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Leute - Kärnten
© Landespolizeidirektion Kärnten

DAS ist Kärnten

Rainer Dionisio: „Nehme mir viele Schicksale selbst zu Herzen“

Kärnten – Rainer Dionisio (55) ist Leiter der Öffentlichkeitsabteilung der Landespolizeidirektion Kärnten. In „DAS ist Kärnten“ sprach er über den Umgang mit der Pandemie, die Migrationskrise, seine persönliche Sicht auf Stereotype und den (beruflichen) Alltag. 

 9 Minuten Lesezeit (1130 Wörter)

Von Lukas Moser. In der Kärntner Landespolizeidirektion ist er für die gesamte Kommunikation und Public Relation zuständig: Dies umfasse die gesamte Pressearbeit mit jährlich rund 3.500 Presseausendungen und knapp 1.000 Interviews, das Veranstaltungsmanagement mit etwa 60 Veranstaltungen im Jahr (in Nicht-Corona-Zeiten), das von ihm aus der Taufe gehobene Info-Magazin, das er als sein persönliches „Baby“ bezeichnet, und den Bereich der Internetkommunikation, wo Dionisio besonders der Facebook-Kanal mit Stolz erfüllt. Wie der wohl bekannteste Polizist Kärntens mit der Publicity umgeht? „Natürlich freut es mich, wenn man mich erkennt, aber auch eine gewisse Bürde, weil man sich in der Öffentlichkeit immer dementsprechend zu verhalten hat.“ Man sei generell als Polizist immer beobachtet und wird als „die Polizei“ betrachtet, was er durchaus auch für all seine Kolleginnen und Kollegen als „Hypothek“ bezeichnen würde.

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Rainer Dionisio im Interview mit 5 Minuten.

Rainer Dionisio im Interview mit 5 Minuten. - © Landespolizeidirektion Kärnten

Vom Autoelektriker zur Polizei

Seit mittlerweile 16 Jahren ist er Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der LPD Kärnten, sogar Hofrat kann er sich bereits nennen – ihn selbst kümmert das jedoch wenig: „Das ist halt so, keinesfalls sexy, einfach eine Art Alterserscheinung.“ Der berufliche Weg bis zu seiner heutigen Funktion war jedoch keineswegs vorgezeichnet: „Ich komme aus eher einfachen Verhältnissen, aus einer Familie, wo Weiterbildung nicht üblich war“, meint Dionisio nachdenklich. Dementsprechend habe er die Matura nicht machen dürfen, sondern den Beruf des Autoelektrikers gelernt. Den zweiten Bildungsweg schlug er ein, um sich selbst und allen anderen zu zeigen, dass ein Aufstieg möglich sei.

60 Sekunden entschieden über seinen Lebensweg

Zur Gendarmerie kam er eigentlich durch Zufall und als es 2005 die Notwendigkeit gab, die Öffentlichkeitsarbeit neu aufzustellen, engagierte er sich in diesem Bereich. Nachdem das Projekt planmäßig sein Ende fand, fragte ihn sein damaliger Vorgesetzter, ob er nicht die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen möchte und gab ihm 60 Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen: „Obwohl ich ursprünglich zum Landeskriminalamt wollte, habe ich angenommen und diese spannende Aufgabe erfüllt mich bis heute.“ Es ist ein Fulltime-Job, denn auch wenn am Wochenende, nächstens oder gar während seines Urlaubs wichtige Vorfälle geschehen, muss er verfügbar sein. Ohne Unterstützung seines Umfeldes wäre so etwas jedoch unmöglich zu bewerkstelligen. Im Fall von Dionisio ist auch seine Frau bei der Polizei im exekutiven Außendienst tätig, die Tochter bereits erwachsen: „Da habe ich also alle Unterstützung, die man sich wünschen kann.“

„Sehe es als meine Pflicht, Kollegen zu verteidigen“

Neben der ständigen Erreichbarkeit gibt es jedoch einen anderen Punkt, der ihn enorm störe: „Oft wird die Polizei als inkompetent und böse dargestellt. In Wahrheit sind wir aber ein Abbild der Bevölkerung, gänzlich heterogen und nur, weil ich eine Uniform trage, bin sich sicher keinem speziellen Klientel zuzuordnen.“ Das passiere jedoch noch immer oft und hier fühle er sich persönlich attackiert: „Da sehe ich mich in der Pflicht, mich und meine Kolleginnen und Kollegen entsprechend zu verteidigen.“

„Schwindeln in meiner Funktion? Nur einmal in 16 Jahren“

Dies war einer der Gründe, warum Dionisio 2009 ein dreimonatiges Journalisten-Kolleg absolvierte, um die andere Seite kennenzulernen. Auch dort sei er jedoch wie ein „Fremdkörper“ behandelt worden, was ihm sogar offen so kommuniziert wurde. Für die gegenwärtige Kärntner Medienlandschaft bricht er jedoch eine Lanze, die negativen Beispiele seien an bundesweiten und internationalen Anfragen festzumachen. Während der 16 Jahre im Amt habe er nur ein einziges Mal geschwindelt, sich die damalige Kritik der betroffenen Journalistin zu Herzen genommen und seitdem einen anderen Weg gewählt: „Es gibt immer wieder Dinge, die man öffentlich aus Sicherheitsgründen (noch) nicht kommunizieren kann, das sage ich dann auch so.“ Den Großteil der Fälle bekommt er durch seine Funktion selbst mit. Ob er nach so langer Zeit bereits abgebrühmt ist? Er winkt ab: „Ich lebe derartig mit, dass ich mir oft denke, dass dies für meine eigene Gesundheit nicht gut sein kann. Aber ich bin auch nur ein Mensch und nehme mir viele Schicksale auch selbst zu Herzen.“ Im Rahmen seiner Funktion spricht er für die gesamte Polizei, trotzdem er natürlich auch seine private Meinung hat: „Bei grausigen Sachverhalten, etwa bei Vergewaltigungen, lasse ich es mir nach so vielen Jahren nicht nehmen, meine persönliche Meinung offen kundzutun.“

„Die Migrationskrise hat mich am meisten gefordert“

Jene Phase, die ihn bisher am meisten gefordert habe, war die Migrationskrise 2015: „Das war psychisch und physisch eine Ausnahmesituation, weil wir überrascht und dann monatelang gefordert wurden. Da haben meine Frau und ich nur Dienste gemacht und geschlafen, abseits dessen war nichts möglich. Wir haben damals nichts verschleiert, nichts beschönigt, wurden aber von allen Seiten für teils gegenteilige Aspekte kritisiert.“ Im Nachhinein ist er jedoch sehr stolz auf die damalige Leistung, habe man doch viel Aufklärungsarbeit leisten können. Ressentiments gegen die Polizei merke er aber nicht nur im Job, sondern auch im Privaten: „Wir haben auf die immer stärker um sich greifenden Fake-News reagiert, haben das Vertrauen in die polizeiliche Pressearbeit weiter versucht auszubauen.“ Das sei auch der Grund, warum es manchmal etwas länger dauere, bis man sich an die Öffentlichkeit wende, denn es müssen zu 100% gesicherte Informationen sein.

„Kärnten hält sich an die Maßnahmen“

Fordernd war und ist aber auch die Pandemie, insbesondere im November war die Situation bei der Kärntner Polizei kritisch, waren viele seiner Kolleginnen und Kollegen erkrankt und auch er selbst in Quarantäne. Man blieb einsatzfähig, was aber nur durch das professionelle Verhalten aller Kolleginnen und Kollegen möglich war: „Da ziehe ich wirklich meinen Hut.“ Wie er persönlich das Verhalten der Kärntnerinnen und Kärntner in der Pandemie sieht? Man müsse das große Ganze sehen und nicht Einzelfälle emotional beurteilen, denn Ausreißer gäbe es immer. Der sehr überwiegende Großteil halte sich vorbildlich an die Maßnahmen. Jung hält sich Dionisio mit dem Gitarre spielen und seit einem Jahr spielt er auch Floorball, wobei seine dortigen Kollegen teils um Jahrzehnte jünger sind. Lachen muss er, wenn er an Krimis im Fernsehen denkt: „Wir sind alle medial geprägt, die Realität sieht aber natürlich ganz anders aus.“ Privat sieht er diese zwar sehr gerne, aber um diesem Bild auf den Zahn zu fühlen, beschäftigte sich der dissertierte Kommunikationswissenschaftler sogar im Zuge von Diplom- und Doktorarbeit mit der medialen Verarbeitung der Polizei.

Fortsetzung folgt:

Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an [email protected].

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