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Kritik an Corona-Bonus

Bericht von der CoV-Station: „Lazarett ähnliche Zustände“

Villach/ Klagenfurt – "Aktuell bin ich als DGKP (Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin) an einer der Covid-Stationen der Kabeg tätig", beginnt das Anschreiben an die 5-Minuten Redaktion. Sie berichtet von den extremen Herausforderungen und appelliert, eine höhere Prämie auszuzahlen.

 5 Minuten Lesezeit (640 Wörter) | Änderung am 01.12.2020 - 14.10 Uhr

„Die verschiedenen Berufsgruppen, die auf diesen Stationen tätig sind, erleben zurzeit eine enorme physische und psychische Zusatzbelastung. In der Regel sind wir je nach tagesabhängiger Arbeit mindestens 8 von 12 Stunden in Schutzausrüstung. Zu Beginn der zweiten Welle war es an manchen Tagen sogar mehr. In dieser Zeit kann man nicht einmal seine Grundbedürfnisse stillen, wie trinken, essen oder die Toilette benutzen. In den letzten Wochen ist es oft vorgekommen, dass neben Akutsituationen, wie Reanimationen und Intubationen, Sterbende versorgt und deren Angehörige begleitet wurden“, beschreibt die Frau einleitend.

Kritik für Corona-Prämie

Gegenüber 5 Minuten erzählt sie weiter, dass es „Lazarett ähnliche Zustände“ gibt.  „Was hier teilweise passierte, kann in Worten kaum beschrieben werden.“ Enttäuschung macht sich bei ihr breit, was den Corona-Bonus betrifft: „Dafür hat sich die Kabeg für ihre Angestellten aber ein besonderes Zuckerl überlegt um diese Leistung zu honorieren. Dieses Zuckerl ist eine einmalige Prämie von 525 Euro für Vollzeitkräfte welche im Februar ausbezahlt werden sollte und eine Zulage von 3,30 Euro pro Dienst in einem definierten Coronabereich. Eine Vollzeitkraft würde dabei mit den 3,30 Euro eine Coronazulage von etwa 50 Euro pro Monat erhalten“, rechnet sie vor und sieht die Zulage sehr kritisch:Die Höhe dieser Summe steht in keinem Fall zur Relation zu dem, was wir täglich leisten müssen. Eine Teilzeitkraft erhält zudem nur den aliquoten Anteil und steigt nach drei Monaten mit etwa 350 Euro aus. Teilzeitkräfte sind nicht umsonst Teilzeitkräfte, denn viele davon haben noch schulpflichtige Kinder und müssen dazu noch Homeschooling betreiben.“

Ungleichheit?

„Die Wochenarbeitsstunden sind aber derzeit oftmals die gleichen wie bei einer Vollzeitkraft, da Zusatzdienste wegen Personalknappheit anfallen. Zudem soll jemand aus der Verwaltung mit einem Beschäftigungsausmaß von 100 Prozent im Homeoffice mehr bis gleich viel Coronaprämie erhalten als eine Teilzeitkraft im Covidbereich. Unfairerweise zahlen andere Gesundheitseinrichtungen in diversen Bundesländern ihren Pflegekräften in Covidbereichen ein vielfaches mehr“, wirft sie weiter vor.

Vergleich zum Handel

Sie erwähnt in ihrem Brief abschließend einen Vergleich: „Von Spar und Lidl wurde bereits zweimal eine Prämie von mehreren hundert Euro ausgezahlt. Auch jene, die bei der Drogeriekette dm arbeiten, wurden honoriert. Arbeitskräfte der Infineon haben Prämien erhalten. Sie alle werden als Helden und Heldinnen des Alltags bejubelt. Sicherlich zurecht und auch verdient. Mir ist durchaus bewusst, dass der Handel und andere große Firmen aktuell Gewinn abwerfen und die Kabeg hat im Gegensatz dazu aufgrund der Pandemie Mehrkosten zu verbuchen.“ Dennoch stellt sie weiter klar: „Aber wir von den Krankenhäusern oder Pflegeheimen sind genauso Heldinnen und ohne unseren enormen Mehreinsatz im Sinne von Überstunden und Zusatzdiensten würde das gesamte Gesundheitssystem kollabieren. Die verschiedensten Berufsgruppen werden, um das System zu erhalten, quer durch das Haus geschickt. Jeder hilft überall aus und diese Flexibilität scheint schon Normalität zu sein. Aber so heißt es derzeit einfach durchhalten, weitermachen und nicht jammern.“

… und diesmal klatscht niemand

„Und diesmal klatscht niemand.  Alle Entscheidungsträger, welche die Summe der Prämie festgelegt haben, sind dazu eingeladen sich einen Tag im Isolationsbereich einzuschleusen, um uns dann nochmals zu erklären, ob die aktuelle Honorierung fair ist.“ Sie weist auch auf die Lohnerhöhung von 1,45% bei einer Inflationsrate von 1,5% hin.  Auf Nachfrage von 5 Minuten, ob sie sich mehr Dankbarkeit wünschen würde, erklärte sie: „Wir brauchen keine Wertschätzung von der Öffentlichkeit… sondern von unserem Arbeitgeber!“

Brief warnt vor Überlastung

Seitens der KABEG gibt es auf Anfrage keine Reaktion zu diesen Punkten. Diese schloss sich jedoch, wie andere Spitalsbetreiber, dem Brief an den Gesundheitsminister an. Die zweite Welle würde die Spitäler an den Rand der Leistungsfähigkeit bringen, man warne daher vor einer zu raschen Öffnung nach dem Lockdown. Die Neuinfektionen müssen dringend weiter reduziert werden.

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