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Politik - Kärnten
LR Sebastian Schuschnig
LR Sebastian Schuschnig © Helge Bauer

LR Schuschnig exklusiv im Interview

„Wer Schi­gebiete einfach schließt, riskiert tausende Jobs“

Kärnten – Mehr als nur Säbelrasseln - Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig stellt sich hinter die Kärntner Tourismuswirtschaft und übt heute im exklusiven Interview mit 5 Minuten harsche Kritik am Vorstoß von Italien und Bayern, Schigebiete europaweit zu schließen: „Schnapsidee, die tausende Jobs kostet.“ Er verspricht: „Werden uns massiv dagegen stemmen, um Kollateralschaden zu verhindern.“

 5 Minuten Lesezeit (689 Wörter) | Änderung am 25.11.2020 - 20.16 Uhr

Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig übt am heutigen Mittwoch, dem 25. November 2020, harsche Kritik am Vorstoß von Italien und Bayern, die Schigebiete europaweit zu schließen. Im Interview mit 5 Minuten stellt er sich klar hinter die Kärntner Tourismuswirtschaft.

Italien fordert Skigebiete bis 10. Jänner geschlossen zu halten. Auch in Deutschland sprach man sich für eine einheitliche europäische Lösung aus. Wie stehen Sie dazu?

Schuschnig: Dieser Vorstoß von Italien und Bayern ist eine Schnapsidee, die weder durchdacht, noch sinnvoll ist und den ohnehin wirtschaftlich schwer betroffenen Tourismus zusätzlich unter Druck bringt. Die Schigebiete haben sich gut vorbereitet, um Infektionen zu verhindern. Wer sie heuer radikal schließt, der riskiert tausende Jobs, nicht nur im Tourismus. Wir werden uns daher vehement dagegen stemmen, wenn dieses Hirngespinst unserer Nachbarn europaweit durchgeboxt werden soll. Noch dazu, wo Kärnten im Sommer bewiesen hat, dass sicherer Tourismus möglich ist. […] Sobald es die Infektionszahlen im Land hergeben, müssen wir auch mit Schutzmaßnahmen aufsperren können. Das müssen wir selbst entscheiden können.

Wenn wir diesen Winter unsere Skigebiete „dicht machen“ – was bedeutet das für unser Bundesland im Bereich Tourismus. Wie hoch wäre der Schaden? 

Schuschnig: Immens! Es käme einem Kollateralschaden der Tourismuswirtschaft gleich. In erster Linie trifft es die Liftbetreiber und Hotels in Kärntens Schigebieten. Selbst ohne ein europaweites Verbot kämpfen sie mit deutlichen Ertragsrückgängen. Die wirtschaftlichen Folgen sind aber noch weit größer. Denken Sie an die vielen Betriebe in der Region, die direkt von der Wettschöpfung der Schigebiete abhängig sind. Die gesamte Hotellerie, weite Teile der Gastronomie, die dahinter stehenden Lebensmittellieferanten bis hin zum Handel nehmen erneut massiven Schaden. Alles Betriebe, die schon jetzt hart von der Krise getroffen sind. Der volkswirtschaftliche Schaden wäre enorm und für Kärnten nicht zu stemmen! Wenn die EU tatsächlich solche Schließungen will, dass muss sie diese auch zahlen. Nur verordnen alleine, das wird es sich nicht spielen.

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Schuschnig: „Es käme einem Kollateralschaden der Tourismuswirtschaft gleich.“

Schuschnig: „Es käme einem Kollateralschaden der Tourismuswirtschaft gleich.“ - © KK

Welche Alternativen zu Skigebiets-Schließungen gäbe es für Sie?

Schuschnig: In erster Linie müssen wir jetzt die Infektionszahlen in Kärnten massiv drücken. Aktuell ist ein Start in den Wintertourismus nur schwer vorstellbar. Denn selbst ohne eine Schließung der Lifte kämpfen wir derzeit mit den Reisewarnungen. Nur wenn wir die Zahlen senken, werden wir den Tourismus langsam wieder öffnen können. Zur Frage der Alternativen: Wir beschäftigen uns gemeinsam mit den Branchenverantwortlichen seit dem Frühjahr damit, wie Infektionen in den Schigebieten verhindert werden können. Das reicht von einem verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz auf den Liften, geringere Besetzungen in Kabinenbahnen bis hin zu Abstandsregeln im Wartebereich und generellen Personenbeschränkungen. Das Konzept der Seilbahnwirtschaft liegt am Tisch. Unsere Betriebe sind bestens für den Winter gerüstet. Da bin ich zuversichtlich.

Wie groß waren die bisherigen Verluste für den Kärntner Tourismus durch Corona?

Schuschnig: Das ist durchaus unterschiedlich, aber der Schaden geht alleine in der Tourismuswirtschaft in die hunderten Millionen. Kärnten ist zwar sehr gut durch den Sommer gekommen. Dennoch gibt es bisher ein Minus von über 10 Prozent bei den Nächtigungen gegenüber dem Vorjahr. Und die wahre Herausforderung, der Winter, steht noch vor uns. Es wird also ein schmerzliches Minus für die gesamte Branche werden. Gerade die Stadthotellerie, die Reiseveranstalter, die Reisebusunternehmer, die gesamte Veranstaltungsnbarche kämpfen massiv ums Überleben. Der rasche und unbürokratische Umsatzersatz für die Schließungen im November hilft. Aber um das nochmals zu betonen: Es wird massiv darauf ankommen, wie schnell wir die Infektionszahlen wieder nach unten drücken können. Nur dann gibt es auch eine Chance, auch in der Wintersaison mit einem hellblauen Auge davonzukommen.

Update 19:45

Mittlerweile wurde bekannt, dass die EU keine europaweiten Betriebsverbote für Skigebiete verhängen will. Eine solche Maßnahme müsse jeder Mitgliedsstaat für sich selbst beschließen, heißt es seitens der EU-Kommission. Damit liegt es wohl an der österreichischen Bundesregierung, wie es mit den Skigebieten und dem heurigen Winter für den Tourismus aussieht.

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