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Sport - Kärnten
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DAS ist Kärnten

Eishockey-Legende Dieter Kalt: „Der KAC ist und bleibt mein Herzens­verein“

Klagenfurt – In „DAS ist Kärnten“ stellen wir euch mit Dieter Kalt (46) diesmal einen der erfolgreichsten Eishockeyspieler Österreichs der vergangenen Jahrzehnte vor. Als Kapitän führte er sowohl den KAC, als auch die Vienna Capitals und Red Bull Salzburg zu Meistertiteln. Sein Wissen als Sportler mit Führungsqualitäten gibt er mittlerweile auch beruflich weiter. 

 10 Minuten Lesezeit (1232 Wörter)

Von Lukas Moser. Dieter Kalt ist für viele Fans ein Eishockey-Held: In Wien sorgte er mit den Capitals für den ersten Meistertitel für die Bundeshauptstadt seit mehr als 40 Jahren, in Salzburg führte er Red Bull zu den ersten beiden Titeln ihrer Vereinsgeschichte. Für die Fans zuhause blieb er trotzdem immer ein „Klagenfurter Junge“. Mit dem österreichischen Nationalteam, dem er lange Zeit auch als Kapitän vorstand, nahm er an drei Olympischen Spielen und 17 Weltmeisterschaften auf verschiedenen Ebenen teil. 2012 wurde er als einer von fünf Spielern in das Jahrhundertteam des österreichischen Eishockeyverbands gewählt.

Alles begann beim KAC

Bereits im Alter von 4 Jahren trainierte Kalt, dessen Vater Dieter Kalt sen. sich selbst als Eishockey- Profi und Funktionär des österreichischen Eishockeysports einen Namen machte, im Nachwuchs des KAC. Nicht umsonst bezeichnet er ihn als seinen Herzensverein: „Ich bin durch die ganze KAC-Schule gegangen, habe meine Karriere hier aufgebaut.“ Beim österreichischen Rekordmeister musste am Ende immer der Sieg herausschauen und so habe er hier auch das Gewinnen gelernt. „Das Vertrauen dazu, dass es am Ende zum Erfolg führt, wenn man die eigenen Fähigkeiten verbessert, habe ich in Klagenfurt eingeflößt bekommen – damals war das unbewusst, heute nützte ich das ganz gezielt für mich.“ Die vielen Auslandsaufenthalte als Jugendlicher im Rahmen von diversen Europa- und Weltmeisterschaften prägten ihn. Insbesondere die Aufenthalte hinter dem damaligen „Eisernen Vorhang“ zeichneten seinen Weg: „Die Art und Weise wie dort trainiert wurde, war einfach ein Wahnsinn. Die Athleten sind um ein Vielfaches hungriger gewesen, als wir verwöhnte Burschen in Mitteleuropa.“

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Dieter Kalt ist für viele Fans ein richtiger Eishockey-Held.

Dieter Kalt ist für viele Fans ein richtiger Eishockey-Held. - © Dieter Kalt

Wie aus Leidenschaft eine Berufung wurde

Bereits mit 16 Jahren gab Kalt im Jahre 1990 sein Debüt in der Profimannschaft des KAC und feierte auf Anhieb seinen ersten Meistertitel mit den Rotjacken. Sechs Jahre später wechselte er nach Mannheim und seine Karriere nahm so richtig Fahrt auf. Ob es nicht schwierig war, durch die vielen Vereinswechsel, u.a. nach Deutschland, Schweden oder in die USA, sich jeweils heimisch zu fühlen und eine Familie zu gründen? Kalt verneint. Für ihn sei es immer klar gewesen, dass er den Weg des Profis, wenn möglich, gehen wolle und da müsse man seinen Lebensstil eben anpassen. Viele seiner Kollegen wohnten in den Städten ihrer Vereine in leeren Wohnungen und „lebten“ dann nur jene zwei Monate wirklich, in denen sie in ihrer Heimat weilten. „Das habe ich nie verstanden. Ich habe mich immer nach der jeweiligen Kultur gerichtet und versucht, die jeweilige Sprache zu lernen.“

Eine helfende Hand auf dem Weg zum Erfolg

Welcher Meistertitel für ihn der schönste war? Er denkt kurz nach, um dann doch zum Schluss zu kommen: „Eigentlich war jeder für sich unglaublich schön. Alle waren unterschiedliche Meilensteine, weil ich auch in jeder Mannschaft andere Rollen innehatte.“ Das hat für den langjährigen Kapitän nicht zuletzt auch mit der veränderten Führungsrolle zu tun: „Die Ausrichtung meines Egoismus hat sich diesbezüglich verschoben. Je älter ich geworden bin, desto mehr Spaß machte es mir, auch anderen beim Weg zum Erfolg zu helfen. Ich wollte, dass auch die anderen Einzelspieler erfolgreich sind, denn dann ist das ganze Team erfolgreich und am Ende damit auch ich.“

Seine Frau Kathrin war ihm auf seinen Wegen immer eine große Stütze: „Es war natürlich ein Glück, dass sie gleich dachte, ebenso an fremden Kulturen interessiert war und den Weg mit mir gehen wollte.“ Als sie sich 1999 kennenlernten, verbrachten sie ihre erste Zeit gemeinsam in Los Angeles. Auch auf den weiteren Karrierestationen begleitete ihn seine Kathrin und so zogen sie in weiterer Folge gemeinsam nach Köln, Schweden, Wien, Salzburg und schließlich 2009 wieder zurück nach Kärnten. Mittlerweile arbeiten sie gemeinsam an neuen Projekten. 2012 beendete er seine aktive Karriere bei  den Rotjacken und startete noch im gleichen Jahr im Coaching durch: Als Assistent-Coach feierte er auf Anhieb den Meistertitel mit dem KAC.

„Pandemie-Situation ist für Kinder eine Katastrophe“

Große Sorgen bereiten dem ehemaligen KAC-Nachwuchsleiter während der aktuellen Pandemie die Kinder und Jugendlichen: „Ich sehe es bei meinen eigenen Kids: Es gibt gewisse Super-Learning- Phasen, da sind sie wie ein Schwamm und saugen alles in einer enormen Geschwindigkeit auf. Wenn diese Phase jedoch vorbei ist, dann ist das Fenster zu und das passiert aktuell mit hunderttausenden Kindern in Österreich.“ Das hier Verlorengegangene sei nur schwer aufzuholen und so sei das nicht einfach nur ein Sportthema, sondern viel mehr ein Gesundheitsthema.

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2019 machte Kalt sich als „Speaker, Coach und Mentor“ selbständig und arbeitet mit Führungskräften und Teams in den Bereichen „Leaderhsip“ und „Teamwork“.

2019 machte Kalt sich als „Speaker, Coach und Mentor“ selbständig und arbeitet mit Führungskräften und Teams in den Bereichen „Leaderhsip“ und „Teamwork“. - © Dieter Kalt

„Hilfe zu suchen ist keine Schwäche – ganz im Gegenteil“

2018 kehrte er dem Tagesgeschäft im Eishockeysport vorerst den Rücken. Ob es Dieter Kalt doch irgendwann wieder einmal in einer offiziellen Funktion bei Vereinen geben wird? Aktuell passe es nicht zu seinem Weg. Eine Karriere etwa als Trainer komme aus privaten Gründen im Moment nicht infrage, hätte dies für den vierfachen Familienvater doch viel Abstand von zuhause zur Folge: „Da haben sich meine Werte verschoben. Es ist sicher nicht erstrebenswert, meine Kinder aus der Ferne aufwachsen zu sehen und so habe ich mir einen Lebensstill designet, der mit meinen Werten übereinstimmt.“

Darüber hinaus machte er sich 2019 als „Speaker, Coach und Mentor“ selbständig und arbeitet mit Führungskräften und Teams in den Bereichen „Leaderhsip“ und „Teamwork“. Was ihm wichtig ist: „Es darf kein Widerspruch sein, geradeaus auf ein Ziel hinzuarbeiten und dabei immer menschlich zu bleiben – das ist auch im Business enorm wichtig, wird jedoch selten so gelebt.“ Aufholbedarf gäbe es aber ganz allgemein, denn während es für Sportlerinnen und Sportler ganz normal ist, sich Hilfe von einem Coach zu suchen, wenn man selbst an seine Grenzen stößt, so gelte dies außerhalb der Sportwelt als Schwäche. Besonders die Arbeit als Mentor mit Jugendlichen, angehenden Profisportlern und etablierten Profis wurde zu seiner Leidenschaft. „Ich habe so vieles am eigenen Leib gespürt, die Emotionen, Ängste und Träume, daher kann ich mich sehr gut in andere Menschen hinein versetzen. Das macht im Coaching und Mentoring einen großen Unterschied und es macht einfach riesige Freude anderen Menschen etwas auf ihren Weg mitgeben zu dürfen.“

Herzensprojekt „74 wants more“

Neben der Selbstständigkeit und seiner Familie gibt es jedoch noch ein weiteres Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt: Kalt betreibt seit mehreren Monaten einen eigenen Podcast unter dem Namen „74 wants more“. Hierbei will er Menschen ins Rampenlicht rücken, die besondere Lebensgeschichten zu erzählen haben, aus denen die Hörerinnen und Hörer und auch er selbst inspiriert werden und von denen sie lernen können. Nicht selten bekam er bereits die Rückmeldung von Menschen, dass eine Folge positive Auswirkungen auf deren Leben hatten. „Meine Motivation setzt sich zum einen aus diesen Reaktionen zusammen, zum anderen aber auch aus dem Effekt, dass ich selbst mit jedem Gespräch viel dazulerne.“

Fortsetzung folgt

Fortsetzung folgt: Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an [email protected]

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