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Normalerweise ist der 3,5-Jährige ein richtiges Energiebündel, doch seit 19 Tagen ist er kaum wiederzuerkennen - müde, kraftlos und lustlos.
Normalerweise ist der 3,5-Jährige ein richtiges Energiebündel, doch seit 19 Tagen ist er kaum wiederzuerkennen - müde, kraftlos und lustlos. © Privat

Seit 19 Tagen zu Hause

Kind (3,5) an Corona erkrankt: „Es geht ihm gar nicht gut!“

Bleiburg – Seit 19 Tagen durchlebt eine Familie in Bleiburg eine Situation, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte. Der 3,5-jährige Sohn hat sich vermutlich im Kindergarten mit Covid-19 angesteckt. "Er ist so müde und schlapp, dass er gar nicht raus möchte", erzählt die Mutter. Sie möchte die Menschen wachrütteln: "Bitte nehmt den Virus ernst!"

 10 Minuten Lesezeit (1203 Wörter) | Änderung am 19.11.2020 - 10.06 Uhr

Seit 19 Tagen spielt sich bei der Familie aus Bleiburg das gesamte Leben in den eigenen vier Wänden ab, und das nur, weil sie die ersten Symptome ernst genommen haben. „Wer weiß, wen wir bis zur behördlichen Quarantäne alles angesteckt hätten“, schildert uns die Mutter im 5 Minuten Interview.

Quarantäne-Verordnung dauerte zu lange

Angefangen haben die Symptome bei ihrem 3,5-jährigen Sohn mit Husten, Gliederschmerzen, nächtlichem Fieber und Kopfschmerzen. „Dazu kam dann Schnupfen und der Husten wurde stärker“, so die Bleiburgerin. Den Verdacht, dass es sich um Corona handeln könnte, hatte die Familie dann drei Tage später, als plötzlich vom Kindergarten der Anruf kam, dass es Verdachtsfälle gäbe. Zwei Tage später kam der Anruf, dass die zwei Personen positiv wären und nun alle Kinder getestet werden. „Erst jetzt wurde die Gruppe gesperrt“, ärgert sich die Mutter. „Manche Kinder waren also noch zwei Tage länger im Kindergarten und auch sonst wo unterwegs, wo sie andere hätten anstecken können.“

Coronatest verlief positiv

Es vergingen weitere zwei Tage bis die Familie dann den Code für den Coronatest bekommen hat. Die nette Dame vor Ort zauberte dem kranken Kind, das kurz davor im Auto munter geworden war, ein Lächeln ins Gesicht und machte den Test erträglicher. Mit den Worten „Das war ja nur ein langes Wattestäbchen“, zeigte der kleine Patient einmal mehr, wie tapfer er ist. „Auf das Ergebnis haben wir dann wieder drei Tage gewartet, sprich am Tag 10 vom Tag X“, sagt die Mutter. „Zum Glück hatte ich den Kleinen schon davor zu Hause gelassen. Er war vier Tage vor den ersten Symptomen zum letzten Mal im Kindergarten, weil davor die Herbstferien waren und auch mein großer Sohn frei hatte. Getestet wurde er dann im Endeffekt eine Woche nach seinen ersten Symptomen.“

Auch Eltern positiv getestet

Am Tag der Testung des Kinders haben sich auch die Eltern bei der Corona-Hotline gemeldet. „Am selben Abend und die Tage darauf wussten auch wir, dass wir infiziert waren, obwohl wir noch nicht getestet waren“, schildert die Bleiburgerin. Bei beiden waren Geschmacks- und Geruchssinn verschwunden. „Meine Lungen brannten, ich bekam Husten und zwischendrin war auch die Luft eher knapp bemessen.“ Zwei Tage später wurden auch die Eltern getestet. „Fünf Tage später haben wir dann unser Ergebnis bekommen, das wie erwartet auch positiv war.“ Trotz aller Überforderung bei den Ämtern und Teststationen, beschreibt die Mutter die Mitarbeiter als sehr bemüht und freundlich.

„Er ist ständig müde“

„Seit den ersten Symptomen ist er so müde, dass er am liebsten nur vorm Fernseher liegen würde. Dann hat er wieder ein totales Hoch, danach einen Schweißausbruch und er wird wieder sehr müde“, beschreibt die Mutter. „Wenn wir dann ab und an vors Haus gehen, um ein bisschen Luft zu schnappen, möchte er sofort wieder reingehen. Er ist sehr müde und kraftlos. Einmal ist er sogar im Sitzen eingeschlafen!“ Sein „Zuzi“ und sein Kuscheltier sind dabei seine ständigen Begleiter und schenken ihm Trost. „Er jammert ganz oft nach dem Essen über Bauchschmerzen. Dann tun ihm mal die Füße weh, mal der Kopf. Der Husten ist mal besser, mal schlechter. Er bekam auch einen Ausschlag an den Achseln und  angeschwollene Lymphknoten. Dieses Virus ist wie ein Chamäleon, man weiß nie was als Nächstes kommt.“

Seit 19 Tagen zu Hause

Um den Kleinen ein Stückchen Normalität zu ermöglichen, ist die Familie „am Martinstag am Balkon ein paar Schritte mit seiner Laterne aus der Krabbelstube vom Vorjahr spaziert.“ Doch auch dabei wurde er schnell müde. „Für seine nicht mal 4 Jahre versteht er schon recht gut, dass er nicht raus darf. Ich denke, für ein gesundes Kind ist die Quarantäne weit schlimmer“, meint die Mutter. „Er hat noch nicht ein Mal gefragt, wann darf er wieder raus darf, und das, obwohl seit dem Tag X, als er krank wurde, mittlerweile 19 lange Tage vergangen sind.“

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Ein Stückchen Normalität: Mit der Martinslaterne auf dem Balkon.

Ein Stückchen Normalität: Mit der Martinslaterne auf dem Balkon. - © Privat

„Er vermisst seinen großen Bruder“

„Mein größerer Sohn (6) war an dem Wochenende, an dem die Symptome bei seinem kleinen Bruder anfingen, zum Glück mit seinem Papa in den Bergen“, sagt die Mutter, die stolz auf ihre gut funktionierende Patchwork-Familie ist. „Sein Hauptwohnsitz ist bei seinem Vater und so musste er nicht in Quarantäne und darf derweil bei ihm bleiben“, erklärt sie. „Wir alle vermissen den Großen sehr. Ich bin aber heilfroh, dass er gesund ist und einen fürsorglichen Papa hat“, so die Bleiburgerin. Der Vater ist selbst Lehrer und im Distance-Learning und kümmert sich nebenher noch um das Home-Schooling seines Sohnes. „Vor allem der Kleine vermisst seinen Bruder sehr, weil er ja außer uns beiden Erwachsenen, keinen zum Spielen hat.“ Meistens sei der Bub aber so müde, dass er gar keine Lust zu Spielen hat. „Wir telefonieren viel, manchmal auch via Videotelefonie und plaudern durch die gekippte Fensterscheibe, wenn sein großer Bruder mit dem Papi was vor die Tür stellt.“

Gesundheit geht vor

„Ich musste mein kleines Geschäft schon tagelang vor dem Lockdown schließen, weil ich aus Rücksicht vor den anderen daheim geblieben bin, obwohl ich dies laut Gesetz noch nicht mal musste“, beschreibt die Bleiburgerin. „Ich weiß nicht, wie ich ohne das Weihnachtsgeschäft überleben soll, wie so viele andere kleine Läden auch – aber im Moment zählt nur, dass wir alle gesund werden! Gesundheit ist alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“

„Corona wird nicht ernst genommen“

Die erste Reaktion ihrer Mama, der Oma des Kleinen, war: „Ich hätte nie gedacht, dass ihr das bekommt!“ Und genau das spiegelt sich nach Meinung der Bleiburgerin in der Gesellschaft wider. „Viele denken, es wird sie nie betreffen. Manche glauben sogar, das Virus existiere gar nicht. Oder Kinder können Corona eh nicht bekommen“, ärgert sie sich. „Erst wenn sie selbst erleben werden, dass es eine Herausforderung sein kann, fünf Stufen zu bewältigen, dann aber auch erst dann, werden sie anders denken und da sind wir noch weit von einem Krankenhausaufenthalt oder Intensivbett entfernt!“

„Von Hilfsbereitschaft ist nichts geblieben“

„Die Menschen machen sich lächerlich über Postings zum Thema Spätfolgen und Müdigkeit, dabei haben sie keine Ahnung“, zeigt sich die Mutter wütend. „Die Leute haben Angst davor, zu Hause bleiben zu müssen. Viele haben uns gebeten, sie bloß nicht als Kontaktperson anzugeben. Einige laufen mit Symptomen herum und sind sich der Gefahr nicht bewusst, dass sie andere anstecken könnten. Wir haben in diesen Tagen so viel mitbekommen, was mich wütend macht und zugleich enttäuscht. Von der Hilfsbereitschaft vom Frühjahr, von der Nächstenliebe, von der Stille, ist nichts geblieben! Es gibt nur Schuldzuweisungen. Die Politik wird schlecht geredet, aber dadurch verschwindet das Virus auch nicht. Jeder Einzelne von uns hat es selbst in der Hand, in dem er sich an des hält, was auch im Frühjahr schon einmal funktioniert hat, nur so können wir dieses Chamäleon (den Virus) besiegen.“

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