Pflegeheim, in dem ich arbeite, ist das zwar nicht der Fall, aber viele Kollegen haben mir bereits davon berichtet, dass sie dazu angehalten sind, die Schutzmasken aufgrund von Sparmaßnahmen mehrfach zu benutzen. Das ist hygienisch in der aktuellen Situation nicht verantwortbar!“

„Man wartet bis zu zehn Tage auf Testergebnisse“

Ein großes Problem sieht Laser auch bei den Corona-Testungen im Privatbereich. Während in den Pflegeheimen bei Corona-Verdacht Schnelltests durchgeführt werden, müssten Privatpersonen und Angehörige der Pflegekräfte oft bis zu zehn Tage auf ein Testergebnis warten. Gerade wenn man im Gesundheitsbereich arbeite, sei es wichtig, dass die Angehörigen auch rasch getestet werden, so Laser.

„Privates Umfeld wird in Gefahr gebracht“

Dass die Testergebnisse so lange auf sich warten lassen, sei für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeheimen auch aufgrund ihres privaten Umfeldes ein großes Problem. Wie Laser erklärt, hätten viele von ihnen zuhause Kontakt mit Risikopatienten, wie etwa den Eltern oder, im Fall von Laser, ihrem Sohn, der seit frühester Kindheit lungenkrank ist. Um ihren Sohn zu schützen habe die Kärntnerin während des ersten Lockdowns mit einem gepackten Koffer im Kofferraum gelebt. „Ich wusste, wenn es losgeht, kann ich nichtmehr nach Hause und dort das Risiko eingehen, mein Kind anzustecken. Das hat mich unglaublich belastet“, so Laser.

„Wenn sich nichts ändert, werden die ersten Kündigungen folgen“

„Wir arbeiten jeden Tag in einem sehr verantwortungsvollen Beruf, in dem es um Menschenleben geht. Die Regierung lässt uns nun aber alle mit Maßnahmen in Stich, die zumindest teilweise nicht mehr nachzuvollziehbar sind und die uns massiv belasten“. Laser sieht großen Handlungsbedarf, denn sie selbst und viele ihrer Kollegen seien bereits komplett erschöpft. „Wenn sich an der aktuellen Situation nichts ändert, werden in den Kärntner Pflegeheimen reihenweise Krankenstände und Kündigungen reinflattern„, so die Diplomkrankenschwester. Ihre Forderung: „Sucht bessere und andere Lösungen für den Pflegebereich, damit wir weiter unsere Arbeit weiterhin gut und gewissenhaft leisten können. Testet uns regelmäßig, führt ein verantwortungsvolles Contact Tracing durch und macht die Pforten der Heime dicht, damit wir irgendwann wieder unter Bedingungen arbeiten können, die erträglicher sind!“ Viele würden vergessen, „welcher physischen und psychischen Belastung“ Pflegekräfte tagtäglich ausgesetzt sind.

„Kann natürlich auch die menschliche Seite verstehen“

Für die Kärntner Diplomkrankenschwester sei es, neben der geäußerten Kritik, aber auch wichtig, zu betonen, dass sie auch die Angehörigen von Pflegeheim-Bewohnern versteht, die in die Heime zu Besuch kommen. Auch dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes über den Besuch riesig freuen, stehe außer Frage. Trotzdem gehe es bei dem Thema um Menschenleben und eine Schließung der Heime für Besucher würde in der aktuellen Situation die Sicherheit der Bewohner und des Personals stark erhöhen.

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