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Wirtschaft - Kärnten
WK-Präsident Jürgen Mandl:
WK-Präsident Jürgen Mandl: "Jeder von uns hat es selbst in der Hand, mit seinem verantwortungsvollen Handeln weitere Lockdowns zu verhindern." © WKK/Helge Bauer

Interview zum Tag der Arbeitgeber:

„Kärntens Wirtschaft würde einen weiteren Lockdown nicht verkraften!“

Kärnten – "Ohne Unternehmen gibt es keine Arbeit, ohne Arbeit keinen Wohlstand", deswegen hat die Wirtschaftskammer am 30. April den "Tag der Arbeitgeber" ausgerufen. Doch auch heuer ist aufgrund der Pandemie vieles anders. WK-Präsident Jürgen Mandl im Gespräch über die wirtschaftliche Krise, verantwortungsvolle Unternehmer und den alten, neuen Wert von Zusammenarbeit.

 8 Minuten Lesezeit (1037 Wörter)
„Tag der Arbeitgeber“ in der Pandemie: Welche Herausforderungen bringt dies mit sich?

WK-Präsident Jürgen Mandl: Die Herausforderungen, vor denen wir noch immer stehen, sind groß. Als mutige und motivierte Unternehmer verstehen wir aber, dass der Wandel das einzig Beständige ist; und dass es an uns liegt, mit Innovations- und Schaffenskraft Kärnten als Lebensstandort weiterhin zu prägen, auch und besonders in schwierigen Zeiten. Welche enormen Schwierigkeiten es bereitet, die Wirtschaft mit ihrem hochkomplexen, fein verzahnten Mechanismus wieder in Gang zu bringen, erleben wir derzeit täglich. Deshalb fragen wir heuer nicht „Was wäre der Tag der Arbeit ohne Arbeitgeber?“, sondern „Was wäre der Tag der Arbeit ohne Zusammenarbeit?“. Denn, es ist auch an der Zeit, Danke zu sagen. Sowohl für die Unternehmer als auch für deren Mitarbeiter.

Kann Kärntens Wirtschaft überhaupt noch einen weiteren Lockdown verkraften?

Nein, und ich hoffe sehr, dass zeitnah die noch geschlossenen Betriebe aufsperren dürfen. Aber hätte die Regierung nicht die Notbremse in Form einer starken Einschränkung des öffentlichen Lebens gezogen, wäre es zu einer Überlastung auch des gut ausgestatteten österreichischen Gesundheitssystems gekommen. Schlussendlich hat es jeder von uns selbst in der Hand, mit seinem verantwortungsvollen Handeln weitere Lockdowns zu verhindern.

Inwiefern konnten die finanziellen Unterstützungen der Regierung den Arbeitgebern helfen?

Das staatliche Auffangnetz vom Härtefallfonds bis zum Fixkostenzuschuss und zum Umsatzersatz ist beispiellos. Darüber hinaus gibt es ein Instrumentarium an Unterstützung für jene, die sich aus der Krise hinausinvestieren wollen. Denn um die Auswirkungen der Krise auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Griff zu behalten, ist eine kluge Kombination aus Entlastung und Förderung vonnöten. Mit den Maßnahmen der Bundesregierung und den Ergänzungen des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds kann es gelingen, den heimischen Wirtschafts- und Lebensstandort wieder zu stärken. Auf unserer Homepage www.comeback-kaernten.at haben wir alle aktuellen Förderungen für Sie übersichtlich zusammengefasst. Wir haben Informationen und weiterführende Links zu den Bundesmaßnahmen Fixkostenzuschuss, Investitionsprämie und degressive Abschreibung aufgelistet.

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WK-Präsident Jürgen Mandl

WK-Präsident Jürgen Mandl - © WKK/Helge Bauer

Sie zeigen sich wegen der Treffsicherheit und des Tempos der Hilfsmaßnahmen für Unternehmen besorgt. Woran hakt es Ihrer Meinung nach?

Ich weiß selbstverständlich, dass solche Maßnahmen im Einzelfall nie genügen und viel Kritik hervorrufen. Zum Teil ist diese ungerechtfertigt, denn bei einem Blick über die Grenzen wird klar, dass die Unterstützung für die heimischen Unternehmen sehr gut ist. Zum anderen Teil aber gibt es etliche Branchen, die nicht oder nur mangelhaft berücksichtigt werden. Da fehlt eindeutig die Genauigkeit und Praxisnähe. Aus meiner Sicht muss hier dringend nachgeschärft werden und dafür setzen wir uns mit aller Kraft ein.

Ist es in Zeiten wie diesen schwieriger geworden ein Unternehmer zu sein?

Nein, es ist einfach anders. Aber Optimismus ist für uns Unternehmer eine genetische Grundvoraussetzung. Einige nutzen die Zeit, um Liegengebliebenes zu erledigen und viele beweisen einmal mehr ihren Unternehmergeist. Lassen sich etwas einfallen und stellen ihr Geschäftsmodell um. Außerdem blüht der Unternehmerspirit in Kärnten auch in unsicheren Zeiten. 2.338 Personen haben 2020 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Damit setzen unsere Gründer ein starkes Zeichen für den Standort. Der Großteil der Gründer entscheidet sich bewusst für die Selbständigkeit, um sich in einem erfüllteren Arbeitsleben zu verwirklichen. Eine Krise ist da oft der ausschlaggebende Faktor, um andere berufliche Wege zu gehen.

Inwiefern herrscht Neid und Missgunst unter Unternehmern, die bereits öffnen durften und denen, die noch geschlossen haben müssen?

Neid und Missgunst sind harte Worte. Es mag sein, dass es den einen oder anderen gibt, der neidisch auf Unternehmerkollegen blickt, doch das ist mit Sicherheit nicht die Regel. Jeder hat mit seinem eigenen Betrieb zu tun und dort liegt auch der Fokus. Ich persönlich nehme deutlich mehr Zusammenhalt wahr. Viele Selbstständige unterstützen sich, pushen sich beispielsweise in den sozialen Netzwerken gegenseitig und legen eine „Das pack ma“- Mentalität an den Tag.

Was bringt die Zukunft für Arbeitgeber?

Jetzt geht es darum, uns dem Wandel intelligent anzupassen, wo immer das möglich ist. Ungewöhnliche Situationen verlangen manchmal ungewöhnliche Maßnahmen und bieten oft auch ungewöhnliche Chancen: Investitionen werden derzeit so gut gefördert wie noch nie. Wer kann, ist derzeit gut beraten, sich für die Zukunft zu rüsten. Denn irgendwann werden wir das Kapitel Corona Pandemie abschließen können. Und ein neues, erfolgreiches Kapitel der Kärntner Wirtschaftsgeschichte aufschlagen.

Was brauchen die Kärntner Unternehmer jetzt am dringendsten?

Planungssicherheit. Kaum etwas ist zermürbender, als nicht zu wissen, wie es wann weitergeht. Geschlossene Betriebe benötigen einen Fahrplan, um sich vorbereiten zu können und bereits geöffnete Firmen müssen wissen, ob sie weiterhin arbeiten können. Und die Kärntner Unternehmen brauchen die Loyalität ihrer Kunden. Heimkaufen, also das Shoppen und Buchen bei regionalen Betrieben, ist wichtiger denn je. Auch das hat jeder von uns selbst in der Hand und kann mit seinen Kaufentscheidungen Einfluss auf die Gesundheit unserer Kärntner Wirtschaft nehmen.

Zur Person:

Jürgen Mandl (55 Jahre) hat nach der Matura und Studienaufenthalten in Graz und Venezuela gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen Handelsbetrieb für Backmaschinen übernommen und von einem regionalen zu einem international agierenden Unternehmen ausgebaut. 2008 wurde Mandl, der fließend Englisch, Spanisch und Portugiesisch und ein wenig Serbokroatisch spricht, Obmann der Sparte Handel, seit 2014 ist er Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei erwachsenen Kindern in Klagenfurt.

Hintergrund Tag der Arbeitgeber:

Arbeitsplätze und Wohlstand in Österreich sind untrennbar mit unseren Unternehmerinnen und Unternehmern verbunden. Daher hat die Wirtschaftskammer den Vortag des 1. Mai (Tag der Arbeit) zum Tag der Arbeitgeber ausgerufen. Damit soll den heimischen Betrieben für ihren unermüdlichen Einsatz zum Wohle aller in unserem Land gedankt werden. Diese öffentliche Wertschätzung für alle kleinen und großen Unternehmen zeigt, dass nur mit ihrer Tatkraft Beschäftigung und soziale Sicherheit in Österreich geschaffen und gesichert werden können. (Quelle: https://www.wko.at/Content.Node/kampagnen/tagderarbeitgeber/index.html)

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