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© Dimitri Würschel

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Dimitri Würschel verzaubert Groß und Klein: „Der Zirkus wird nie sterben“

Kärnten – Von Lukas Moser: Der gebürtige Maria Saaler Dimitri Würschel (32) ist den meisten als „Dimitri Alberto“ bekannt. Als Zirkusdirektor seines eigenen „Circus Dimitri“ verzaubert er seit vielen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Groß und Klein. Mit uns sprach er über seine Anfänge, die romantischen Vorstellungen und die "schwerste Krise des Zirkusses aller Zeiten."

 8 Minuten Lesezeit (996 Wörter) | Änderung am 23.02.2021 - 19.42 Uhr

Von Lukas Moser. Bereits im Alter von 6 Jahren entdeckte Dimitri Würschel seine Liebe zum Zirkus, er spricht von einem prägenden und zauberhaften Erlebnis, von dem er das Bild noch heute im Kopf habe: „Da stand ein kleiner Wanderzirkus, der am Stadtrand von Klagenfurt überwinterte. Die Glühbirnen haben geleuchtet und ich bin im hohen Schnee mit meinem Opa dem Zirkuszelt entgegengestapft. Damals habe ich gewusst: Wenn ich groß bin, werde ich Zirkusdirektor.“ Besonders der Zirkusduft habe es ihm damals angetan: „Den wunderbaren Mix aus Sägemehl, Popcorn und Tieren habe ich noch immer in meiner Nase und dieser Zauber hat mein Leben bis heute begleitet.“

Alles begann beim Altstadtzauber in Klagenfurt…

Zuhause begann er dann mit dem Jonglieren und ersten Zauberversuchen, wobei seine Gäste damals noch aus den Eltern und Großeltern bestanden. Sein erster öffentlicher Auftritt folgte im Rahmen des Klagenfurter Altstadtzaubers und mit 8 Jahren wurde er zum Nationalzirkus eingeladen, wo er mit Clown „Lubino“ seinen späteren Lehrmeister kennenlernen konnte – heute verbindet die beiden eine innige Freundschaft. Er war es auch gemeinsam mit Würschels Eltern, der darauf pochte, dass „Dimitri Alberto“ trotzdem die Schule fertig machen müsse. Doch nicht nur das: Heute ist er sogar studierter Lehrer und Doktor der Philosophie.

„Wir können ohne den anderen gar nicht leben“

Mit der Namensgebung dürften seine Eltern bereits geahnt haben, welch exotischen und abenteuerlichen Weg ihr Sohn einschlagen wird, denn sein Künstlername ist auch sein wahrer Name: „Alberto nannte man mich und meinen Bruder, weil schon unser Opa so hieß.“ Der um mehr als ein Jahrzehnt jüngere Bruder Dimitris, „Leon Alberto“ Würschel (19), wuchs ebenfalls in die Welt des „Circus Dimitri“ und ist mittlerweile fester Bestandteil desselben. Er sei für die ganze Akrobatik und Clownerie zuständig und daher ein wahrer „Tausendsassa der Zirkuskunst“. Würschel dazu: „Wir sind Kollegen, Brüder und beste Freunde – wir können ohne den anderen gar nicht leben.“

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Dimitri und Leon Alberto in ihrer eigenen Welt.

Dimitri und Leon Alberto in ihrer eigenen Welt. - © Dimitri Würschel

„Der Zirkus wird nie sterben“

Udo Jürgens hat dem Zirkus ein eigenes Lied gewidmet, in dem er singt: „Ihr werdet große Schätze nie erwerben. Trotzdem versprecht: Der Zirkus darf nicht sterben!“ In vielen anderen Jobs könnte der Dr.phil. mehr verdienen, doch als Zirkusdirektor lebe er von „Idealismus und einer großen Portion Luft und Liebe“. Das Zirkusgeschäft sei hart und schwierig, aktuell gehe der Zirkus allgemein durch die größte Krise seiner Geschichte, aber: „Der Zirkus wird nie sterben.“ Jahrelang verlangte er für seine Auftritte gar keinen Eintritt, heute einen Minimalbetrag, denn „im Mittelpunkt steht der soziale Gedanke“. Würschel: „Mit dem Zirkus wird man so oder so finanziell nicht reicht, aber ich bin steinreich an Lächeln von Menschen und das ist das einzig Wichtige.“ Nachdem er aber auch von etwas leben müsse, gab es immerhin die Möglichkeit zu freiwilligen Spenden, sozial benachteiligte Gruppen lädt er jedoch immer kostenfrei in die Manege ein.

Von „Augustine Mausini“ und anderen „Familienmitgliedern“

Von LED-Werbungen hält der Nostalgiker nichts: Wenn er in der Stadt ist, kündigt er seinen Zirkus in einer Ente-2CV fahrend durch das Grammophon an. Den Zirkus neu erfinden wollte er nie, liebt er gerade das Nostalgisch-romantische daran. So prägt der Dreiklang aus Clowns, Artisten und Tieren den „Circus Dimitri“. Trotzdem trägt er ihn gerne in die Zukunft – so gibt es bei ihm mit dem „Familienmitglied Augustine Mausini“ die einzige Zirkusmaus der Welt: „Sie balanciert auf dem Hochseil und fliegt in einem Mini-Heißluftballon durch das Zirkuszelt.“ Durch die Auftritte erhielt Würschel mit seiner Akrobatikmaus sogar eine Rolle im Poesiespielfilm „Kinderzauber“ – am Ende wurde der Film sogar weltweit auf Kino-Festivals gezeigt. Während seit Neuestem auch Zirkushund  Henry die Gäste begeistert, sind die Zirkushasen und Schildkröte „Charlotte Lombardi“ mittlerweile „in Pension“.

„Solange 1.000 Sterne am Himmel stehen, wird der Zirkus niemals untergehen“

Seine prägendsten Momente? Vor vielen Jahren begann die Tradition der Weihnachtsvorstellungen, wo auch immer wieder internationale Stars auftreten, in kleinstem Rahmen – vor zwei Jahren konnte er an einem Tag bereits über 1.600 Besucher im Klagenfurter Konzerthaus begrüßen. Doch auch Negatives musste der Zirkusdirektor bereits erleben: In Bad Schallerbach flog ihnen bei einem Sturm das Zirkuszelt davon, in Velden wurde das liebevoll kreierte Equipment über Nacht mutwillig zerstört und gestohlen: Aber auch von Rückschlägen lässt sich Würschel nicht unterkriegen: „Noch am selben Abend haben wir mit dem übriggebliebenen Rest versucht weiterzuspielen, um Groß und Klein glücklich zu machen.“

Das Verlangen nach dem Zirkus in schweren Zeiten

Kurz nach Bekanntwerden des 1. Lockdowns veranstalteten sie als Geschenk für die Kinder via Facebook-Livestream eine Vorstellung: „Wir wollten den Kindern in dieser schweren Zeit eine Freude bereiten und das haben wir geschafft, auch wenn die online natürlich nicht so angesprochen werden konnten.“ Im August konnten sie dann wieder persönlich auftreten, wobei alle 26 Vorstellungen restlos ausverkauft waren. Gespielt wurde im neuen „Zirkuspalast“, der nun 250 Personen Platz bietet und für den Würschel seit seinen ersten Auftritten vor einem Viertel Jahrhundert sparte. Zwar musste die Weihnachtsvorstellung dann wieder online stattfinden, doch merkte er dabei das gesteigerte Verlangen der Menschen in dieser Zeit: „In schweren Zeiten braucht die Gesellschaft den Zirkus umso mehr.“ Sein Ziel für die Zukunft? Der Zirkus dürfe auf keinen Fall größer werden: „Wir sind am Ziel angekommen. Wird es größer, können wir dem Publikum nicht mehr direkt begegnen“. Kleinigkeiten könnten aber natürlich immer verbessert werden: „Er soll noch zauberhafter werden.“

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„Wer einmal Manegen-Sand betreten hat, kommt davon nicht mehr los“

„Wer einmal Manegen-Sand betreten hat, kommt davon nicht mehr los“ - © Robert Rieger Photography

Fortsetzung folgt

Fortsetzung folgt: Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an [email protected]

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