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Oberst Gottlieb Türk, BA freute sich mit Chefinspektor Siegfried Katholnig und Chefinspektor Wolfgang Patscheider stellvertretend für alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen über die Auszeichnung.
Oberst Gottlieb Türk, BA freute sich mit Chefinspektor Siegfried Katholnig und Chefinspektor Wolfgang Patscheider stellvertretend für alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen über die Auszeichnung. © LPD Kärnten

Kärntner Polizisten als "Kriminalisten 2020" geehrt

Sie klärten den Fall des „okkulten Trios“ und wurden zu Helden

Kärnten/ Wien – Die kriminelle Palette von drei Frauen aus dem Bereich Villach reichte vom Betrug, über Brandstiftung mit Millionenschaden bis hin zum Mord. Sie wurden in den Medien als „okkultes Frauentrio“ bekannt, im Herbst wurde ihnen der Prozess gemacht. Überführt wurden sie von Kärntner Kriminalisten, die im Oktober dafür in Wien als „Kriminalisten 2020“ geehrt wurden.

 3 Minuten Lesezeit (467 Wörter) | Änderung am 19.11.2020 - 08.46 Uhr

Der Sachverhalt könnte aus einem Kriminalroman stammen: Der Leichnam des Mordopfers war bereits zur Beerdigung freigegeben, als die nun ausgezeichneten Kriminalisten Ungereimtheiten entdeckten. Sie tauchten dazu während ihrer Ermittlungen in die bizarre Welt eines okkulten Zirkels ein, dessen Führerin es verstand, ihre Anhängerinnen so zu manipulieren, dass diese selbst vor schweren Verbrechen nicht zurückschreckten. Letztendlich konnte wohl einer der spektakulärsten Fälle der Kärntner Kriminalgeschichte geklärt werden.

Der „perfekte Mord“ wäre beinahe geglückt

Das vorgebliche „Sprachrohr Gottes“, wie sich die charismatische Haupttäterin Margit T. selbst bezeichnete, wurde jedoch von sehr irdischen Motiven getrieben. Sie brauchte Geld für ihre Spielsucht und lockte so ihre Opfer insgesamt Beträge in Millionenhöhe heraus. Auf dieser Suche nach Vermögen brachte sie auch eine betagte, alleinstehende Kärntnerin dazu, sie in ihrem Testament als Haupterbin einzusetzen. Die angedrohte Enterbung wurde dann jedoch zum Todesurteil für die über 70-jährige Frau. Margit T. beauftragte eine ihrer Anhängerinnen die Frau zu erwürgen. Der „perfekte Mord“ wäre beinahe geglückt, denn bei der Auffindung des Leichnams deutete alles auf einen natürlichen Tod hin.

Keinerlei Spuren und wenig Hinweise

„Alle Türen und Fenster waren ordnungsgemäß versperrt bzw. verschlossen“, erzählt Chefinspektor Hans Tosin, damals Leiter der Fahndungsgruppe im Landeskriminalamt. Es habe keinerlei Spuren eines Kampfes oder Ähnliches gegeben. Nachbarn hätten in den vergangenen Jahren lediglich „seltsame Freundinnen“ bei der nun Toten ein und ausgehen gesehen. Unter anderem auch die vom Opfer als „Ziehtochter“ bezeichnete Margit T.

In letzter Sekunde

Eine bedeutsame Wendung erhielt die Geschichte, als bekannt wurde, dass gegen eben jene „seltsamen Freundinnen“ und die „Ziehtochter“ bereits wegen Betrugsverdachts ermittelt wurde. Die Leichenfreigabe wurde in letzter Sekunde zurückgezogen – eine Obduktion brachte den Mord ans Tageslicht. Grund genug für Oberst Gottlieb Türk, BA, Chef des Landeskriminalamtes, eine „temporäre Ermittlungsgruppe“ unter der Leitung von Chefinspektor Wolfgang Patscheider und Chefinspektor Siegfried Katholnig einzurichten.

Die Festnahme der Mörderin

Der 40-köpfigen Ermittlungsgruppe des LKA mit Unterstützung durch Kriminalbeamte des OKD Villach und KKD Villach Land gelang mit Akribie und Ausdauer die Identifizierung und Überführung von Margit T. als Kopf des Frauentrios. Insgesamt 40 weitere Personen wurden überprüft, letztlich gelang auch die Festnahme der eigentlichen Mörderin. Da sich die beiden sehr konspirativ verhielten, war kriminalitische Kleinstarbeit angesagt, um ausreichend Indizien für eine Anklage zu sammeln und letztlich auch eine weitere Beteiligte des kriminellen Zirkels auszumitteln.

„Kriminalistische Spürsinn“

Der Auslöser für die Ermittlungen war wieder einmal der viel zitierte „kriminalistische Spürsinn“. Es folgten viele Wochen an beharrlicher und oftmals mühsamer detektivischer Kleinarbeit der erfolgreichen Ermittlungsgruppe. Ohne ihr Gespür, ihrer Erfahrung und ihrer Akribie wäre dieser Kriminalfall wohl unentdeckt und damit auch ungesühnt geblieben.

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