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Leute - Villach
Interview
© KK

Sie stecken hinter der Aktion im Atrio

Aktivist: „Auch kritische Meinungen zu Corona müssen möglich sein“

Villach – Gestern haben wir euch von einer Corona-Demonstration im Atrio berichtet. Heute wissen wir: Dabei handelte es sich um eine künstlerische Darbietung der "Bewegung 2020" aus Anlass der kurzfristigen Corona-Verschärfungen. Wir haben, weil viele Leser Fragen stellten, mit Gründungsmitglied Michael Amplatz gesprochen. 

 6 Minuten Lesezeit (821 Wörter) | Änderung am 19.11.2020 - 21.57 Uhr

Am Montag, dem 16. November 2020, sorgte eine Gruppe von „Demonstranten“ im Atrio für Aufsehen. Ein Video dazu ging viral – allerdings nicht in seiner Originalfassung, sondern abgeändert. Es wurde nicht nur über What´s App sondern auch über Facebook tausendfach geteilt.  5 Minuten hat berichtet. Die Aktion war die Idee einiger Villacher Aktivisten, die sich kürzlich der sogenannten „Bewegung2020“  angeschlossen haben. Wir haben für euch mit Gründungsmitglied Michael Amplatz gesprochen und gefragt: Warum macht ihr das? Seine Antwort am Telefon, „weil auch kritische Meinungen zu Corona möglich sein müssen.“ Es besteht der Wunsch, einer freien Debatte.

Das Video ging gestern viral. Viele Menschen haben Fragen dazu. Was steckt dahinter?

Amplatz: Seit März 2020 werden unter dem Deckmantel der Maßnahmen gegen Covid-19 die Grundrechte der Menschen massiv eingeschränkt. Gegenstimmen werden unterdrückt und Menschen werden Existenzgrundlagen entzogen. Das hat viele Gruppierungen auf den Plan gerufen, die darauf aufmerksam machen möchten, dass hier die Demokratie, sinnbildlich gesprochen, zu faulen beginnt. […] Die Aktion im Atrio war eine künstlerische Darbietung aus Anlass der kurzfristigen Verschärfungen. Sie fand auf öffentlichem Raum im Privatbesitz statt, also völlig legal. Die zufällig anwesenden Beamten und das Sicherheitspersonal des Einkaufszentrums haben sich professionell verhalten.

Wofür steht die Bewegung 2020?

Amplatz: Die Bewegung 2020 steht für Freiheit und Selbstbestimmung. Sie ist aus einer coronamaßnahmen-kritischen Gruppe auf Facebook entstanden. Wir beschäftigen uns mit Kritik an den aktuellen Covid-19-Maßnahmen, aber auch mit der Kritik am ungehemmten 5G-Ausbau, Menschen-, Grund- und Freiheitsrechten sowie der Demokratie an sich. Die Bewegung 2020 entwickelt sich praktisch zum „Dachverband“ für all diese Ideen in Österreich, und alle Themen zusammen spiegeln die aktuellen Wünsche eines nicht zu unterschätzenden Teils der Bevölkerung wider.

Wie viele Mitglieder zählt die Bewegung in Villach?

Amplatz: Das ist schwer zu sagen. Wir haben gerade mit unserem Vereinsaufbau begonnen, und zählen erst eine handvoll Aktivisten, die bereit sind, ihre Kritik nach außen zu zeigen. Jede Woche werden es jedoch mehr. Die Bewegung 2020 ist österreichweit tätig und hat tausende Unterstützer. Dazu arbeiten wir mit anderen Gruppen zusammen, die ähnliche Ziele haben. In Kärnten gibt es zum Beispiel auch eine Initiative von Rechtsanwälten, mit denen wir in Kontakt stehen und uns gegenseitig unterstützen.

Welche Rolle spielst du in der Bewegung 2020? 

Amplatz: Ich bin inoffizielles Gründungsmitglied der Bewegung2020 und für Kärnten zuständig. Als selbständiger Bilanzbuchhalter habe ich die Maßnahmen anfangs nur sehr verhalten kritisiert, aus Angst vor beruflichen Konsequenzen. Aber ich bin es meinen Kindern und ihrer Zukunft schuldig, genau das zu ändern. […] Es wird Zeit, für seine Werte einzustehen.

Was macht die Bewegung 2020?

Amplatz: Am Anfang haben wir eine Internetseite aufgebaut, auf der die Menschen uns erreichen können, die Hilfe benötigen – sei es bezüglich der verwirrenden und sich ständig ändernden Corona-Gesetzgebung, oder wegen Problemen, die sich im Alltag ergeben, beispielsweise der Nichtanerkennung von Maskenbefreiungsattesten in Geschäften. Gleichzeitig bemühen wir uns, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen, damit die Menschen, die sich mit unseren Werten und Themen identifizieren, sich bei uns sammeln können. Mit Flugblättern versuchen wir, unsere Informationsblase zu verlassen und unsere Sicht der Dinge mit Argumenten zu untermauern und zu belegen.

Was wollt ihr mit solchen Aktionen, wie der im Atrio, erreichen?

Amplatz: Wir wollen vor allem jenen Menschen, die jetzt unter dem Lockdown leiden, das Signal geben, dass sie nicht allein sind. Letztlich wird das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Teilnehmenden gestärkt, und Motivation und Zusammenhalt steigen.

Werden ähnliche Aktionen folgen?

Amplatz: Wie es scheint, wollen immer mehr Unzufriedene an solchen Darstellungen teilnehmen. Auch in anderen Kärntner Städten sind Menschen aktiv und haben sich zusammengeschlossen zu Spaziergängen mit Kerzen und herzlichen Gesten, die ein Gegenpol zum „Social Distancing“ sein sollen. Die Bewegung2020 ist aber bemüht, sich mit ihren Aktivitäten immer im gesetzlichen Rahmen zu bewegen.

Was sagen Sie dazu, dass viele Menschen in einen Topf geworfen werden und als „Covidioten“ oder „Corona-Leugner“ bezeichnet werden?

Amplatz: […] Spekulationen rund um das Virus gewinnen vor allem dann an Bedeutung, wenn von offizieller Seite versucht wird, alles mit dem Schatten der Angst zu verdecken. Alleine das Wort „Leugner“ ist ja schon ein Kampfbegriff. Es offenbart nur die Absicht desjenigen, der es verwendet, die andere Seite mit rein rethorischen Mitteln mundtot zu machen. Und „Covidiot“ wird in vielen Teilen der Welt mittlerweile genau im umgekehrten Sinn verwendet. Was wir fordern ist ja vor allem einmal eine breite, völlig freie Debatte als Grundlage für Entscheidungen der Tragweite von Ausgangssperren und Geschäftsschließungen. Es obliegt jedem, selbst zu entscheiden, ob diese Forderung Kleingeistern oder Denkern entspringt.

Hier seht ihr das Original-Video. Das andere Video, das bereits viral ging, wurde verändert und stammt in dieser Ausführung nicht von den Aktivisten.

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