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Leute - Villach
Interview
© Privat/ Montage

Mehrfachbelastung frustriert viele

6-fach Mama: „Home­schooling muss verbessert werden!“

Kärnten – Die Villacherin Heidi Krammer ist Mutter von sechs Kindern und diplomierte Elterntrainerin. Sie ist im stetigen Kontakt mit vielen Eltern und sagt: "Jetzt wird es zu belastend".

 4 Minuten Lesezeit (539 Wörter)

Viele Eltern sind überfordert: Nicht alleine mit der Beaufsichtigung der Kinder, sondern mit der Gesamtsituation. Lernen, arbeiten, Haushalt, Kinder, Partnerschaft, oft kümmern sie sich um pflegende Angehörige oder haben andere zusätzliche Verpflichtungen.Sie kritisiert, dass das Homeschooling nicht verbessert wurde und man die Vorbereitungszeit verschlafen habe.

5 Minuten: Womit kämpfen derzeit viele Familien?
Heidi Krammer: Ich glaube am meisten mit Haltlosigkeit und Unsicherheit. Eltern sind dazu da um Kindern Halt zu geben, ihnen Richtungen vorzugeben. Aber im Moment können sie das nicht, weil sie selbst oft haltlos sind und nicht wissen, was sie ihren Kindern versprechen oder worauf sie sie vorbereiten sollen. Eltern versuchen alles gut, alles richtig zu machen und setzen sich zu sehr unter Druck. Natürlich kommen Dinge wie Arbeitslosigkeit oder Zukunftsängste dazu.
Wo mit müssen die Kinder derzeit klarkommen?

Den Kindern fehlt mittlerweile fast ein ganzes Schuljahr. Es wurde wenig berücksichtigt, dass den Kindern bereits fast ein Semester fehlt. Die Kinder lernen den Stoff des neuen Schuljahres- schnell, in Eigenregie ohne ausreichende Begleitung und ohne dass der Stoff sicher verstanden wird. Den Schülern fehlt ein stabiles Wissensfundament auf dem sie aufbauen können. Denkt einmal an die Kinder, die in andere Schulen gewechselt haben- die Lehrer kennen die Kinder gar nicht richtig. Die Kinder konnten gar nicht zu einer Klassengemeinschaft zusammenwachsen, sich ausreichend kennenlernen. 

Homeschooling – wie gut funktioniert es?
Das Homeschooling klappt manchmal  gut, aber zu oft auch sehr schlecht und es gestaltet sich wirklich schwierig. Ich ärgere mich sehr darüber, dass man nicht schon lange, und man hätte wirklich die Zeit gehabt, dafür gesorgt hat, dass homeschooling gut klappt, dass die Kinder auch regelmäßig Kontakt zu den Lehrpersonen haben, die Lehrer für Fragen in der Zeit des Unterrichts verfügbar sind, die Familien mit Laptops und Druckern versorgt sind und so weiter. Man hätte Richtlinien aufstellen können, die Lehrpläne ausdünnen und Tempo rausnehmen können. Es wäre auch von Vorteil wenn es einheitliche Vorgangsweisen oder  Richtlinien für Lehrpersonal und dergleichen geben würde.
Wie läuft die Organisation generell ab?
Manchmal gibt es einfach keine Online-Stunden. Aufgaben für den nächsten Tag um 7.45 Uhr wurden tags davor am Abend nach 22 Uhr verschickt. Die Aufgaben erreichen die Eltern über unzählige unterschiedliche Kanäle, es gibt keinen richtigen Plan, jeden Tag kommen irgendwelche Änderungen oder kurzfristige Online-Stunden dazu. Lehrer wissen selbst nicht wie die Benotung klappen soll. Das alles setzt die Kinder und ihre Eltern enorm unter Druck. Es kommt laufend neuer Stoff dazu, den Eltern schlichtweg nicht lehren können.
Was rätst du Familien, damit sie gut durch diese herausfordernde Zeit kommen?
In der momentanen Situation, die täglich anstrengender und frustrierender wird, kann ich nur dazu raten, sich selbst und die Familie nicht zu vergessen. Sorgt gut für euch selbst, macht euch nicht zusätzlichen Druck, stresst euch nicht, denn auch Stress ist ein Gesundheitsrisiko. Seid nicht zu selbstkritisch- ihr macht einen unfassbar guten Job und lasst euch nicht die Dinge, die im Verantwortungsbereich anderer liegen, aufbürden. Was ihr und eure Kinder heuer geleistet habt ist ein Sehr gut mit Sternchen. Eure Leistung als Familie kann keine Zeugnisnote beurteilen.
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