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Leute - Kärnten
SYMBOLFOTO © pexels

Coronalage in Pflegeheimen

Pflege­personal am Ende der Kräfte: „Wir können einfach nicht mehr“

Kärnten – Ein Kärntner Krankenpfleger spricht mit uns über die derzeitigen Herausforderungen seines beruflichen Alltags. Er und seine Kollegen stoßen an ihre Grenzen. "Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Wir können einfach nicht mehr", sind seine ersten Worte im Interview mit 5 Minuten. 

 4 Minuten Lesezeit (508 Wörter) | Änderung am 26.11.2020 - 16.16 Uhr

Der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger aus Oberkärnten übt seinen Beruf schon lange aus. Die derzeitige Situation ist jedoch auch für ihn außergewöhnlich: „Corona stellt uns vor ganz neue Probleme und Herausforderungen. Wir geben jeden Tag unser Bestes, aber was soll man tun, wenn das Beste nicht genug ist?“

„Es hat mir das Herz zerissen“

Eine besonders traurige Erinnerung hat der Pfleger an den Tod eines kürzlich verstorbenen Heimbewohners. „In diesem Beruf ist der Tod leider alltäglich, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, erinnert er sich. So musste die Familie mit Schutzmaske und Mantel eingehüllt am Bett des Verstorbenen stehen, musste Abstand wahren und sich aus der Ferne verabschieden. Die Ehefrau des Verstorbenen lag im gleichen Zimmer und durfte, laut dem Pfleger, aufgrund der Regelungen nicht mal von ihren Kindern und Enkeln getröstet werden. „Mir hat es das Herz zerrissen. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment zurückdenke“, erzählt der Krankenpfleger.

Bewohner und Angehörige überfordert

Auch den Pflegeheimbewohnern und deren Angehörigen wird die Lage scheinbar langsam zu viel. „Manche versuchen, sich beim Hintereingang reinzuschleichen, um ihre Liebsten zu sehen. Menschlich verstehe ich das, aber es ist einfach zu gefährlich“, warnt die Pflegekraft. Den Bewohnern fehle die Nähe, die Umarmungen und kleine Berührungen. Demente Leute erschrecken sich laut ihm regelmäßig vor der Maske und ein Bewohner musste sogar schon mit Polizeischutz ins Heim zurückgebracht werden, da er weggelaufen war.

Ständige Angst vor Infektion

Jede Woche wird das Personal des Pflegeheims, in dem der Oberkärntner arbeitet, einem Coronatest unterzogen. Trotzdem lebt der Pfleger in ständiger Angst, sich in seiner Freizeit zu infizieren und das Virus mit ins Heim zu schleppen: „Wir sind aber auch nur Menschen und keine Maschinen. Ich muss auch mal raus. Das brauche ich für meinen Seelenfrieden. Natürlich mit äußerster Vorsicht, aber man fühlt sich trotzdem irgendwie schuldig.“ Mittlerweile wurden dem Kärntner die Auswirkungen des Coronavirus deutlich bewusst. „Am Anfang dachte ich auch, Corona sei ‚nur‘ eine Grippe. Das ist es aber definitiv nicht. Es ist viel gefährlicher, weil es viel mehr Schaden im Körper anrichten kann“, meint der Pfleger.

Mehr Personal dringend notwendig

„Ich habe die Verantwortung für 60 bis 90 Menschen und muss teilweise schnell handeln und Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod bestimmen könnten. Es gehört dringend ein besserer Personalschlüssel her und die Ausbildung sollte attraktiver gemacht werden“, findet der Kärntner. Auch die Corona-Impfungen bereiten dem Pfleger in dieser Hinsicht Sorgen. „Es haben schon viele Kollegen gesagt, dass sie das Handtuch schmeißen werden, wenn es zu einer Impfpflicht in Pflegeheimen kommen sollte. Man kann es niemanden verübeln, der sich nicht impfen lassen möchte. Schließlich weiß man noch nichts über Langzeitfolgen“, erzählt er.  Der größte Wunsch des Krankenpflegers ist aber: „Ich hoffe, dass sich die Leute an unsere Leistung erinnern und das wir nach der Pandemie nicht wieder die Trotteln vom Dienst sind!“

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