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Wirtschaft - Kärnten
AK Präsident Günther Goach:
AK Präsident Günther Goach: "Ich bin ein Anhänger von flexiblen Arbeitszeitmodellen die branchenorientiert angepasst sind." © Helge Bauer

Interview zum 1. Mai:

„Es gibt genügend Arbeit, nur, sie muss gerecht verteilt werden“

Kärnten – Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ist der höchste „Feiertag“ der Arbeitnehmervertretung und ihrer gesetzlichen Interessenvertretung, der Arbeiterkammer. Wir führten mit Kärntens AK-Präsident Günther Goach ein Interview über die Bedeutung des 1. Mai, die Corona-Krise und die Zukunft für Arbeitnehmer.

 6 Minuten Lesezeit (741 Wörter)
Der 1. Mai ist eigentlich geprägt von zahlreichen Veranstaltungen und Kundgebungen. Wie feiert die AK Kärnten in diesem Jahr den „Tag der Arbeit“?

AK-Präsident Günther Goach: Wie es die gesetzlichen Regelungen vorgeben. Leider ist keine öffentliche Veranstaltung möglich. Wir ehren den Tag jedoch mit Informationen an unsere Mitglieder um klar zu machen, welche positiven Auswirkungen der 1. Mai auf die Sozialpolitik – für die arbeitenden Menschen – hat.

Die Kärntnerinnen und Kärntner sind von der Corona-Krise unterschiedlich betroffen. Während die einen von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen sind, leisten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Überstunden. Wie bewerten Sie das?

Kurzarbeit ist ein probates Mittel um Arbeitslosigkeit in der Pandemiezeit oder temporäre Auftragsrückgänge zu bekämpfen. Dennoch sind Überstunden im heutigen Wirtschaftsleben in gewissen Bereichen einfach notwendig. Ich nenne hier beispielsweise den Gesundheits- und Pflegebereich, Terminarbeit, das Transportwesen und so weiter….

Wie lange kann das Modell Kurzarbeit noch bestehen?

Aus meiner Sicht ist dieses Modell, wenn man es entsprechend modifiziert, ein Modell der Zukunft um temporär Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Wie hat die Corona-Krise unsere Arbeit beeinflusst/verändert?

Maßgeblich, weil durch die Pandemie das bisherige Wirtschaftsgefüge ins Wanken geraten ist. Beispielsweise hat der Lockdown regelmäßiges Arbeiten zum Teil völlig verhindert. Denken wir zum Beispiel an die Gastronomie, den Tourismus oder den Friseur.

Wie stehen Sie einer 30-Stunden-Woche gegenüber?

Ich bin ein Anhänger von flexiblen Arbeitszeitmodellen die branchenorientiert angepasst sind. Es ist nicht auszuschließen, dass es Branchen gibt, wo 30 Stunden durchaus vorteilhafter sind. Es sei angemerkt, dass Freizeit für die Menschen immer wichtiger wird. Diesem Trend muss auch Rechnung getragen werden.

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AK-Präsident Günther Goach mit Tochter und Ehefrau .

AK-Präsident Günther Goach mit Tochter und Ehefrau . - © Wajand

Was sagen Sie zum diskutierten bedingungslosen Grundeinkommen?

Ich bin grundsätzlich ein Gegner. Wobei es in Zukunft auch denkbar ist, Elemente von Grundeinkommen im geregelten Arbeitsleben einzubauen. Vor allem in Branchen, wo man sehr wenig verdient.

Digitalisierung und technischen Wandel: Geht der Arbeitsgesellschaft bald die Arbeit aus?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt genügend Arbeit, nur sie muss gerecht verteilt werden.

Häufiger Jobwechsel: Sterben langjährige Arbeitnehmer aus?

Die Wirtschaft hat sich in eine Richtung entwickelt, in der dauerhafte Arbeitsverhältnisse bis hin zur Pension immer seltener vorkommen. Das ist dem Wandel der Wirtschaft geschuldet.

Wie wird Arbeit in 50 Jahren aussehen?

Das ist aus heutiger Sicht überhaupt nicht absehbar. Denn allein die Digitalisierung bringt einen Wandel mit sich, der nicht vorhersehbar ist.

Zur Person:

Günther Goach wurde am 4. Juli 1957 in St. Stefan/Stainz in der Steiermark als Sohn einer Bergbauernfamilie geboren. Während seiner Tätigkeit bei Siemens Villach (heute Infineon) lernte er seine jetzige Frau kennen. Gemeinsam haben sie eine inzwischen erwachsene Tochter und leben in Villach/Kärnten. Günther Goach besuchte die HTL in Graz mit Schwerpunkt „Gestaltendes Metallhandwerk“ sowie die Sozialakademie in Wien/Mödling. Seinen Präsenzdienst leistete Goach bei den Heeresfliegerkräften in Graz-Thalhof und Linz-Hörsching (Karo As Flugstaffel/Bodenpersonal).

Berufslaufbahn

Nach seiner Schulausbildung arbeitete Günther Goach in verschiedenen Gewerbebetrieben und kam 1979 zur Siemens Austria nach Villach (ab 1999 Infineon Technologies Austria AG). Zwei Jahre davon verbrachte er bei Siemens in München. Sein großes Engagement für Arbeitnehmerrechte zeigte Günther Goach bereits als Betriebsratsvorsitzender des Arbeiterbetriebsrates von 1984 bis 2005. Schon 1989 wurde Goach zum Kammerrat in die Vollversammlung der Kärntner Arbeiterkammer gewählt. Mitglied des AK-Vorstandes wurde Goach 1994. Seit 2002 ist er Landesvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (seit 2009 PRO-GE) und Präsident der Arbeiterkammer Kärnten. Seit Juni 2008 ist er ebenfalls Landesvorsitzender der FSG Kärnten.

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Seine Freizeit verbringt Goach mit Skifahren, Radfahren und mit seinen Enkeln.

Seine Freizeit verbringt Goach mit Skifahren, Radfahren und mit seinen Enkeln. - © Privat

Hintergründe zum Tag der Arbeit:

Die erste Massendemonstration fand am 1. Mai 1856 in Australien statt, erst 1890 wurde er weltweit mit Streiks und Demonstrationen begangen. Die Arbeiter Österreichs beteiligten sich daran vor allem mit Ausflügen ins Grüne und schon 1907 war in mehr als zwei Dritteln der Arbeitsverträge dieser Tag mit einer Arbeitsruhe verbunden. 1933 verbot Kanzler Dollfuß die sozialdemokratischen Maifeiern in Österreich, um bereits 1934 den „Tag der Arbeit“, „Tag der Jugend“ und „Tag der Mutter“ zum Staatsfeiertag zu erklären. (Quelle: https://www.feiertage-oesterreich.at/staatsfeiertag-1-mai)

Hinweis: Dieses Interview basiert auf dem Wissensstand vom 29. April 2021. Gesetzliche Bestimmungen zur Corona-Krise können sich laufend ändern. Alle Informationen auf dem neuesten Stand findest du unter kaernten.arbeiterkammer.at

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