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Leben - Kärnten
Prof. Rudolf Likar in seinem Metier.
Prof. Rudolf Likar in seinem Metier. © Sissi Furgler Fotografie

DAS ist Kärnten

Rudolf Likar: “In einem solchen Beruf geht es nicht ohne Glauben”

Kärnten – Der gebürtige Himmelberger Rudolf Likar (61) ist u.a. nicht nur Vorstand der Abteilung für Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt, Vize-Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft und Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft, sondern auch Corona-Koordinator für Intensivmedizin des Landes Kärnten. In „DAS ist Kärnten“ sprach er mit uns auch über Fehler in der Krisenbewältigung und seine persönliche Kraftquelle.

 9 Minuten Lesezeit (1099 Wörter) | Änderung am 10.05.2021 - 12.17 Uhr

Von Lukas Moser. Vor Einsetzen der 2. Welle meinte Likar noch, das Gesundheitssystem werde in dieser Pandemie nicht an seine Grenzen gelangen, doch es sollte gegen Ende 2020 auch in Kärnten anders kommen. Trotzdem sei man gut durch die drei Wellen gekommen, wenngleich das Personal sehr belastet wurde: „Das waren Ausnahmezustände, in denen Pflegepersonal und Ärzte einen ausgezeichneten Job gemacht haben.“

„Wir dürfen die Statistiken nicht verfälschen“

Den Trend auf den Kärntner Intensivstationen schätzt Likar vorsichtig positiv ein: „Die hohe Belastung kommt zustande, weil aktuell jeder dritte, der stationär bei uns aufgenommen wird, auch auf die Intensivstation muss. Derzeit ist die Lage aber überschaubar, die stationären Patienten nehmen ab und wir hoffen, dass sich dieser Trend auch bald bei den Intensivpatienten zeigt.“ Laut Likar sei die Zahl der Intensivpatienten aber generell verfälscht. So seien Covid-Intensivpatienten, deren Viruslast nur noch gering war, nicht mehr als Covid-Intensivpatienten gezählt worden. Ein Umstand, den er nicht verstand: „Das hat die Statistik verfälscht. Wenn jemand nicht mehr infektiös ist, aber trotzdem aufgrund seiner Covid-Erkrankung intensivbedürftig ist, muss das statistisch abgebildet werden.“ Neuerdings stellte man dies in Kärnten um, wobei nun die Gesamtzahl der Covid-Intensivpatienten gezählt und eine Unterscheidung in infektiöse und nicht-infektiöse Menschen vorgenommen wird.

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Prof. Likar in seinem Metier

Prof. Likar in seinem Metier - © Sissi Furgler Fotografie

„Wenn ich Panik verbreite, bin ich ein schlechter Katastrophen-Manager“

Der Corona-Koordinator für Intensivmedizin spart jedoch generell nicht mit Kritik, schießt besonders auf die „Panikmache“ rund um die Pandemie, wie sie von manchen betrieben wurde: „Wenn ich Panik verbreite, bin ich ein schlechter Katastrophen-Manager. Ein guter Manager muss die Menschen auch in Krisensituationen beruhigen und versorgen.“ Ihn stört auch, dass man nur die Corona-Toten sehen würde: „Menschen sterben auch an anderen tragischen Dingen. Es gibt viele weitere Krankheiten, die auch den Tod bringen und man kann nicht alles auf Corona-Tote reduzieren.“

“Vorkehrungen zum Schutz der Pflegeheime waren zu wenig”

Aber auch der Umgang mit älteren Menschen müsste seiner Ansicht nach überdacht werden: „Die Vorkehrungen zum Schutz der Pflegeheime waren zu wenig, denn die Isolation ist das schlimmste, was man solchen Menschen antun hat können.“ Das führt ihn zu einem weiteren Punkt, der ihm sauer aufstößt: „Es hat mich massiv gestört, dass sich Angehörige nicht von ihren sterbenden Mitmenschen verabschieden konnten. Wir haben das aber auf unseren Intensiv- und Palliativstationen immer zugelassen.“

Anfang Dezember gab es hartnäckige Gerüchte um Triage am Klinikum Klagenfurt, über die dem Betriebsrat vom medizinischen Personal berichtet wurde. Likar relativiert, dass es im medizinischen Alltag auch abseits von Covid dazu komme, dass man entscheiden muss, wer sozusagen noch eine Chance hat: „Man muss immer die Lebensgeschichte des Menschen mitberücksichtigen. Man spricht mit den Betroffenen, mit den Angehörigen und die Entscheidung wird auch mit den Kolleginnen und Kollegen abgestimmt.“

Der Berg Athos als Energiequelle

Dass solche ethischen Entscheidungen jedoch schwer und belastend sind, bestreitet Likar nicht und fügt hinzu: „In einem solchen Beruf, wo man mit so vielen Schicksalen zu tun hat, geht es nicht ohne Glauben.“ Er sei sehr gläubig, aber „nicht im engeren Sinne konfessionsgläubig“, wie er selbst sagt. Seine ganz persönliche Energiequelle ist dahingehend der Berg Athos, eine orthodoxe Mönchsrepublik, die innerhalb Griechenlands sogar autonomen Status besitzt. Jedes Jahr fahre er, wenn möglich, dorthin: „Wenn man sich auf die Eremiten vor Ort einlässt, gibt einem das unglaublich viel Kraft“, sagt Likar, der als Kind sogar überlegte, selbst Priester zu werden.

Auf besonderen Wegen geht der Mediziner aber auch in seinem Beruf: Nachdem es noch keine wirkliche Therapie für Covid-Patienten gäbe, versucht er seit Anfang des Jahres, diese mit CBD (Cannabidiol) zu behandeln – mit Erfolg: „Man kann damit die Entzündungszeit verkürzen und wir haben gesehen, dass es bei Covid-Patienten wirklich gut wirkt.“ Bereits Jahre zuvor setzte er CBD bei Patienten mit Gehirntumoren ein und konnte ihre Lebenszeit damit quasi verdoppeln.

„Auch im Palliativbereich kann man unglaublich viel Gutes tun“

Der Mediziner scheut auch Medien und Öffentlichkeit nicht, ist eines der Gesichter der Pandemie-Bekämpfung in Kärnten. Ob ihn der Gang in die Politik interessieren würde? Immerhin wurde vor wenigen Tagen ein Mediziner als neuer Gesundheitsminister angelobt. Er lehnt entschieden ab: „Nein, denn ich arbeite gerne mit den Patienten und das wird auch so bleiben.“ Besonders am Herzen liegt dem aktuellen Vize-Präsidenten der Österreichischen Palliativgesellschaft, der sich auch klar gegen geschäftsmäßige Sterbehilfe ausspricht, gerade diese Palliativmedizin: „Während auf der Intensivstation der Fokus am Heilen liegt, geht es auf der Palliativstation nur mehr um das Begleiten. Trotzdem kann man für die Menschen in dieser Phase auch unglaublich viel Gutes tun.“

Impfpflicht? „Für das Gesundheitspersonal ja, für die Bevölkerung nein“

Das ganze Land spricht aktuell vom Impfen, seine Meinung dazu wird von manchen Gruppen als kontrovers betrachtet. Kurz nach der 1. Welle schrieb er mit zwei Kollegen das Buch „Bereit für das nächste Mal. Wie wir unser Gesundheitssystem ändern müssen“, in dem er sich auch für eine Impflicht für das Gesundheitspersonal starkmachte. Hinsichtlich der Gesamtbevölkerung lehnt sie Likar, der selbst bereits mit dem Impfstoff von Biontec/Pfizer geimpft wurde, jedoch ab.

„Man kann öffnen“

Hinsichtlich der Öffnungen mit 19. Mai macht er sich, trotz der Vervierfachung der Inzidenz in der Öffnungs-Modellregion Vorarlberg, keine großen Sorgen: „Natürlich steigen die Inzidenzen in Vorarlberg, aber die Zahlen auf den Intensivstationen haben sich nicht negativ verändert. Mit einer weiter sinnvollen Teststrategie kann man sicher öffnen.“ Große Angst vor Mutanten, die den Impfschutz entscheidend senken und uns wieder zurückwerfen könnten, hat er auch nicht: „Wir können hoffen, dass es keine solche Mutante geben wird, obwohl das niemand ausschließen kann. Aber auch die Impfstoffe entwickeln sich rasch weiter und können angepasst werden.“ Betreffend der Pandemie hofft er sogar auf positive Nachwirkungen: „Wenn wir jetzt dann gemeinsam beim Essen sitzen, wird vielleicht nicht jeder am Handy tippen, sondern man wird sich gegenseitig mehr wertschätzen, sich in die Augen sehen und das alles mehr genießen.“ Seine Worte in Gottes Ohren…

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Likar ist aber auch Familienmensch – hier im Bild zu sehen sind seine Gattin Claudia und Hund Unico

Likar ist aber auch Familienmensch – hier im Bild zu sehen sind seine Gattin Claudia und Hund Unico - © Privat

Fortsetzung folgt:

Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an [email protected].

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