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Leute - Klagenfurt
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Rückblende

„Wickie“: Der auf­sehen­erregende Plagiats­skandal an der Uni Klagenfurt

Klagenfurt – Der Plagiatsjäger Stefan Weber machte nicht nur Arbeitsministerin Christine Aschbacher arbeitslos. Er deckte mit „Wickie und die starken Männer“ auch den bisher bekanntesten Plagiatsfall an der Uni Klagenfurt auf.

 3 Minuten Lesezeit (450 Wörter) | Änderung am 11.01.2021 - 17.08 Uhr

Von Franz Miklautz. Christine Aschbacher ist ihren Job los. Nachdem der Salzburger Plagiatsjäger Stefan Weber in der Diplomarbeit als auch in der Dissertation der – nunmehr – ehemaligen Arbeitsministerin (ÖVP) Ungereimtheiten entdeckt hatte, trat Aschbacher vorige Woche zurück. Ihre Dissertation mit dem Titel „Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen“ hatte die Steirerin erst voriges Jahr an der Universität Bratislava eingereicht. Weber waren in Aschbachers Arbeiten Passagen aufgefallen, die gegen die „gute wissenschaftliche Praxis“ verstoßen sollen. Zudem war er mit Sätzen konfrontiert, die völlig unlogisch und teils wirr erscheinen. Daraufhin unterzog er die Arbeiten einer genaueren Überprüfung. Bei der er, so Weber, in der Folge Plagiatsstellen entdeckt habe.

2006: Klagenfurter Plagiatsskandal „Wickie“

Weber war es auch, der den bisher aufsehenerregendsten Plagiatsskandal an der Universität Klagenfurt aufdeckte. Dabei handelte es sich um die Diplomarbeit „Wickie und die starken Männer“ einer Absolventin der Klagenfurter Hochschule aus dem Jahr 2006. In der Magisterarbeit ging es um die gleichnamige Kindersendung im TV. „Das Papier war keinesfalls einer Magisterarbeit würdig“, sagt Weber. Der Medienwissenschaftler stufte es zu „einem erheblichen Teil als Plagiat“ ein. „Dennoch wurde die Arbeit mit ,Sehr gut‘ bewertet“, so Weber. Auch das also eine Ähnlichkeit zum Fall Aschbacher, deren Diplomarbeit an der FH Wiener Neustadt ebenfalls mit „Sehr gut“ benotet wurde.

Uni reagierte: Arbeitsverhältnis wegen „Wickie“ gelöst

„Ein zentrales ‚Ergebnis‘ der Forschungsarbeit lautet: ‚Die Kinder sehen ‚Wickie und die starken Männer‘ gerne, weil die Sendung lustig und spannend ist.‘ Damit wird man in Österreich Magister“, formulierte Weber, nachdem er den Skandal aufgedeckt hatte gewohnt spitz. Mit dieser Diplomarbeit bekam die Absolventin dann auch noch einen Job: Nämlich an der Uni Klagenfurt, die ihr die Stelle freilich noch im Unwissen über das Plagiat gegeben hatte. Nachdem Weber dann die Magisterarbeit „auseinander genommen“ hatte, reagierte aber auch die Uni prompt und klassifizierte die Arbeit ebenfalls als Plagiat. Folge: Auflösung des Dienstverhältnisses mit der Absolventin, die als Assistentin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften gewerkt hatte. Zudem war ein Verfahren zur Aberkennung des Titels eingeleitet worden. Aus dem schlussendlich eine außergerichtliche Einigung wurde: Die Absolventin durfte die Arbeit neu verfassen. Diesmal unter Betreuung eines externen Experten.

Uni lernte aus Plagiatsfall

Die Universität lernte jedenfalls aus dem Fall „Wickie“ und schaffte eine Kontrollsoftware namens „Docoloc“ an, die Diplomarbeiten und Dissertationen auf Plagiate überprüft. Damit waren auch zahlreiche Absolventen-Arbeiten der Vergangenheit durchleuchtet worden.

Der Autor

Der Klagenfurter Franz Miklautz ist als Investigativjournalist tätig. Unter anderem betreibt er die Plattform mediapartizan.at, auf der er regelmäßig Missstände aufdeckt. Er war nominiert für den Literaturpreis Wartholz VII und ist Gewinner des “Erostepost”-Literaturpreises 2014.

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