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Wirtschaft - Klagenfurt
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Opposition schäumt

Benediktiner­schul-Verkauf: Budget­hotel ist ge­storben

Klagenfurt – Klagenfurt, eine Spielwiese für flatterhafte Investoren? Nachdem aus dem ehemaligen KTZ-Gebäude am Viktringer Ring nicht das angekündigte Studentenheim wurde, soll nun auch bei der Benediktinerschule das versprochene Budgethotel Schnee von gestern sein. Kanduth: „Macht keinen Sinn mehr.“

 7 Minuten Lesezeit (955 Wörter) | Änderung am 15.02.2021 - 14.39 Uhr

Von Franz Miklautz. Insgesamt siebenmal kommt das Wort „Budgethotel“ in der Gemeinderatssitzung vom 17. Dezember 2018 vor. Das zeigt das damalige Sitzungsprotokoll. Bemüht wird das Wort vor allem in der Präsentation der Familie Kanduth, die das renommierte Klagenfurter Hotel „Sandwirth“ nordwestlich der Benediktinerschule besitzt. In der Präsentation der Kanduths geht es um alles: Sie wollen die Schule zur Erweiterung des „Sandwirths“ kaufen und präsentieren im Gemeinderatssaal ihre Ideen zur zukünftigen Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Bereits einige Monate zuvor hatten die Kanduths die Benediktinerschule von Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) und Liegenschaftsreferent Markus Geiger (ÖVP) zugesprochen bekommen. Dort sollten – nach dem Willen der Stadtpolitik und den Investitionsgelüsten der Hoteliersfamilie – künftig nicht mehr Schüler, sondern Hotelgäste ein und aus gehen. Und zwar in einem von der Familie Kanduth geplanten zusätzlich zum Sandwirth errichteten Budgethotel, einer Art Beherbergung im Billigsegment. 50 bis 100 Zimmer wurden damals kolportiert. Doch der Verkauf an Helvig und Robert Kanduth scheitert in letzter Sekunde. Obwohl die Umbauabsichten bereits präsentiert worden waren. Vielleicht aber auch gerade deshalb.

Fragwürdige Optik

Denn um die Benediktinerschule wird auf Teufel komm raus gerungen. Mehrere Immobilien-Unternehmen legen später Angebote für das schmucke Gebäude. Es entsteht ein erbitterter Kampf. Unter Druck kommt der Deal aber vor allem wegen eines Verkehrswertgutachtens, dessen Zustandekommen Sprengstoff birgt: Das Papier zur Ermittlung des Werts der Schule war nämlich nicht etwa von der Verkäuferin allein, also der Stadt, sondern im Schlepptau mit den späteren Käufern der Schule, den Kanduths und Tom Müller von der 9022 Immobilien GmbH, in Auftrag gegeben worden. Die Optik: Zumindest schief. Der Grund: Laut Rechnungshof (RH) sei nicht der höchstmögliche Verkaufserlös zu erziehen, wenn potentielle Kaufinteressenten in die Gutachtenbeauftragung involviert wären. Zwei Jahre später der RH in einer aufsehenerregenden Bemängelung des Deals die Art der Gutachtenvergabe anprangern.

Orasch steigt in den Ring

Das Gutachten kommt auf 1,8 Millionen Euro Verkehrswert. Es bleibt Basis für den späteren Verkauf. Nach dem Scheitern der Direktvergabe an die Kanduths und Müller schreibt die Stadt die Schule in einem sogenannten strukturierten Verkaufsprozess aus. Drei weitere Unternehmen, darunter die Lilihill-Gruppe von Immobilienfürst Franz Peter Orasch, steigen in den Ring, bieten um das repräsentative Gebäude mit. Orasch überbietet die Kanduths und Müller um mehrere Hunderttausend Euro, will 2,55 Millionen hinblättern. Müller und die Kanduths (gemeinsam als Arge Benediktinerhof) nur 2,21. Doch nicht dem Immobilienmogul wird der Zuschlag erteilt, sondern der Arge.

Bewertung im Nachhinein nicht mehr als „Schere, Stein, Papier“?

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Die Benediktinerschule in Klagenfurt.

Die Benediktinerschule in Klagenfurt. - © 5min.at

Denn: Budgethotel kommt nicht

Das Bewertungsschema der Beurteilungskommission sieht nämlich vor, die Konzepte der Bieter entscheidend prominenter zu taxieren als die Preisangebote. Damit hat Orasch das Nachsehen: Denn das Konzept der Kanduths behält die Oberhand. Die Kanduths gewinnen den Fight um die Benediktinerschule. Aber jetzt kommt´s: Das Budgethotel kommt gar nicht.

Das bestätigt Robert Kanduth auf Nachfrage von 5 Minuten. „Das Budgethotel macht keinen Sinn mehr, da zwischenzeitlich mehrere Hotels im Billigsegment in Klagenfurt geplant sind.“ Kanduth führt das Ibis-Hotel am Viktringer Ring und die geplante Sportherberge von Martin Ramusch am Sportparkgelände an. Sieht man jedoch genauer hin, war das Ibis bereits fünf Monate vor der Gemeinderatspräsentation vom Dezember 2018 bekannt.

Können sich Investoren in Klagenfurt alles erlauben?

Auf die Frage, wie es sein kann, dass Investoren einfach abändern, was sie dem Gemeinderat präsentiert haben, sagt Robert Piechl, Chef der Klagenfurter Stadtplanung, dass ihm bis dato eine solche Abänderung nicht bekannt sei, der adaptierte Bebauungsplan dies aber zuließe und Kanduth rechtlich auf der sicheren Seite sei: „Als Nutzungsmöglichkeiten sind sowohl Wohnungen als auch Beherbungs- und Dienstleistungsbetriebe vorgesehen.“ Offensichtlich muss Kanduth das dem höchsten politischen Gremium der Landeshauptstadt präsentierte Budgethotel nicht einhalten. Womit sich nachträglich zwei Fragen stellen: Erstens, was hat der Klagenfurter Gemeinderat bei Investoren für einen Stellenwert? Und zweitens: Wozu war die Bewertungskommission gut?

„Kein Apartmentverkauf“

Einem derzeit kursierenden Gerücht erteilt Kanduth jedoch eine Absage: Dass statt des Budgethotels nun Apartments gebaut würden, die verkauft werden sollen. „Das wird es nicht geben. Was wir vorhaben, ist Folgendes: Wir planen unter dem Titel ,serviciertes Wohnen’ eine Hotelerweiterung des ,Sandwirth’“, sagt Kanduth. Dabei soll es sich um Einheiten handeln, „die vollständig mit Küche ausgerüstet sind. Das wird derzeit nachgefragt“. Ein Verkauf der Einheiten sei nicht geplant, wenngleich Kanduth eröffnet, „ob sich die Gäste eine Nacht oder sechs Monate einmieten, ist dabei egal“. Was wiederum auch nicht auf einen klassischen Hotelbetrieb hindeutet.

Opposition schäumt: „Täuschung“ und „sofortige Rückabwicklung“

Eine „Täuschung der Bevölkerung“ sieht Team-Kärnten-Spitzenkanditat Christian Scheider im nunmehrigen Wegfall des Hotels. „Genehmigte Projekte dürfen nachträglich nicht abgeändert werden.“ Eine „sofortige Rückabwicklung“ fordert zudem FPÖ-Vizebürgermeister Wolfgang Germ: „Wir müssen die Reissleine ziehen, die Schule muss komplett neu ausgeschrieben werden.“ Bei Grünen-Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann, sie hat gegen den Verkauf gestimmt, läuten die Alarmglocken: „Das Verscherbeln der denkmalgeschützten Benediktinerschule reizt wie ein eingetretener Dorn. Die Ära Mathiaschitz ist gekennzeichnet durch Fehlentscheidungen. Nun stellt sich heraus, dass offensichtlich darauf ,vergessen’ wurde, die Nachnutzung als leistbares Budgethotel vertraglich zu fixieren. So ist die Erweiterung des Hotels und der Ausbau in lukrative Apartments zu befürchten“, schäumt sie. Auch Team-Klagenfurt-Frontmann Klaus-Jürgen Jandl ist konsterniert: „Ich will eine schnellstmögliche Aufklärung, was jetzt am Areal genau passiert.“ Liegenschaftsreferent Geiger war für eine Stellungnahme trotz mehrmaligem Versuch nicht erreichbar. Ein Pressesprecher von Bürgermeisterin Mathiaschitz antwortete auf eine diesbezügliche Anfrage: “Der Stadt ist in diesem Zusammenhang nichts bekannt.”

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